Qua­li­fi­zie­rung als Chan­ce

Lot­ter Un­ter­neh­mer­früh­stück the­ma­ti­siert Ar­beits­mög­lich­kei­ten für Flücht­lin­ge

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Westfälische Tagespost -

„Flücht­lin­ge in der Ar­beits­welt“, lau­te­te das Haupt­the­ma beim ne­un­ten Lot­ter Un­ter­neh­mer­früh­stück. Da­zu tra­fen sich Ver­tre­ter un­ter­schied­li­cher Bran­chen und Kom­mu­nal­po­li­ti­ker im Alt-Lot­ter „Land­ca­fé am Gold­bach“.

Bür­ger­meis­ter Rai­ner Lam­mers be­grüß­te die An­we­sen­den, die ge­kom­men sei­en, „um Kon­tak­te zu pfle­gen und auf­zu­bau­en“. Land­ca­fé-In­ha­be­rin Ca­ro­la Eck­hoff be­rich­te­te, dass sie nicht nur Tor­ten mit ganz viel Lie­be backt, son­dern auch ein Herz für Flücht­lin­ge hat. Nach ei­ner sy­ri­schen Fa­mi­lie nahm sie den Sy­rer Sa­mer Alkou­ra auf.

In na­he­zu flie­ßen­dem Deutsch be­rich­te­te der ge­lern­te Flei­scher, dass er der­zeit ei­nen Mi­ni­job ha­be, und er­gänz­te: „Ich hät­te gern die Mög­lich­keit, ei­nen Aus­bil­dungs­platz oder ei­ne fes­te Stel­le zu fin­den.“Er le­be gern in Lot­te, ver­mis­se aber die Ge­le­gen­heit, sich zu un­ter­hal­ten, weil er al­lein woh­ne. „Ich möch­te ei­ne Aus­bil­dung zum Kran­ken­pfle­ger ma­chen“, fass­te er ei­nen sehn­li­chen Wunsch in Wor­te.

„Spra­che, Woh­nung und Ar­beit sind das Wich­tigs­te für die Flücht­lin­ge“, stimm­te der haupt­amt­li­che Flücht­lings­be­treu­er Frank Ne­gra­ßus zu. Durch Ar­beit fühl­ten sich die Men­schen schnel­ler an­ge­kom­men. Be­tei­li­gung in Sport­grup­pen be­schleu­ni­ge die In­te­gra­ti­on und ver­bes­se­re Sprach­kennt­nis­se, be­ton­te Ne­gra­ßus.

„Wenn je­der von Ih­nen zwei Ar­beits­plät­ze mit­ge­bracht hat, dann ist uns schon viel ge­hol­fen“, mo­ti­vier­te er die Un­ter­neh­mens­ver­tre­ter und be­schrieb Bei­spie­le er­folg­rei­cher In­te­gra­ti­on in Ar­beits­pro­zes­se und Qua­li­fi­zie­run­gen. „Falls Sie Stel­len oder Prak­ti­ka ha­ben, stel­len Sie uns die­se bit­te zur Ver­fü­gung. Sie tref­fen auf hoch mo­ti­vier­te Men­schen“, hob er her­aus.

Ho­he Mo­ti­va­ti­on und Ein­satz­be­reit­schaft kann Micha­el Pie­ne, Ge­schäfts­füh­rer der Tep­pich- und Pols­ter­rei­ni­gungs­fir­ma Heesch&Heesch, bei sei­nem pa­kis­ta­ni­schen Mit­ar­bei­ter be­stä­ti­gen. Die­ser wur­de von Frank Ne­gra­ßus ver­mit­telt. „Das war für mich fast un­glaub­lich, denn ich ha­be fünf, sechs Jah­re lang ge­sucht, um die Stel­le zu be­set­zen. Jetzt ha­be ich je­man­den, der mo­ti­viert ist und gern ar­bei­tet. Ich wer­de mich für sei­ne fach­spe­zi­fi­sche Wei­ter­bil­dung ein­set­zen und hof­fe, dass er in Deutsch­land blei­ben darf “, sag­te Pie­ne.

Auch die­se Si­tua­ti­on the­ma­ti­sier­te Hans-Ger­hard Ga­je­w­ski, stell­ver­tre­ten­der Lei­ter der Rhei­ner Agen­tur für Ar­beit. Der Flücht­lings­sta­tus des Ar­beit­neh­mers müs­se an­er­kannt sein, soll­te der Ar­beit­ge­ber nicht die bö­se Über­ra­schung ei­ner Ab­schie­bung er­le­ben wol­len. „Wenn Sie Flücht­lin­gen hel­fen wol­len, ist es sinn­voll, vor­her die Aus­län­der­be­hör­de zu fra­gen: Was darf er?“, leg­te Ga­je­w­ski den Zu­hö­rern na­he.

„Fach­kräf­te sind nicht sehr lan­ge ar­beits­su­chend. Da­her bringt das The­ma Flücht­lin­ge ei­ne be­son­de­re Bri­sanz mit“, sag­te Ga­je­w­ski – auch im Hin­blick auf die er­war­te­te wirt­schaft­li­che Si­tua­ti­on in Deutsch­land. „Zur­zeit ha­ben wir ei­nen ho­hen Be­schäf­ti­gungs­grad. Wenn der de­mo­gra­fi­sche Wan­del so wei­ter­geht, feh­len bis zum Jahr 2050 et­wa 60 Mil­lio­nen Men­schen, die er­werbs­fä­hig sein kön­nen“, be­schrieb er ein Sze­na­rio, das sich ne­ga­tiv

auch auf das Brut­to­so­zi­al­pro­dukt aus­wir­ken wer­de.

Von den seit 2015 mehr als 900 000 ein­ge­reis­ten Flücht­lin­gen sei­en cir­ca zehn Pro­zent be­schäf­tigt – in­klu­si­ve Prak­ti­ka. „So­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig sind es nur fünf Pro­zent“, be­ton­te Ga­je­w­ski. Das A und O, um im Ar­beits­markt Tritt zu fas­sen, sei der Er­werb der Deut­schen Spra­che. Lam­mers stimm­te zu und räum­te ein: „Wir müs­sen noch ein biss­chen dar­an ar­bei­ten, da­mit die­se Art der In­te­gra­ti­on ge­lingt.“

Ab­schlie­ßend stell­te Wirt­schafts­för­de­rin Jo­a­na Wa­ter­mey­er die ak­tu­el­le Ent­wick­lung der Ge­wer­be­ge­bie­te vor. Sie be­rich­te­te, dass der „Pätz­kamp“von der Te­le­kom mit Glas­fa­ser aus­ge­rüs­tet wer­de und die Ver­mark­tung der Flä­chen dort gu­te Fort­schrit­te ma­che. Mit ei­nem Buf­fet und vie­len Ge­sprä­chen in klei­ner Run­de an den Ti­schen klang das Un­ter­neh­mer­früh­stück im Land­ca­fé aus.

Fo­to: Ur­su­la Holt­grewe

Vie­le In­for­ma­tio­nen gab es beim Lot­ter Un­ter­neh­mer­früh­stück von Sa­mer Alkou­ra (von links), Frank Ne­gra­ßus, Ca­ro­la Eck­hoff, Jo­a­na Wa­ter­mey­er und Rai­ner Lam­mers.

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