Sturz

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück - Von Ma­ri­on Ger­des Zur Per­son: Ma­ri­on Ger­des ist ka­tho­li­sche Theo­lo­gin und De­ka­nats­re­fe­ren­tin im De­ka­nat Os­na­brück-Nord. Kon­takt: au­to­ren@stadt­kir­che-os­nabru­eck.de

Wil­lem ist fünf Jah­re alt und seit ein paar Wo­chen stol­zer Be­sit­zer ei­nes sport­li­chen Fahr­rads. Vor Kur­zem woll­te er mir das un­be­dingt vor­füh­ren. Er stieg aufs

Rad und dreh­te sei­ne Run­den. Sei­ne Be­geis­te­rung war ihm förm­lich an­zu­se­hen.

Doch plötz­lich war es ge­sche­hen: Wil­lem nahm ei­ne Kur­ve zu eng. Er kam aus dem Gleich­ge­wicht und stürz­te. So­fort flos­sen die Trä­nen. Blut war zu se­hen, sein El­len­bo­gen war auf­ge­schla­gen. Nur zag­haft woll­te er sich be­ru­hi­gen las­sen. Mit et­was Ablen­kung ge­lang es aber schließ­lich doch.

Der Sturz war für Wil­lem im ers­ten Mo­ment ein Schock. Er hat­te Schmer­zen. Und ver­mut­lich war er ein we­nig in sei­nem Stolz ver­letzt. Trotz­dem wird das Er­leb­nis ganz si­cher nicht da­zu füh­ren, dass Wil­lem nie mehr auf ein Fahr­rad steigt. Auch wenn viel­leicht ein mul­mi­ges Ge­fühl zu­rück­bleibt, er wird es wei­ter pro­bie­ren. Kin­dern ist es wahr­schein­lich noch nicht so be­wusst, Er­wach­se­ne aber wis­sen: Stür­ze ge­hö­ren da­zu. Das gilt nicht nur fürs Rad­fah­ren. Auch im Le­ben las­sen sich Nie­der­la­gen nicht im­mer ver­mei­den. Es ist nur die Fra­ge, wie sie das ei­ge­ne Le­ben be­ein­flus­sen. Und ob und wie das Selbst­wert­ge­fühl lei­det. Gro­ße Stür­ze be­nö­ti­gen si­cher­lich mehr Zeit und Pfle­ge. Aber so lan­ge nichts Schlim­mes pas­siert ist, ist es wohl das Bes­te, gleich wie­der auf­zu­ste­hen. Oder sich aufs Fahr­rad zu set­zen und wei­ter­zu­fah­ren.

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