„Spra­che ist das Wich­tigs­te“

De­bat­te zur In­te­gra­ti­on von Flücht­lin­gen mit Ex-Na­tio­nal­spie­ler Ca­cau

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport Regional - Von Lenn­art Al­bers

Über die Be­deu­tung der Spra­che und der fi­nan­zi­el­len Un­ter­stüt­zung bei der In­te­gra­ti­on von Flücht­lin­gen dis­ku­tier­ten am Frei­tag­mor­gen Ver­tre­ter aus Po­li­tik und Fuß­ball zu­sam­men mit Ex-Na­tio­nal­spie­ler Ca­cau. Al­le wa­ren sich ei­nig, welch wich­ti­gen Baustein „Fuß­ball“bei der In­te­gra­ti­on spielt.

An der Po­di­ums­dis­kus­si­on im Ju­gend­zen­trum West­werk im Rah­men des Deut­schen Stif­tungs­ta­ges un­ter der Mo­de­ra­ti­on von NOZ-Sport­re­dak­teur Ste­fan Al­ber­ti nah­men ne­ben Ca­cau – seit ei­ni­gen Mo­na­ten In­te­gra­ti­ons­be­auf­trag­ter des Deut­schen-Fuß­ball-Bun­des – auch Frank Schmidt (Vor­sit­zen­der Fuß­ball­kreis Os­na­brück-Stadt), Ma­ri­us Dietrich (im Ar­beits­stab der Be­auf­trag­ten der Bun­des­re­gie­rung für Mi­gra­ti­on, Flücht­lin­ge und In­te­gra­ti­on), To­bi­as Wr­zes­in­ski (Ge­schäfts­füh­rer DFB-Stif­tung Egi­di­us Braun) und Mar­cel van Deyk (zwei­ter Vor­sit­zen­der Ball­sport Evers­burg) teil.

Mit sei­nem Ver­ein Ball­sport dient van Deyk als Vor­bild­fi­gur bei der In­te­gra­ti­on ge­flüch­te­ter Men­schen. Durch ein Vi­deo von ei­ner Be­ach­soc­cer-Tour­nee, die der 28-Jäh­ri­ge im Som­mer 2015 mit der Os­na­brü­cker Flücht­lings­mann­schaft „FC Mon­di­al“mach­te, führ­te er in die The­ma­tik „Flücht­lin­ge an der Fuß­ball-Ba­sis“ein. Dar­über hin­aus skiz­zier­te er, wie die­se Men­schen in den Ver­ein in­te­griert wer­den kön­nen, denn schon seit zwei Jah­ren spie­len vie­le Flücht­lin­ge in den bei­den Her­ren­teams in Evers­burg. „Es ist groß­ar­tig zu se­hen, wie sich Men­schen über den Fuß­ball hin­aus für die Ge­sell­schaft en­ga­gie­ren“, be­kam van Deyk ein gro­ßes Lob von Ca­cau zu­ge­spro­chen.

Ca­cau selbst kam 1999 nach Deutsch­land, spiel­te zu­nächst in der fünf­ten Li­ga, ehe er über den 1. FC Nürn­berg zum VfB Stutt­gart wech­sel­te, dort Deut­scher Meis­ter wur­de und nach sei­ner Ein­bür­ge­rung 23-mal für die deut­sche Na­tio­nal­elf auf­lief. Der 36-Jäh­ri­ge kann auf ei­ne be­ein­dru­cken­de Kar­rie­re zu­rück­bli­cken, kennt aber auch aus sei­ner An­fangs­zeit in Deutsch­land die Schwie­rig­kei­ten, vor de­nen Flücht­lin­ge in ei­nem frem­den Land ste­hen. Da­her wies er auch auf die Be­deu­tung der Spra­che hin: „Du musst die Spra­che ler­nen, das ist für ge­lun­ge­ne In­te­gra­ti­on das Wich­tigs­te.“

3013 Ver­ei­ne un­ter­stützt

In der Dis­kus­si­on ging es aber auch um fi­nan­zi­el­le Zu­schüs­se, wel­che die In­te­gra­ti­on für Ver­ei­ne er­leich­tern sol­len. So wur­den 3013 Ver­ei­ne, die An­ge­bo­te für Flücht­lin­ge schaf­fen, bis En­de 2016 im Rah­men des Pro­jekts „1:0 für ein Will­kom­men“von der Egi­di­us-Braun-Stif­tung pau­schal mit je 500 Eu­ro un­ter­stützt. Auch in die­sem Zu­sam­men­hang ging es um das The­ma Spra­che. Wr­zes­in­ski be­rich­te­te von ei­nem Pro­jekt aus Ber­lin, wo Müt­ter ei­nen Sprach­kurs be­su­chen, wäh­rend die Kin­der am Fuß­ball­trai­ning teil­neh­men. „Der Sport ist für uns ein un­heim­lich wich­ti­ges Me­di­um für die In­te­gra­ti­on“, be­kräf­tig­te Dietrich die Be­deu­tung die­ser Pro­jek­te für die Po­li­tik.

Dass In­te­gra­ti­on nicht leicht ist, mach­te Frank Schmidt am Bei­spiel des SV Roj fest, der im Som­mer ei­ne Mann­schaft nur aus Flücht­lin­gen in der Kreis­li­ga Stadt an den Start brach­te, im Spiel­be­trieb aber fast nur für ne­ga­ti­ve Schlag­zei­len sorg­te und sich im Win­ter auf­lös­te. „Wir soll­ten des­halb die Flücht­lin­ge in die Ver­ei­ne in­te­grie­ren“, for­der­te er.

Van Deyk freu­te sich über die An­er­ken­nung, die er be­kam, und gab in­ter­es­san­te Ein­drü­cke in die all­täg­li­che In­te­gra­ti­ons­ar­beit aus dem Ver­eins­le­ben. So be­rich­te­te er „von ein­fa­chen, ste­reo­ty­pen Vor­ur­tei­len, die im­mer im Ge­dächt­nis von Men­schen sind“, und er­zähl­te, wie die­se durch den Kon­takt ab­ge­baut wer­den. Sein Wunsch an die Ver­tre­ter von DFB und Po­li­tik: „Sich mehr Zeit neh­men und selbst noch mehr in Be­geg­nung tre­ten.“

Elo­quent und in sich ru­hend: Ex-Na­tio­nal­spie­ler Ca­cau (am Mi­kro) bei der von Ste­fan Al­ber­ti (rechts) mo­de­rier­ten Po­di­ums­dis­kus­si­on mit (von links) To­bi­as Wr­zes­in­ski, Frank Schmidt, Ma­ri­us Dietrich und Mar­cel van Deyk. Fo­to: Da­vid Ebe­ner

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