EMAF-Aus­stel­lung: Zwei Tipps und ein Flop

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur Regional - Von Ste­fan Lüd­de­mann OS­NA­BRÜCK.

Die Aus­stel­lung des Os­na­brü­cker Eu­ro­pean Me­dia Art Fes­ti­vals en­det am Sonn­tag. Zum letz­ten Wo­che­n­en­de das Kri­ti­ker­vo­tum mit zwei Tipps und ei­nem Flop.

Tipp 1: Me­dia-Schwä­ne: Sie trei­ben fast so ele­gant da­hin wie ih­re schnee­wei­ßen Vor­bil­der aus der Na­tur – die Schwä­ne, die Mar­co Ba­rot­ti aus Sa­tel­li­ten­schüs­seln ge­bas­telt hat. Auf ei­nem kreis­run­den Was­ser­be­cken schwim­men acht die­ser Ge­bil­de aus Tech­nik­schrott. Aus ih­ren Laut­spre­chern drin­gen ver­frem­de­te All­tags­ge­räu­sche, Sinn­bild für ei­ne me­dia­le Über­füt­te­rung mit Ba­na­li­tä­ten. Ba­rot­ti bringt zu­sam­men, was sich schein­bar nicht ver­trägt, Kri­tik am All­tag der Me­di­en und die Schön­heit ei­ner In­stal­la­ti­on, die ein ro­man­ti­sches Bild aus Tei­len aus­ge­dien­ter Ap­pa­ra­te nach­stellt. Plus­punkt eben­falls für die Plat­zie­rung: Mit­ten im Kreu­zungs­punkt von Haupt- und Sei­ten­schif­fen des Kir­chen­rau­mes spie­gelt die Was­ser­ober­flä­che die Ge­wöl­be des Kir­chen­schif­fes.

Tipp 2: Kan­ti­ge Avat­are: Wie eckig ist das denn? Ste­fan Pan­hans lässt mensch­li­che Per­for­mer nach den Be­we­gungs­mus­tern von Avat­aren aus Com­pu­ter­spie­len agie­ren. Das sieht nicht nur selt­sam künst­lich aus, das ist es auch. Pan­hans hat Feh­ler­sze­na­ri­en der Be­we­gun­gen von Fi­gu­ren aus Com­pu­ter­spie­len fil­misch über­setzt und dar­aus Be­we­gungs­par­ti­tu­ren für sei­ne Per­for­mer ge­macht. De­ren Be­we­gun­gen hält er wie­der­um im Vi­deo fest. Das klingt so kom­pli­ziert wie der Ti­tel die­ser Ar­beit: „Fre­e­r­o­am À Re­bours, Mod#I.1“. Aber kei­ne Sor­ge. Die­ses Vi­deo macht nach­voll­zieh­bar, wie sich Be­we­gungs­wei­sen von Men­schen un­ter dem Ein­druck di­gi­ta­ler Me­di­en ver­än­dern wer­den. Dar­in steckt mehr als pla­ka­ti­ve Zeit­kri­tik. Pan­hans zeigt, wie di­gi­ta­le Me­di­en auf den Men­schen zu­rück­wir­ken. Ei­ne Ar­beit, die Angst macht und zu­gleich auf­klärt.

Der Flop: Dis­play-Le­ser: Die­se Skulp­tur ist ein Hin­gu­cker. St­an­z­as „The Re­a­der“hat auch das Zeug da­zu, mit sei­ner spek­ta­ku­lä­ren vi­su­el­len Qua­li­tät zum Mit­tel­punkt je­der Aus­stel­lung zu wer­den. Aber ist die­se Skulp­tur, auf der win­zig klei­ne Dis­plays um die Wet­te flim­mern, auch ein rich­tig gu­tes Kunst­werk? Kla­re Ant­wort: Nein. Denn der Künst­ler macht aus der Lek­tü­re von Tex­ten ei­nen blo­ßen Da­ten­strom. Aber geht es bei Tex­ten nicht um mehr als um Da­ten­men­gen? Der Mensch, der ein Buch in die Hand nimmt, wird da­mit nicht ein­fach zur me­dia­len Schnitt­men­ge, er baut sich aus je­der Lek­tü­re wie­der ein neu­es Stück je­ner Sinn­welt, in der er als den­ken­des und kom­mu­ni­zie­ren­des We­sen lebt. St­an­za un­ter­schätzt die­se Di­men­si­on voll­kom­men. Scha­de.

Os­na­brück, Kunst­hal­le: Push. Li­ving in the Hy­per In­for­ma­ti­on Age. Aus­stel­lung des Eu­ro­pean Me­dia Art Fes­ti­vals. Bis 21. Mai. Sa., So., 10–18 Uhr.

Kri­ti­ken und Ana­ly­sen zum Eu­ro­pean Me­dia Art Fes­ti­val auf noz.de/emaf.

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