Chi­bok-Mäd­chen se­hen ih­re El­tern wie­der

Ju­bel und Freu­den­trä­nen in Ni­ge­ria – Be­frei­te Schü­le­rin­nen blei­ben in Ob­hut

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik -

82 Schü­le­rin­nen aus der ni­ge­ria­ni­schen Stadt Chi­bok ha­ben am Sams­tag erst­mals ih­re El­tern wie­der­ge­se­hen – mehr als drei Jah­re nach der Ent­füh­rung durch die is­la­mis­ti­sche Ter­ror­mi­liz Bo­ko Ha­ram. In Ni­ge­ri­as Haupt­stadt Abuja spiel­ten sich be­we­gen­de Sze­nen ab. Vä­ter und Müt­ter ju­bel­ten und um­arm­ten ih­re Töch­ter, die zwei Wo­chen zu­vor im Aus­tausch ge­gen fünf Kom­man­deu­re der Is­la­mis­ten­grup­pe frei­ge­las­sen wor­den wa­ren.

„Al­le ha­ben heu­te ge­tanzt. So­gar die Al­ten“, sag­te Ya­ku­bu Nke­ki. „Wir hat­ten al­le die Hoff­nung auf­ge­ge­ben, wir dach­ten, die Mäd­chen kom­men nie­mals zu­rück.“Nke­kis Nich­te Mai­mu­na, die er auf­ge­zo­gen hat­te, war zu­sam­men mit 276 an­de­ren Mäd­chen im April 2014 von Bo­ko Ha­ram ent­führt wor­den.

Ob die Fa­mi­li­en auf Dau­er wie­der­ver­eint blei­ben wer­den, war je­doch un­klar. Nach An­ga­ben der zu­stän­di­gen Mi­nis­te­rin Ai­sha Jum­mai al­Has­san sol­len die 82 Mäd­chen zwar mög­lichst im Sep­tem­ber wie­der zur Schu­le ge­hen. Der Zei­tung „This Day“sag­te Al-Has­san aber, dass die Frei­ge­las­se­nen in staat­li­cher Ob­hut blie­ben. Der­zeit wür­den die Mäd­chen me­di­zi­nisch be­treut und dann in ein Re­ha­bi­li­ta­ti­ons­pro­gramm über­stellt. Dem­nach könn­ten Mo­na­te oder Jah­re ver­ge­hen, be­vor die Mäd­chen zu ih­ren El­tern zu­rück­zö­gen – falls über­haupt.

Bo­ko Ha­ram hat­te die 82 jun­gen Frau­en am ers­ten Mai-Wo­che­n­en­de nach län­ge­ren Ver­hand­lun­gen un­ter in­ter­na­tio­na­ler Ver­mitt­lung frei­ge­las­sen. Die Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on Hu­man Rights Watch kri­ti­sier­te die Re­gie­rung, weil sie den El­tern nicht gleich vol­len Zu­gang zu ih­ren Töch­tern ge­währt hat­te. Die Be­hör­den müss­ten er­klä­ren, ob die Mäd­chen als Ver­däch­ti­ge be­han­delt wür­den.

Die Ent­füh­rung der zwölf­bis 17-jäh­ri­gen Schü­le­rin­nen vor rund drei Jah­ren hat­te in­ter­na­tio­nal für Ent­set­zen ge­sorgt. Zahl­rei­che Pro­mi­nen­te setz­ten sich un­ter dem Slo­gan „Brin­gBackOurGirls“für ih­re Frei­las­sung ein, dar­un­ter auch die da­ma­li­ge First La­dy der USA, Mi­chel­le Oba­ma. Der­zeit wer­den aber im­mer noch mehr als hun­dert Mäd­chen ver­misst.

„Wir dach­ten, die Mäd­chen kom­men nie zu­rück“: Beim Wie­der­se­hen spiel­ten sich be­we­gen­de Sze­nen ab. Fo­to: AFP/PGDBA & HND Mass Communication/ Sunday Aghaeze

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