Mein Le­ben als Feu­er­wehr­frau

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - In Der Familie - Von Clau­dia La­bu­de-Ge­ri­cke

Bei uns zu Hau­se geht es der­zeit ein biss­chen so zu wie in ei­ner Feu­er­wa­che: Stän­dig be­fin­den wir uns in Alarm­be­reit­schaft. Wenn es dann tat­säch­lich los­geht, muss es schnell ge­hen. Und mit Was­ser hat es auch zu tun. Na­ja, mit Was­ser und Harn­stoff . . .

Die Räu­ber­toch­ter, die so viel schon selbst kann und kön­nen will, stellt sich der gro­ßen Her­aus­for­de­rung des Tro­cken­wer­dens. Lan­ge war dar­an kein Ge­dan­ke zu ver­schwen­den, weil sie erst nach Voll­zug mel­de­te und das vor­he­ri­ge Be­scheid­sa­gen vor lau­ter Ent­de­cker­drang oder Spiel­lust ein­fach ver­gaß. Jetzt al­ler­dings läuft es im wahrs­ten Wort­sinn ganz gut.

Wer die­sen Pro­zess als El­tern­teil das ers­te Mal live mit­macht, der kann sich schon manch­mal ko­misch vor­kom­men. Wie ei­ne Fuß­ball-Fan­kur­ve ha­ben wir am An­fang ge­fei­ert, wenn die Lüt­te uns recht­zei­tig ge­warnt hat­te und die Kla­mot­ten tro­cken blie­ben. Die­ses um­ju­bel­te Ge­fühl woll­te sie dann aber schein­bar öf­ter ha­ben und ver­wei­ger­te sich kur­zer­hand auch den Schlaf-Win­deln. Ge­ra­de in der An­fangs­zeit des gan­zen Pro­zes­ses konn­ten wir sie mit ei­ner Ar­gu­men­ta­ti­on, die je­dem Rhe­to­ri­kTrai­ner Eh­re ge­macht hät­te, doch noch um­stim­men. Aber lang­sam aber si­cher stei­gert sich die win­del­lo­se Zeit, und wir kön­nen auch mal Mit­tags­schlaf und Näch­te an­ge­hen. Schließ­lich wird es im­mer wär­mer und die Wä­sche auf dem Bal­kon ruck­zuck tro­cken.

Apro­pos Wä­sche: Nas­se Sa­chen müs­sen bei der Räu­ber­toch­ter nicht zwangs­läu­fig mit Pul­ler-Un­fäl­len zu tun ha­ben. Seit­dem die Stadt die Brun­nen wie­der an­ge­stellt hat, üben die Was­ser­spie­le ei­ne ma­gi­sche An­zie­hungs­kraft auf sie aus. So kam, was kom­men muss­te: Beim Klet­tern rutsch­te die Lüt­te ab und lan­de­te kom­plett in der Was­ser-Rin­ne ei­ner Spiel­an­la­ge in Eis­die­len-Nä­he. Ihr Ge­brüll war lau­ter als je­de Si­re­ne. „Ma­ma hat mich ge­ret­tet“, er­zähl­te sie an­schlie­ßend dem Pa­pa, Groß­el­tern und je­dem, der uns über den Weg lief. Zum Glück hat­te ich auch Er­satz-Sa­chen da­bei. Eben wie ei­ne ech­te Feu­er­wehr-Frau: auf den Ernst­fall im­mer vor­be­rei­tet.

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