Ei­ne ho­he Kunst ge­rät ins Ab­seits

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur - Von Chris­ti­ne Adam c.adam@noz.de

Im Thea­ter hat wohl die St­un­de der Ge­samt­schau ge­schla­gen, die der Bi­lanz oder der Zu­kunfts­vi­si­on, die nicht sel­ten ei­ne Schre­ckens­vi­si­on ist. Für de­ren Ver­an­schau­li­chung wer­den al­le nur denk­ba­ren Mit­tel ein­ge­setzt, von Klang­tep­pi­chen zu Chö­ren, vom Tanz über Vi­deo­tech­ni­ken zu Kun­st­in­stal­la­tio­nen. Für den Zu­griff auf das, was mo­men­tan die Welt be­wegt, scheint ei­nes nicht mehr von Be­deu­tung zu sein: der ein­zel­ne Mensch und sein in­di­vi­du­el­les Schick­sal. Ge-

nau das ist aber der Stoff, von dem die Schau­spiel­klas­si­ker le­ben. Ih­re Dra­ma­tik be­zie­hen sie aus dem Dia­log, der kunst­voll ver­dich­te­ten Spra­che al­so.

Sind Dia­log und Spra­che un­taug­lich ge­wor­den, um die Welt von heu­te zu ver­han­deln? Oder war­um sonst hat das Schau­spie­lerthea­ter der­art ab­ge­dankt, dass es beim Ber­li­ner Thea­ter­tref­fen kei­ne nen­nens­wer­te Rol­le mehr spielt? Der neue Kurs der Ber­li­ner Volks­büh­ne un­ter Chris Der­con weist in ei­ne ähn­li­che Rich­tung.

Mög­li­cher­wei­se ist der Trend zum Per­for­man­ce­und In­stal­la­ti­ons­thea­ter ei­ne neue Wel­le, die bald wie­der an­de­rem Platz macht. Da­zu ge­hört aber die Pfle­ge des Schau­spie­ler­thea­ters, sonst schafft sich die­se gro­ße Kunst selbst ab.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.