„Ganz nah an Re­mar­que“

Der Erich-Ma­ria-Re­mar­que-Frie­dens­preis geht an die tür­ki­sche Au­to­rin As­li Er­do­gan

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur Regional - Von Ste­fan Lüd­de­mann

Der Erich-Ma­ria-Re­mar­que-Frie­dens­preis der Stadt Os­na­brück geht 2017 an die tür­ki­sche Schrift­stel­le­rin und Es­say­is­tin As­li Er­do­gan. OS­NA­BRÜCK. Da­mit wer­de die „be­deu­ten­de Au­to­rin“und Kämp­fe­rin für die Men­schen­rech­te aus­ge­zeich­net“, sag­ten Ju­ry-Prä­si­dent Wolf­gang Lü­cke und Os­na­brücks Ober­bür­ger­meis­ter Wolf­gang Grie­sert (CDU) ges­tern bei der Be­kannt­ga­be. Die Ju­ry wür­digt zu­gleich Er­do­gans „Be­rich­te über die Aus­wir­kun­gen der po­li­ti­schen Ver­hält­nis­se in der Tür­kei auf die Men­schen und ih­ren All­tag“, wie es in der Be­grün­dung heißt.

Re­gu­la Vens­ke, Prä­si­den­tin des deut­schen PENClubs, re­agier­te auf An­fra­ge hoch­er­freut auf die Ent­schei­dung für Er­do­gan. „Ich freue mich sehr dar­über, dass die tür­ki­sche Schrift­stel­le­rin As­li Er­do­gan mit dem Erich-Ma­ria-Re­mar­que-Preis aus­ge­zeich­net wird. Ei­ne zar­te und doch so mu­ti­ge Frau, ei­ne wich­ti­ge Sym­bol­fi­gur für die Hoff­nung der Men­schen auf ein Le­ben in Frie­den und Wür­de in der Tür­kei, aber auch an­ders­wo“, sag­te Vens­ke und lob­te Er­do­gan als Au­to­rin, die „in schmerz­lich-schö­nen Tex­ten die Gren­zen des Sag­ba­ren“aus­lo­te.

„Es ist ihr ge­lun­gen, die Schre­cken, die Ge­walt und Krieg ins­be­son­de­re auf Frau­en aus­üben, trans­pa­rent zu ma­chen“, be­ton­te Lü­cke, Prä­si­dent der Uni­ver­si­tät Os­na­brück. „Noch nie war ein Trä­ger des Erich-Ma­ria-Re­mar­que-Frie­dens­prei­ses so nah an Re­mar­que selbst dran“, hob Grie­sert die zwi­sche­nin „Im her­vor.Die Os­na­brück­des Wes­te­nenge Ju­ro­ren An­ti­kriegs­klas­si­ker­sEr­do­gan Ver­wandt­schaft­nichts ge­bo­re­nen­be­zo­gen­und Neu­es“dem sich Au­tor mit ih­rer Ent­schei­dungauf „Nicht Er­do­gans ein­mal aus­drück­lich Es­say­samm­lung das noch“, Schwei­gen­die 2017 ge­hör­tim Kn­ausVer­la­guns Ver­lags­lei­te­ri­ner­schie­nen ist. Brit­ta Des­sen Ege­tem­ei­er kom­men­tier­te die Zu­er­ken­nung des Prei­ses an Er­do­gan auf An­fra­ge so: „Ih­re be­ein­dru­cken­de Stim­me, eben­so wie ihr gro­ßer Mut und ih­re Hal­tung im Kampf um die freie Mei­nungs­äu­ße­rung ma­chen sie zu ei­ner wür­di­gen Preis­trä­ge­rin.“

Er­do­gan gei­ßelt in ih­ren Tex­ten die po­li­ti­schen Zu­stän­de in der Tür­kei un­ter dem au­to­kra­tisch re­gie­ren­den Prä­si­den­ten Re­cep Er­do­gan.

Die Au­to­rin, die als Ko­lum­nis­tin der Ta­ges­zei­tung „Öz­gür Gün­dem“zur pu­bli­zis­ti­schen Stim­me avan­cier­te, wur­de nach der Schlie­ßung der Zei­tung am 16. Au­gust 2016 fest­ge­nom­men und vier Mo­na­te lang in­haf­tiert. Seit­dem ist die Au­to­rin mit ei­nem Aus­rei­se­ver­bot be­legt. Ob sie zur Ver­lei­hung des Erich-Ma­ria-Re­mar­que-Frie­dens­prei­ses am 22. Sep­tem­ber nach Os­na­brück kom­men kön­ne, sei des­halb of­fen, hieß es aus der Ju­ry. Bei ei­ner Ver­an­stal­tung

der Leip­zi­ger Buch­mes­se war sie im März nur per Live­schal­tung aus der Tür­kei prä­sent. Bei den Ju­ro­ren des Re­mar­que-Prei­ses gilt das auch als ein mög­li­ches Sze­na­rio für die Ver­lei­hung in Os­na­brück.

Die 1967 in Istan­bul ge­bo­re­ne As­li Er­do­gan stu­dier­te zu­nächst Phy­sik und ar­bei­te­te in ei­nem Kern­for­schungs­zen­trum. Ihr ers­ter Ro­man „Der wundersame Man­da­rin“er­schien 1996. Mit ih­rem Buch „Die Stadt mit der ro­ten Pe­le­ri­ne“ge­lang ihr der Durch­bruch als Schrift­stel­le­rin. Sie schrieb Ko­lum­nen, in de­nen sie über Re­pres­si­on, Fol­ter und Ge­walt ge­gen Frau­en be­rich­te­te. Bei ih­rer Ver­haf­tung 2016 wur­den der

Au­to­rin „Volks­ver­het­zung“und „Pro­pa­gan­da für ei­ne il­le­ga­le Or­ga­ni­sa­ti­on“vor­ge­wor­fen. As­li Er­do­gan ist für ih­re Ar­beit oft aus­ge­zeich­net wor­den. Zu­letzt wur­den ihr die Theo­dor-Heuss-Me­dail­le und der Bru­no-Kreis­ky-Preis für die Ver­diens­te um Men­schen­rech­te zu­er­kannt.

Ne­ben dem mit 25 000 Eu­ro do­tier­ten Haupt­preis wird auch der mit 5000 Eu­ro do­tier­te Son­der­preis ver­ge­ben. Die Ju­ry er­kennt die­sen Preis der Initia­ti­ve „Puls of Eu­ro­pe“zu, die 2016 in Frank­furt am Main als Bür­ger­initia­ti­ve als Re­ak­ti­on auf den zu­neh­men­den Er­folg po­pu­lis­ti­scher und na­tio­na­lis­ti­scher Be­we­gun­gen in Eu­ro­pa ge­grün­det wur­de.

Ein mög­li­ches Sze­na­rio für die Ver­lei­hung des Erich-Ma­ria-Re­mar­que-Frie­dens­prei­ses in Os­na­brück? Bei der Leip­zi­ger Buch­mes­se war As­li Er­do­gan, die die Tür­kei nicht ver­las­sen darf, im März nur per Vi­deo­kon­fe­renz prä­sent.

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