Mil­de für den Ge­jag­ten

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Einblicke - Von Lo­re­na Dreu­si­cke l.dreu­si­cke@noz.de

Das Katz-und-MausSpiel um Ju­li­an Ass­an­ge geht lei­der im­mer noch wei­ter. Schwe­den lässt zwar die Ver­ge­wal­ti­gungs­vor­wür­fe ge­gen ihn fal­len, frei ist Ass­an­ge aber nicht. Die Bri­ten war­ten dar­auf, ihn zu er­wi­schen. Sie las­ten ihm Kau­ti­ons­ver­stö­ße an. Auch wenn das wie ei­ne Lap­pa­lie wirkt im Ver­gleich zu dem Grund, wes­halb Ass­an­ge in­ter­na­tio­nal ein Ge­jag­ter ist: Hoch­ver­rat. Dem Aus­tra­li­er droht in den USA ei­ne ho­he Haft­stra­fe, weil er ge­hei­me Re­gie­rungs­do­ku­men­te ver­öf­fent­lich­te.

So strit­tig die Personalie Ass­an­ge auch ist, sein Schick­sal könn­te für Whist­leb­lo­wer ab­schre­ckend wir­ken. Das ist schlecht für die De­mo­kra­tie, denn sie braucht Bür­ger, die so mu­tig sind, sys­te­ma­ti­sche Ver­feh­lun­gen öf­fent­lich zu ma­chen. Sol­che Men­schen ver­die­nen mil­dern­de Um­stän­de vor Ge­richt und den Rück­halt der Öf­fent­lich­keit.

Der­weil sitzt Ass­an­ge seit fünf Jah­ren im Exil fest und ver­bit­tert. Ne­ben sei­ner Zu­kunft ist auch die von Wi­kileaks un­ge­wiss: Die USA droh­ten un­längst, Ass­an­ge zu ver­haf­ten und sein Ver­mächt­nis zu schlie­ßen.

Ass­an­ge als Ge­heim­nis­ver­rä­ter zu ver­ur­tei­len wä­re rich­tig. Doch er ver­dient auch Mil­de, weil dank sei­ner Platt­form ver­üb­te Kriegs­ver­bre­chen be­kannt wur­den. Nur so konn­ten die­se viel grau­en­vol­le­ren Straf­ta­ten ver­folgt wer­den.

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