Schwei­zer leh­nen neue AKW ab

Al­te Mei­ler lau­fen vor­erst wei­ter

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Wirtschaft -

Die Schwei­zer ha­ben in ei­ner Volks­ab­stim­mung ge­gen den Bau neu­er Atom­kraft­wer­ke ge­stimmt. Die be­ste­hen­den Mei­ler blei­ben vor­erst am Netz. Er­neu­er­ba­re Ener­gi­en sol­len aus­ge­baut wer­den.

BERN. Die Schwei­zer ha­ben sich mit deut­li­cher Mehr­heit für ei­nen schritt­wei­sen Aus­stieg aus der Atom­kraft und ei­ne stär­ke­re För­de­rung er­neu­er­ba­rer Ener­gi­en aus­ge­spro­chen. 58,2 Pro­zent vo­tier­ten bei ei­ner Volks­ab­stim­mung für ein neu­es Ener­gie­ge­setz. Die Wahl­be­tei­li­gung lag le­dig­lich bei 42,3 Pro­zent.

Das Ge­setz ver­bie­tet den Bau neu­er Atom­kraft­wer­ke. Für die fünf be­ste­hen­den Mei­ler gibt es kein fes­tes Ab­schalt­da­tum; sie sol­len am Netz blei­ben, so­lan­ge sie von der Auf­sichts­be­hör­de als si­cher ein­ge­stuft wer­den. Das Ge­setz gilt ab 2018.

Ei­ne Ab­schal­tung al­ler Kraft­wer­ke bis 2029 hat­ten die Schwei­zer im No­vem­ber deut­lich ab­ge­lehnt. „Bis das letz­te Atom­kraft­werk ab­ge­schal­tet wird, kann es noch zehn bis 15 Jah­re dau­ern“, sag­te Rolf Wüs­ten­ha­gen, Pro­fes­sor für Ma­nage­ment er­neu­er­ba­rer Ener­gi­en an der Uni­ver­si­tät St. Gal­len. Der Sie­de­was­ser­re­ak­tor in Müh­le­berg wird be­reits 2019 still­ge­legt.

Zwei der fünf Kern­kraft­wer­ke, Bez­nau 1 und 2, lie­gen nur we­ni­ge Ki­lo­me­ter hin­ter der Gren­ze Ba­den-Würt­tem­bergs. Bez­nau 1, das dienst­äl­tes­te Atom­kraft­werk der Welt von 1969, ist al­ler­dings aus Si­cher­heits­grün­den seit zwei Jah­ren vom Netz. Das Hoch­fah­ren hat sich im­mer wie­der ver­zö­gert.

Knapp 60 Pro­zent des Schwei­zer Stroms kom­men be­reits heu­te aus nach­hal­ti­gen Qu­el­len, über­wie­gend aus Was­ser­kraft. In Deutsch­land ist der An­teil nur et­wa halb so hoch. Das neue Ener­gie­ge­setz ver­schärft auch die Richt­wer­te für den CO2-Aus­stoß von Au­tos und er­höht För­der­gel­der für er­neu­er­ba­re Ener­gi­en. Die Sa­nie­rung be­ste­hen­der Ge­bäu­de für mehr Ener­gie­ef­fi­zi­enz soll auch ge­för­dert wer­den. Fi­nan­ziert wird das teil­wei­se durch Zu­satz­ab­ga­ben der Strom­kun­den.

Schi­ly mischt sich ein

Des­halb hat­te die kon­ser­va­ti­ve Schwei­ze­ri­sche Volks­par­tei (SVP) vor hor­ren­den Strom­prei­sen ge­warnt und ge­gen das Ge­setz mo­bi­li­siert. Sie be­kam Schüt­zen­hil­fe vom frü­he­ren deut­schen In­nen­mi­nis­ter Ot­to Schi­ly (SPD). Er hal­te die Ener­gie­wen­de in Deutsch­land „un­ter wirt­schaft­li­chen, fi­nan­zi­el­len, öko­lo­gi­schen, so­zia­len und kli­ma­po­li­ti­schen Vor­zei­chen für ein De­sas­ter“, schrieb Schi­ly in ei­nem Brief an SVPChef Chris­toph Blo­cher. Er hof­fe, dass die Schwei­zer ihr Land da­vor be­wah­ren wür­den, „die weit­rei­chen­den en­er­gie­po­li­ti­schen Feh­ler der deut­schen Ener­gie­wen­de zu wie­der­ho­len“.

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