„Fack ju Göh­te“in echt

Re­gis­seur Ja­kob Schmidt zeigt mit „Zwi­schen den Stüh­len“ei­ne her­vor­ra­gen­de Schul-Do­ku

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Film - Ge­flo­gen. Jetzt un­ter­rich­tet er selbst. „Zwi­schen den Stüh­len“.

Von Frank Jür­gens

In der Ko­mö­die „Fack ju Göh­te“spielt Eli­as M’ Barek ei­nen Ga­no­ven, der di­rekt aus dem Knast als Leh­rer an ei­ner Schu­le lan­det. Stu­di­um, ge­schwei­ge denn Re­fe­ren­da­ri­at, sind bei dem bil­dungs­fer­nen Mann Fehl­an­zei­ge. Aber da­für ist er so cool, dass er auf An­hieb mit den schwie­rigs­ten Schü­lern klar­kommt und da­bei so­gar noch dem ge­for­der­ten Bil­dungs­auf­trag nach­kommt.

Das ist na­tür­lich al­les Quatsch und so rea­li­täts­fern, wie ei­ne gu­te Ko­mö­die halt sein muss, um Er­folg zu ha­ben. In Wirk­lich­keit führt ei­ne lan­ge Rei­se ins Schul­we­sen, an de­ren En­de nach vie­len Jah­ren der Theo­rie der Pra­xis­test des Re­fe­ren­da­ri­ats folgt. In die­ser Zeit be­fin­den sich die Lehr­amts­aspi­ran­ten in der schi­zo­phre­nen Si­tua­ti­on, als an­ge­hen­de Leh­rer No­ten zu ver­tei­len, wäh­rend sie selbst un­ter Be­ob­ach­tung der Se­mi­nar­lei­ter, ih­rer so­ge­nann­ten „Leh­rer-Leh­rer“, ste­hen und be­no­tet wer­den.

„Zwi­schen den Stüh­len“nennt Ja­kob Schmidt nicht nur des­we­gen sei­nen her­aus­ra­gen­den Do­ku­men­tar­film, in dem er drei Re­fe­ren­da­re Als Schü­ler ist Re­fe­ren­dar Ralf Cred­ner von ih­rem ers­ten Tag an der Schu­le bis zur Ab­schluss­prü­fung be­ob­ach­tet. Sein Film, der wie­der­um Schmidts Ab­schluss­ar­beit an der Fil­m­u­ni­ver­si­tät Ba­bels­berg mar­kiert, lebt von ei­ner her­vor­ra­gen­den Be­ob­ach­tungs­ga­be, mit der sich der Film­au­tor sei­nen Prot­ago­nis­ten nä­hert.

Die­se Be­ob­ach­tungs­ga­be so­wie die fi­na­le Ar­beit im Schnit­t­raum, wo mehr als 300 St­un­den Roh­ma­te­ri­al zu hu­mor­voll poin­tier­ten 106 Film­mi­nu­ten ver­dich­tet wur­den, ma­chen im Er­geb­nis je­den Off-Kom­men­tar über­flüs­sig. Die Bil­der spre­chen für sich. Was ge­sagt wer­den muss, kommt di­rekt von den Schü­lern, ih­ren an­ge­hen­den Leh­rern und de­ren „Leh­rerLeh­rern“.

Schmidt be­glei­tet die drei Re­fe­ren­da­re über ei­nen Zei­t­raum von zwei Jah­ren, geht mit sei­nen Prot­ago­nis­ten durch al­ler­lei Hö­hen und Tie­fen und ver­mit­telt über die Klas­sen­räu­me ei­ner Grund­schu­le, ei­ner Ge­samt­schu­le so­wie ei­nes Gym­na­si­ums ei­nen ex­em­pla­ri­schen Ge­samt­ein­druck un­se­res Schul­we­sens. Auf die­se Wei­se ent­steht auch ein Stück­chen Sys­tem­kri­tik, die un­ser Schul­sys­tem in sei­ner Ge­samt­heit frei­lich nicht in­fra­ge stellt. Ab­so­lut se­hens­wert – nicht nur für Lehr­amts­stu­den­ten.

D 2016. R.: Ja­kob Schmidt. D.: An­na Kuhn­henn, Kat­ja Wolf, Ralf Cred­ner. Lauf­zeit: 106 Min. Kei­ne Al­ters­be­schrän­kung. Ci­ne­ma-Ar­thouse.

(l.) von der Schu­le Fo­to: Welt­ki­no

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