„Was hältst denn Du vom Va­ter­tag?“

Was tun, wenn man nicht sau­fen will: Über­le­gun­gen zur Gestal­tung von Chris­ti Him­mel­fahrt

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - In Der Familie - Lie­be Co­rin­na,

zu mei­nen hef­tigs­ten Ängs­ten ge­hört die vor ent­setz­li­chen Ver­kehrs­un­fäl­len – mei­nem Va­ter geht es ge­nau­so. Bei uns gilt des­halb auch am Bol­ler­wa­gen die Null-Pro­mil­le-Gren­ze. Der Va­ter­tag in sei­ner jet­zi­gen Form kommt für un­se­re Fa­mi­lie al­so gar nicht in­fra­ge. Um mich dem The­ma über­haupt zu nä­hern, ha­be ich erst mal bei Wi­ki­pe­dia nach­ge­schla­gen und bin auf das ost­deut­sche Pen­dant ge­sto­ßen. In der DDR hieß es of­fen­bar Her­ren­tag. Da­zu fällt mir was ein.

Wenn mein ei­ge­ner Va­ter mich frü­her mal ei­nen Tag al­lein be­treu­en muss­te, hat er näm­lich auch im­mer ei­nen Her­ren­tag aus­ge­ru­fen. Wir zwei Her­ren sind dann ans Gr­ab mir un­be­kann­ter Vor­fah­ren ge­reist und ha­ben hin­ter­her in schi­cken Fried­hof­s­ca­fés Tor­te ge­ges­sen. (Mein Opa vä­ter­li­cher­seits starb in ei­nem gräss­li­chen Ver­kehrs­un­fall, da­her wohl die Ängs­te.) Die­se Ver­si­on vom Va­ter­tag fin­de ich ei­gent­lich ganz gut – ge­ra­de in ei­ner Ge­sell­schaft, die Vä­ter mit dif­fi­zi­len El­tern­zeit-De­als da­zu über­re­den muss, auch mal was mit den Kin­dern zu un­ter­neh­men.

Fried­hofs­spa­zier­gän­ge hal­te ich grund­sätz­lich da­bei für ei­ne sehr gu­te Sa­che. Tor­te erst recht. In mei­nem Fall wä­re das Gr­ab mei­ner Oma das bes­te Ziel, aber lei­der ist es ei­ne vier­stün­di­ge Bahn­fahrt weit weg. Von Ing­mar Berg­man weiß ich, dass er zwar nicht am Va­ter­tag, aber da­für im­mer an sei­nem Ge­burts­tag von früh bis spät Lieb­lings­fil­me an­guck­te und sei­ne neun Kin­der zwang, ihm da­bei Ge­sell­schaft zu leis­ten. Das stel­le ich mir als ver­bin­den­de Ak­ti­on für ei­nen Va­ter-Sohn-Tag auch sehr schön vor. Es wä­re nur wich­tig, dass wir dann auch wirk­lich mei­ne Lieb­lings­fil­me an­gu­cken. Wenn es nach de­nen mei­ner Kin­der

geht, wä­re es jetzt noch die „Eis­kö­ni­gin“und dem­nächst ganz si­cher „Star Wars“. Im ers­ten ster­ben die El­tern von An­na und El­sa, be­vor die Hand­lung rich­tig los­geht, im zwei­ten ist die zen­tra­le Va­ter­fi­gur Darth Va­der – ein ver­stüm­mel­ter Mas­sen­mör­der. Am Va­ter­tag emp­fin­de ich das ir­gend­wie als Stim­mungs­kil­ler.

Dass Söh­ne das Bö­se in Gestalt ih­rer Vä­ter be­kämp­fen, ist dank „Star Wars“zum Ge­mein­platz ge­wor­den. In „Guar­di­ans of the Ga­la­xy 2“ha­be ich das ge­ra­de erst wie­der ge­se­hen. Ko­misch, dass das so spät kommt. Ei­gent­lich wä­re das ein gu­tes The­ma für Kin­der ge­we­sen, de­ren El­tern noch Hit­ler ge­wählt ha­ben. In den 50er-Jah­ren spiel­te statt­des­sen al­ler­dings Heinz Er­hardt Vä­ter,

de­ren größ­tes Pro­blem dar­in be­stand, noch in­fan­ti­ler als ihr Nach­wuchs zu sein.

Fa­zit: Der fil­mi­sche Va­ter­tag ist ei­ne schö­ne Idee; die Um­set­zung wird kom­pli­ziert. Dies­mal ha­be ich zum Glück so­wie­so kei­ne Zeit. Denn selbst ein häus­li­cher Ho­me­of­fice-Va­ter wie ich ist ne­ben­bei auch ein Ver­sor­ger. In die­sem Jahr fin­det am Va­ter­tag das Fi­na­le von „Ger­ma­ny’ s Next Top­mo­del“statt. Das muss ich re­zen­sie­ren. Scha­de, dass ich kei­ne Töch­ter ha­be.

Herz­li­che Grü­ße Dein Da­ni­el

PS: Apro­pos Fried­hof: Wa­ren Dei­ne Kin­der schon mal auf ei­ner Be­er­di­gung?

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