Sturm hat sei­ne Spu­ren hin­ter­las­sen

„Am En­de war es ei­ne gu­te WM“

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport - Von Milan Sako

Bun­des­trai­ner Mar­co Sturm steht nach dem Vier­tel­fi­nal-Aus bei der Heim-WM vor der Ver­trags­ver­län­ge­rung. Der 38-Jäh­ri­ge re­prä­sen­tiert den Auf­schwung im deut­schen Eis­ho­ckey.

KÖLN. Phil­ipp Gru­bau­er ist ge­schafft. Schweiß­per­len trop­fen von der Na­sen­spit­ze und aus dem Bart auf das Mi­kro­fon der Ra­dio­kol­le­gin, wäh­rend der Schluss­mann im Bauch der Lan­xess-Are­na das Spiel und die Welt­meis­ter­schaft auf­ar­bei­tet. „Am An­fang wa­ren wir zu ner­vös und ha­ben erst spät ins Spiel ge­fun­den“, sagt der über­ra­gen­de Tor­wart. Mit 1:2 hat sei­ne Mann­schaft das Vier­tel­fi­na­le ge­gen Ka­na­da ver­lo­ren und ist aus dem Tur­nier aus­ge­schie­den. Mit­ten im Feu­er stand der ge­bür­ti­ge Ro­sen­hei­mer und er­zählt, dass er froh ist, 50 Schüs­se be­kom­men zu ha­ben. Ty­pisch ver­rück­ter Tor­wart denkt man im ers­ten Mo­ment, doch die Er­klä­rung leuch­tet ein. „Wirk­lich schwie­rig sind die Spie­le, in de­nen du nur zehn Schüs­se be­kommst. Da musst du vom Kopf her stark sein“, er­zählt der Kee­per der Wa­shing­ton Ca­pi­tals.

48-mal re­agier­te der Schluss­mann groß­ar­tig und ließ nur die Ver­su­che von Mark Sch­ei­fe­le und Jeff Skin­ner pas­sie­ren. Die Fang­quo­te von 96 Pro­zent ist über­durch­schnitt­lich gut. Es reich­te den­noch nicht zum Sieg, weil mehr als der 1:2An­schluss­tref­fer von Yan­nic Sei­den­berg nicht ge­lang. Das Vier­tel­fi­na­le war, wie schon bei der letzt­jäh­ri­gen Eis­ho­ckey-WM in Russ­land, End­sta­ti­on. Die deut­sche Na­tio­nal­mann­schaft hat­te es zwar wie­der un­ter die bes­ten acht Na­tio­nen ge­schafft, aber um die Gro­ßen zu är­gern, reich­te es nicht. War­um, das er­klärt „der bes­te Ver­tei­di­ger des Tur­niers“, wie Bun­des­trai­ner Mar­co Sturm sei­nen eins­ti­gen Mann­schafts­kol­le­gen Den­nis Sei­den­berg be­zeich­net. „Wir ha­ben nicht kon­se­quent ge­nug im Auf­bau ge­spielt. Die Kon­zen­tra­ti­on hät­te bes­ser sein kön­nen, über das gan­ze Tur­nier hin­weg“, sagt der 35-Jäh­ri­ge, der die meis­te Eis­zeit in der deut­schen WM–Mann­schaft hat­te. Sei­den­berg, der sie­ben Vor­la­gen gab und ein Tor schoss, Ka­pi­tän Chris­ti­an Ehr­hoff und Stür­mer Le­on Drai­saitl wur­den nach dem WM-Aus als die drei bes­ten deut­schen Tur­nier­spie­ler aus­ge­zeich­net.

Al­le drei setz­ten sich jen­seits des At­lan­tiks durch. Sei­den­berg (831 NHL-Ein­sät­ze) und Ehr­hoff (789) bli­cken auf lan­ge Kar­rie­ren in der nord­ame­ri­ka­ni­schen Pro­fi­li­ga zu­rück. Dem 21-jäh­ri­gen Jung­star Drai­saitl von den Ed­mon­ton Oi­lers wird ei­ne gro­ße Zu­kunft vor­her­ge­sagt. Was den meis­ten an­de­ren Na­tio­nal­spie­lern aus dem All­tag in der DEL fehlt, sagt Sturm in sei­ner WM-Ana­ly­se: „Es pas­siert zu oft, dass der ei­ne oder an­de­re doch an­de­re We­ge geht, als es ver­langt ist. Das hat auch mit der Li­ga et­was zu tun.“Ka­na­di­er, Rus­sen, Fin­nen und Schwe­den wer­den tag­täg­lich in der NHL ge­for­dert. „Bei uns ist das lei­der nicht so. Das ist der gro­ße Un­ter­schied“, er­klärt Sturm. Des­halb ver­pass­te der WM-Gast­ge­ber den Halb­fi­nal­ein­zug, der bei der vor­her­ge­hen­den Heim-WM 2010 noch ge­glückt war.

Mit dem End­re­sul­tat kann der Bun­des­trai­ner gut le­ben: „Am Schluss war es ei­ne gu­te Welt­meis­ter­schaft. Wir ha­ben uns ge­stei­gert, die bei­den letz­ten Spie­le wa­ren un­se­re bes­ten.“Mit der Ar­beit sei­nes wich­tigs­ten An­ge­stell­ten ist Ver­bands­prä­si­dent Franz Reindl mehr als ein­ver­stan­den. „Er ist ein­fach ein Top-Bun­des­trai­ner, der sei­ne Spu­ren hin­ter­lässt und über­all gut an­kommt, vor al­lem bei den Spie­lern.“Sturms Ver­trag en­det nach der nächs­ten Welt­meis­ter­schaft 2018 in Dä­ne­mark. Be­reits in die­sem Som­mer will Reindl, der Sturm als sei­nen Wunsch­kan­di­da­ten 2015 zur Über­ra­schung vie­ler aus dem Hut ge­zau­bert hat­te, mit dem Coach über ei­ne Ver­trags­ver­län­ge­rung ver­han­deln.

Am Tag nach dem WM-Aus zer­streu­te sich die Mann­schaft in al­le Rich­tun­gen. Je­der will nach ei­ner lan­gen Sai­son mit bis zu 80 Par­ti­en in den Kno­chen nur nach Hau­se. Phil­ipp Gru­bau­er hat al­ler­dings auch die nächs­te Sai­son be­reits im Kopf. „Im Som­mer wer­de ich wie­der nach Ame­ri­ka ab­hau­en“, for­mu­liert der Ro­sen­hei­mer sa­lopp. Der Schluss­mann der Wa­shing­ton Ca­pi­tals will noch bes­ser wer­den, er will im Klub nicht mehr Er­satz­mann sein wie zu­letzt. In der Na­tio­nalm­an­schaft ist Gru­bau­er schon die Num­mer eins. Aber das ist auch leich­ter, als sich in der NHL durch­zu­set­zen.

Das war’s: Die deut­schen Spie­ler sind nie­der­ge­schla­gen. Fo­to: ima­go/Horst­mül­ler

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