Wich­ti­ges Kor­rek­tiv

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur Regional - Von Ste­fan Lüd­de­mann s.lued­de­mann@noz.de

Vor zwei Jah­ren lie­fer­te der Erich-Ma­ria-Re­mar­que-Frie­dens­preis noch Stoff für hef­ti­ge Kon­tro­ver­sen. Die Ju­ry ent­schied sich für den sy­ri­schen Ly­ri­ker Ado­nis, dem Kri­ti­ker zu gro­ße Nä­he zum As­sad-Re­gime vor­war­fen. Jetzt ste­hen die Vor­zei­chen an­ders. Der Preis geht an die tür­ki­sche Au­to­rin As­li Er­do­gan. All­ge­mei­ne Zu­stim­mung dürf­te si­cher sein.

Nur der tür­ki­sche Prä­si­dent Re­cep Er­do­gan, der po­li­ti­sche Geg­ner und pu­bli­zis­ti­sche Kri­ti­ker er­bar­mungs­los ver­folgt, wird wohl schäu­men. Die Preis­trä­ge­rin macht Front ge­gen den au­to­kra­ti­schen Prä­si­den­ten und en­ga­giert sich da­mit für Eu­ro­pas Wer­te ge­nau dort, wo sie be­son­ders be­droht er­schei­nen. Sie strei­tet für die Frei­heit des Wor­tes. Und sie gibt je­nen ei­ne Stim­me, die Op­fer staat­li­cher Ge­walt wer­den.

Mit As­li Er­do­gan wird erst zum zwei­ten Mal ei­ne Frau mit dem Frie­dens­preis ge­ehrt. Swet­la­na Ale­xi­je­witsch, die an­de­re Frie­dens­preis­trä­ge­rin, er­hielt 2015 gar den Li­te­ra­tur-No­bel­preis. Er­do­gan wie Ale­xi­je­witsch ar­ti­ku­lie­ren die weib­li­che Sei­te der Er­fah­rung von Ge­walt. Das ist in ei­ner Welt, in der ego­ma­ni­sche po­li­ti­sche Füh­rer wie Re­cep Er­do­gan und an­de­re der­zeit den Ton prä­gen, als Kor­rek­tiv un­ver­zicht­bar.

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