Bad Ibur­ger ge­steht 99 Miss­brauchs­fäl­le

Bad Ibur­ger ge­steht 99 Miss­brauchs­fäl­le – Pro­zess im Land­ge­richt Os­na­brück

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite - Von Lo­re­na Dreu­si­cke

OS­NA­BRÜCK. Ein 33Jäh­ri­ger aus Bad Iburg soll über meh­re­re Jah­re Dut­zen­de Kin­der per Chat da­zu ver­lei­tet ha­ben, se­xu­el­le Hand­lun­gen vor­zu­neh­men. Ges­tern zeig­te sich der vor dem Land­ge­richt Os­na­brück An­ge­klag­te ge­stän­dig. Ihm dro­hen meh­re­re Jah­re Haft.

Weil er Kin­der da­zu ge­bracht ha­ben soll, se­xu­el­le Hand­lun­gen an sich vor­zu­neh­men, hat sich ges­tern ein 33-jäh­ri­ger Mann aus Bad Iburg vor dem Land­ge­richt Os­na­brück ver­ant­wor­ten müs­sen. Laut An­kla­ge gab es 99 sol­cher Miss­brauchs­fäl­le.

Die Ver­le­sung der An­kla­ge­schrift dau­er­te fast 50 Mi­nu­ten. Da­rin be­schrieb der Staats­an­walt, wie der An­ge­klag­te von 2013 bis 2016 mit Dut­zen­den Op­fern im deutsch­spra­chi­gen Raum Kon­takt auf­ge­nom­men hatt. Meist han­del­te es sich um Mäd­chen zwi­schen acht und 13 Jah­ren, aber auch um ein paar min­der­jäh­ri­ge Jungs. An­schau­lich führ­te die An­kla­ge aus, wie der 33Jäh­ri­ge sei­ne Op­fer per Chat da­zu an­lei­te­te, sich vor der Web­ka­me­ra zu ent­blö­ßen und sich selbst zu be­frie­di­gen. Für die­se Form des se­xu­el­len Miss­brauchs – Cy­berGroo­m­ing – im ge­nann­ten Aus­maß dro­hen dem Bad Ibur­ger nach In­for­ma­tio­nen un­se­rer Re­dak­ti­on bis zu 15 Jah­re Haft.

Der Be­schul­dig­te hör­te der An­kla­ge bei­na­he re­gungs­los zu, den Kopf mit dem Arm ab­ge­stützt, das Ge­sicht mit der Hand seit­lich ab­ge­schirmt. Er er­klär­te, dass er aus­sa­gen möch­te. Sein An­walt trug das Ge­ständ­nis vor, in dem sein Man­dant al­le ihm an­ge­las­te­ten Ta­ten un­ein­ge­schränkt zu­gab. Rich­ter und Schöf­fen be­frag­ten ihn dar­auf­hin tie­fer­ge­hend. Sto­ckend be­gann der Bad Ibur­ger sei­nen Le­bens­lauf zu um­rei­ßen, re­de­te sich da­bei warm und be­ant­wor­te­te be­reit­wil­lig, wie es zu den Ta­ten kam.

Nach ei­ge­nen An­ga­ben ist der An­ge­klag­te – ein kin­der­lo­ser Jung­ge­sel­le – ein schüch­ter­ner Mensch mit we­ni­gen Freun­den und star­kem Be­zug zum Com­pu­ter. Frau­en über das In­ter­net ken­nen­zu­ler­nen sei ihm aber nicht ge­lun­gen. Laut An­kla­ge such­te er Kon­tak­te in so­zia­len Netz­wer­ken wie Face­book, Ins­ta­gram und Snap­chat, in den Chat­fo­ren Knud­dels und Omeg­le so­wie im On­li­ne­spiel Mo­vie­star­pla­net. Letz­te­res ist ei­ne Platt­form, die vor al­lem von Kin­dern und Ju­gend­li­chen ge­nutzt wird. Da man­che Chat­fo­ren kei­ne Al­ters­an­ga­ben er­for­dern, sei er so auch mit Kin­dern ins Ge­spräch ge­kom­men. Des Al­ters­un­ter­schieds be­wusst, ha­be er vor­ge­täuscht, ein Mäd­chen im ähn­li­chen Al­ter zu sein, und gab sich Chat­na­men wie Lot­ti oder Alia.

Als Mäd­chen aus­ge­ge­ben

Er brach­te die Mäd­chen da­zu, mit ihm über den Vi­deochat Sky­pe zu kom­mu­ni­zie­ren. Mit ei­nem Web­camSi­mu­la­tor spiel­te er dort ein Vi­deo ein, wor­in sich ein Mäd­chen selbst be­frie­digt. Sei­ne se­xu­ell un­er­fah­re­nen Op­fer dach­ten so, sie wür­den mit die­sem Mäd­chen chat­ten. Schrift­lich gab der An­ge­klag­te ih­nen An­wei­sun­gen. Wenn sich ein Kind wei­ger­te, droh­te er ihm mit Ha­cken des Com­pu­ters oder Ver­öf­fent­li­chen von Nackt­fo­tos, die er vom Kind zu­vor be­kom­men hat­te. Da­von lie­ßen sich die Kin­der laut Staats­an­walt ein­schüch­tern. Sie ent­blöß­ten sich vor der Ka­me­ra, be­fin­ger­ten ih­ren Ge­ni­tal­be­reich, man­che führ­ten Ge­gen­stän­de in die Schei­de ein. Mit­tels ei­nes wei­te­ren Pro­gramms zeich­ne­te der An­ge­klag­te das Vi­deo auf.

Heu­te schä­me er sich da­für, dass er bei den Ta­ten sei­ne per­sön­li­che Be­frie­di­gung über das Wohl der Op­fer stell­te. Ihm sei es nicht dar­um ge­gan­gen, dass es Kin­der wa­ren, sag­te er. Al­lein der Ge­ni­tal­be­reich ha­be ihn er­regt. Äl­te­re hät­te er nicht so ein­fach zu den Hand­lun­gen brin­gen kön­nen.

Im ver­gan­ge­nen Jahr sorg­te dann ei­nes der Mäd­chen da­für, dass er an­ge­klagt wird. Erst als die Po­li­zei sei­ne Woh­nung durch­such­te und das Vi­deo­ma­te­ri­al ein­kas­sier­te, ha­be er das Aus­maß sei­ner Hand­lun­gen be­grif­fen, sag­te der An­ge­klag­te. Er be­fin­de sich mo­men­tan in the­ra­peu­ti­scher Be­hand­lung, nach­dem ihn meh­re­re Ärz­te als Pa­ti­ent ab­ge­lehnt hat­ten. Ei­ner von ih­nen soll­te ges­tern vor Ge­richt aus­sa­gen. Die Ver­tei­di­gung ent­schied je­doch kurz­fris­tig, ihn nicht von sei­ner Schwei­ge­pflicht zu ent­bin­den. Wei­te­re Ver­hand­lungs­ter­mi­ne sind an­ge­setzt für den 23., 24. und 30. Mai, je­weils ab 9 Uhr im Land­ge­richt Os­na­brück.

Wei­te­re Be­rich­te aus den Ge­richts­sä­len der Re­gi­on un­ter www.noz.de/jus­tiz

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