Über­ra­schen­de Kehrt­wen­de

Haupt­aus­schuss nimmt Be­stel­lung von Tho­mas Rieger zum Käm­me­rer von der Ta­ges­ord­nung

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Westfälische Tagespost -

Es soll­te nur ei­ne For­ma­lie sein. Doch dann hat der Haupt-, Fi­nanz- und Wirt­schafts­aus­schuss in sei­ner Sit­zung am Di­ens­tag­abend den Punkt „Be­stel­lung ei­nes Käm­me­rers“völ­lig über­ra­schend und ein­stim­mig von der Ta­ges­ord­nung ge­nom­men.

Tho­mas Rieger, seit 2003 Lei­ter der Fi­nanz­ab­tei­lung und so­mit di­rekt Be­trof­fe­ner von dem for­ma­len Akt, war im Vor­feld nicht in­for­miert wor­den von der Kehrt­wen­de. Er wohn­te der Sit­zung selbst bei. Und auch ei­ni­ge Po­li­ti­ker wa­ren vor­ab of­fen­bar nicht in die Än­de­rung der Ta­ges­ord­nung ein­ge­weiht wor­den – nicht ein­mal in der SPD.

Das ist al­lein schon des­halb be­mer­kens­wert, weil es Pe­ter Wort­mann, stell­ver­tre­ten­der Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der der SPD, war, der den An­trag zur Ta­ges­ord­nung stell­te, und Vor­sit­zen­der Frank Sun­der­mann der­je­ni­ge war, der die „Be­för­de­rung“En­de Fe­bru­ar über­haupt

erst an­ge­regt hat­te. Als Be­grün­dung führt die­ser jetzt auf An­fra­ge ei­nen noch aus­ste­hen­den Be­ra­tungs­be­darf

mit Bür­ger­meis­te­rin An­net­te Gro­ße-Heit­mey­er und mit der CDU-Frak­ti­on an.

Die Bür­ger­meis­te­rin hat­te die Sit­zung an dem Abend zwar wie ge­wohnt er­öff­net, den Vor­sitz dann aber aus ge­sund­heit­li­chen Grün­den und mit Zu­stim­mung des Aus­schus­ses Su­san­ne He­he­mann (CDU) über­tra­gen.

Die Ver­wal­tungs­che­fin war, wie be­rich­tet, vor rund drei Wo­chen in ei­nen Auf­fahr­un­fall auf der Au­to­bahn ver­wi­ckelt ge­we­sen. Ih­re Ver­let­zun­gen wa­ren im Nach­gang of­fen­bar doch schwe­rer, als sie zu­nächst selbst dach­te. Ih­re Amts­ge­schäf­te konn­te sie des­halb bis­her noch nicht wie­der­auf­neh­men. Sie ist ar­beits­un­fä­hig ge­schrie­ben.

Die Mög­lich­keit, den Käm­me­rer ei­ner Ge­mein­de wie Wes­ter­kap­peln zum „be­stell­ten“Käm­me­rer zu ma­chen, geht auf ei­nen Er­lass des In­nen­mi­nis­te­ri­ums zu­rück. Mit der ge­än­der­ten Funk­ti­ons­be­zeich­nung sind weit­ge­hen­de, zu­sätz­li­che Rech­te ver­bun­den.

So sind zum Bei­spiel die Ent­schei­dun­gen über au­ßer­plan­mä­ßi­ge Aus­zah­lun­gen oder das Aus­spre­chen ei­ner Haus­halts­sper­re bis­lang der Bür­ger­meis­te­rin vor­be­hal­ten. Wür­den die Kom­mu­nal­po­li­ti­ker Rieger zum Käm­me­rer „be­stel­len“, wür­den sie ihn da­mit auch mit die­sen und mit wei­te­ren Rech­ten aus­stat­ten. Hier­für ist al­ler­dings ein Rats­be­schluss not­wen­dig.

So­wohl Sun­der­mann als auch CDU-Frak­ti­ons­chef Wolf­gang Jo­nas ge­ben sich in der Fra­ge der­zeit zu­rück­hal­tend. Jo­nas be­zeich­ne­te es als „Akt der Fair­ness“, die Bür­ger­meis­te­rin in den Ent­schei­dungs­pro­zess ein­zu­be­zie­hen. Ähn­lich äu­ßer­te sich auch Sun­der­mann. Zeit ge­nug da­für wä­re in­des ge­we­sen. Schließ­lich liegt der Er­lass des In­nen­mi­nis­te­ri­ums be­reits seit zwölf Jah­ren vor.

Gro­ße-Heit­mey­er ver­wies der­weil dar­auf, dass die Personalie letzt­end­lich ei­ne Ent­schei­dung der Po­li­tik sei. Sie selbst, so er­klär­te sie auf An­fra­ge, kön­ne so­wohl mit der ak­tu­el­len Funk­ti­ons­be­schrei­bung le­ben als auch mit ei­ner Er­wei­te­rung des Kom­pe­tenz­be­rei­ches des Käm­me­rers.

Ein Blick über die Ge­mein­de­gren­zen er­gibt ein ge­misch­tes Bild: In Met­tin­gen sah man of­fen­bar bis­lang kei­nen An­lass für die Be­för­de­rung des Käm­me­rers Wer­ner Bo­berg. Ein sol­cher for­ma­ler Akt, so Bo­berg, „ist bei uns bis­lang kein The­ma ge­we­sen“. Lot­tes Käm­me­rer Jörg Ris­se darf sich in­des be­reits seit 2000 be­stell­ter Käm­me­rer nen­nen. Auch Rie­gers Vor­gän­ger im Amt, Hans-Jür­gen Sci­bi­or­ski, war einst vom Rat zum Käm­me­rer be­stellt wor­den. Der An­trag hier­zu kam da­mals al­ler­dings nicht aus den Rei­hen der Po­li­tik, son­dern vom da­ma­li­gen Ge­mein­de­di­rek­tor Horst Wer­mey­er selbst.

Auf die Nach­richt, dass die Be­stel­lung Rie­gers bis­lang noch auf sich war­ten lässt, re­agier­te Sci­bi­or­ski mit Er­stau­nen: „Das ist doch der bes­te Mann im Rat­haus.“

Fo­to: Frank Klaus­mey­er

Tho­mas Rieger lei­tet seit 2003 die Fi­nanz­ab­tei­lung im Wes­ter­kap­pel­ner Rat­haus. Seit vier Jah­ren ist er auch All­ge­mei­ner Ver­tre­ter des Bür­ger­meis­ters.

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