Er­folg nur mit Emo­tio­nen

Rei­se­bran­che be­rät über Trends

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Nordwest - Von Klaus-Pe­ter Jor­dan

Die Zei­ten, in de­nen Ur­laubs­or­te ne­ben ih­rer Stadt oder der Na­tur ein­fach nur schö­ne Über­nach­tungs­bet­ten prä­sen­tie­ren muss­ten, sind ein für al­le Mal vor­bei. Beim nie­der­säch­si­schen Tou­ris­mus­tag in Ol­den­burg dis­ku­tier­te die Bran­che dar­über, wie emo­tio­na­le Mo­men­te an den Ur­lau­ber ge­bracht wer­den kön­nen.

OL­DEN­BURG. Das Tou­ris­tik-Zau­ber­wort von heu­te heißt „emo­tio­na­le Mo­men­te“. „Künf­tig wird das Er­leb­nis das Pro­dukt sein und nicht un­be­dingt die gas­tro­no­mi­sche Leis­tung oder Über­nach­tung“, ist sich der ös­ter­rei­chi­sche Tou­ris­mus­ex­per­te Mar­tin Scho­bert si­cher.

Di­gi­ta­li­sie­rung, Glo­ba­li­sie­rung, Ter­ror­angst, aber auch ver­än­der­te Ess­ge­wohn­hei­ten, wach­sen­des Um­welt­be­wusst­sein, stei­gen­de Qua­li­täts­an­sprü­che so­wie ei­ne Rück­be­sin­nung auf das Re­gio­na­le sind die Trends, mit de­nen sich der nie­der­säch­si­sche Tou­ris­mus be­schäf­ti­gen muss. „Nach­hal­tig­keit ist wich­tig als Qua­li­täts­merk­mal und oh­ne Qua­li­tät kein dau­er­haf­ter Er­folg“, so der Ol­den­bur­ger Tou­ris­mus­be­ra­ter Oli­ver Be­cker. Wich­tig im länd­li­chen Raum sei au­ßer­dem die Si­cher­stel­lung der Mo­bi­li­tät; oh­ne sie kön­ne „Hei­mat“nicht er­leb­bar ge­macht wer­den, ist sich Patrick Scheib von der Bai­ers­bronn Tou­ris­tik si­cher.

Ei­nig wa­ren sich die Tou­ris­mus­ex­per­ten auch dar­in, dass Gas­tro­no­men sich ver­än­dern­den Ess­ge­wohn­hei­ten nicht ver­schlie­ßen dür­fen. „Lo­ka­le Pro­duk­te, wie die To­ma­te vom Feld hin­ter dem Gast­hof, wer­den wich­ti­ger“, weiß Scho­bert. „Der Gast will kei­ne in­dus­tria­li­sier­ten Nah­rungs­mit­tel, son­dern hand­werk­lich her­ge­stell­te“, sagt Jan-Pe­ter Wulf von no­my­blog (Ber­lin). Und sei­ne Kol­le­gin Ste­fa­nie Ro­then­hö­fer be­schreibt ganz neue Ge­schäfts­mo­del­le: et­wa der „Tisch­lein-deck-dich“Rast­platz, ein vor­be­stell­tes Es­sen im Grü­nen. Oder ein be­reit­ste­hen­der Pick­nickKorb am Deich. Lei­der ver­harr­ten vie­le Gas­tro­no­men noch im Alt­her­ge­brach­ten.

Ei­ne wei­te­re Emp­feh­lung: auf die „Hei­mat“als Mar­ke set­zen. Hei­mat be­deu­te fes­ten Bo­den, sei ein Grund­be­dürf­nis je­des Men­schen und bie­te ei­nen Ver­trau­ens­vor­schuss, er­klärt Mar­ke­ting­ex­per­te Micha­el Dom­sal­la. Nie­der­sach­sen kön­ne da­bei mit UnescoWel­ter­be­stät­ten punk­ten, wie dem Wat­ten­meer oder dem Berg­bau im Harz.

Mar­ke­ting im Netz

Im­mer wich­ti­ger wür­den Be­wer­tungs­por­ta­le im In­ter­net. Stu­di­en zeig­ten, dass Be­wer­tun­gen in­zwi­schen oft wich­ti­ger sei­en als der Preis, so der Münch­ner Tou­ris­mus­fach­mann Phi­lip Hei­ne­mann. Beim Ant­wor­ten auf ne­ga­ti­ve Be­wer­tun­gen soll­te man sich in die Sicht des Rei­sen­den ver­set­zen. „Die Ant­wort darf nicht un­ter die Ru­brik Be­schwer­de­ma­nage­ment fal­len, son­dern ist Mar­ke­ting.“

Für Mar­tin Scho­bert hört Mar­ke­ting so­wie­so nicht mit der Abrei­se des Gas­tes auf. Ge­nau­so wich­tig sei die Nach­be­rei­tungs­pha­se. Sein per­sön­lich er­leb­tes schöns­tes Bei­spiel: Ein Ho­tel im Zil­ler­tal schenkt je­dem Gast zum Ab­schied ein Mar­me­la­den­glas mit frisch ge­schnit­te­nem Heu, da­mit die­ser Ur­laubs­duft auch zu Hau­se er­leb­bar wird. „Für mich war das Öff­nen des Gla­ses ein ma­gi­scher Mo­ment, der die Er­in­ne­rung an den Ur­laub wie­der­auf­le­ben ließ.“

Ur­laub schon ge­bucht? Rei­se­an­ge­bo­te auf noz.de/rei­se

Fo­to: dpa

Er­leb­nis­se we­cken Emo­tio­nen – wich­tig für den Er­folg der Tou­ris­mus­re­gio­nen.

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