Schwie­ri­ger Um­gang mit Wehr­machts­er­be

Ro­ten­bur­ger Lent-Ka­ser­ne soll Na­men be­hal­ten

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Nordwest - Be­rich­te auf noz.de/po­li­tik

Dür­fen Ka­ser­nen nach Wehr­machts­hel­den be­nannt wer­den, auch wenn die­se nicht im Wi­der­stand wa­ren? In Ro­ten­burg wur­de die schwie­ri­ge Fra­ge nach lan­ger Dis­kus­si­on mit „Ja“be­ant­wor­tet.

Die Len­tKa­ser­ne liegt an der B 71, ein paar Ki­lo­me­ter au­ßer­halb von Ro­ten­burg. Fel­der, Äcker und der Luh­ner Forst um­rah­men das Mi­li­tär­ge­län­de, al­te Ei­chen säu­men die Auf­fahrt zum Ka­ser­nen­tor. Da­hin­ter tun rund 1000 Sol­da­ten ih­ren Di­enst. Und die wol­len, dass ih­re Ka­ser­ne wei­ter den Na­men Lent trägt. Das fin­den auch der Ro­ten­bur­ger Stadt­rat, der Bür­ger­meis­ter und der Land­rat. Das Pro­blem: Hel­mut Lent war ein hoch­de­ko­rier­ter Welt­kriegs­flie­ger, ein ge­fei­er­ter Held der Wehr­macht und ei­ne Pro­pa­gan­da­fi­gur des NS-Re­gimes. Ob er sinn­stif­tend wir­ken kann, da ha­ben ei­ni­ge Zwei­fel.

Al­len vor­an Marc And­re­ßen, der ei­ne Initia­ti­ve grün­de­te zur Um­be­nen­nung der Ka­ser­ne. „Hel­mut-Schmid­tKa­ser­ne“könn­te er sich gut vor­stel­len oder „Wüm­me-Ka­ser­ne“als Ver­weis auf den un­weit durch Ro­ten­burg flie­ßen­den Fluss. „Zur Iden­ti­täts­und Sinn­stif­tung oder als Wer­te­lie­fe­rant ist Hel­mut Lent un­ge­eig­net“, sagt And­re­ßen, der Spre­cher des Grü­nen-Orts­ver­ban­des in Ro­ten­burg ist. Für ihn ist klar, dass der 1944 bei ei­nem Flug­un­fall ums Le­ben ge­kom­me­ne Lent ei­ner der „pri­vi­le­gier­tes­ten Sol­da­ten der Wehr­macht“war. Mehr noch: Er ha­be bis zu­letzt den „End­sieg“ge­prie­sen, wie aus dem Er­in­ne­rungs­buch Lents her­vor­ge­he. 1944 hielt Reichs­mar­schall Her­mann Gö­ring selbst die Trau­er­re­de. And­re­ßen be­rei­tet der­zeit ei­ne neue On­li­ne-Pe­ti­ti­on vor, um die Um­be­nen­nung zu er­rei­chen.

Die De­bat­te um Ka­ser­nen­na­men hat im Fahr­was­ser der Tur­bu­len­zen um Wehr­machts­de­vo­tio­na­li­en bei der Bun­des­wehr, rechts­ex­tre­me Um­trie­be und den Fall des

„Kein Hel­den­kult, kein Glo­ri­fi­zie­ren“Andre­as We­ber, Bür­ger­meis­ter in Ro­ten­burg

ter­ror­ver­däch­ti­gen Ober­leut­nants Fran­co A. an Fahrt ge­won­nen. Das Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um will die Na­men auf den Prüf­stand stel­len. Rund ein Dut­zend Ka­ser­nen wer­den wohl be­trof­fen sein, dar­un­ter si­cher die Lent-Ka­ser­ne und wohl auch die Del­men­hors­ter Feld­we­bel-Li­li­en­thal-Ka­ser­ne, die nach dem Pan­zer­jä­ger und Trä­ger des Rit­ter­kreu­zes Died­rich Li­li­en­thal (1921–1944) be­nannt ist. Der Na­me wer­de der­zeit nicht in­fra­ge ge­stellt, hieß es in der Ka­ser­ne. Soll­te Ber­lin das an­ders se­hen, dann wür­den Ge­sprä­che mit der Kom­mu­ne ge­führt und be­ra­ten. Na­mens­ge­bun­gen er­fol­gen stets nach dem An­satz „von un­ten“, das heißt, der Im­puls soll von den Ka­ser­nen­an­ge­hö­ri­gen und den Kom­mu­nen kom­men. Aus Ro­ten­burg ist das Si­gnal klar. Die Ka­ser­ne soll ih­ren Na­men be­hal­ten.

Auch Ro­ten­burgs SPDBür­ger­meis­ter Andre­as We­ber ist da­für, macht aber klar: „Kein Hel­den­kult, kein Glo­ri­fi­zie­ren.“Er will den Na­men für ei­ne kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung nut­zen und zei­gen, was in der NS-Zeit mit Men­schen pas­sie­ren konn­te. Mit In­for­ma­ti­ons­ta­feln vor dem Ka­sern­en­ein­gang soll the­ma­ti­siert wer­den, in wel­cher Si­tua­ti­on sich Sol­da­ten da­mals im NS-Re­gime be­fun­den hät­ten.

Für die Bei­be­hal­tung plä­diert auch Her­mann Lutt­mann (CDU), Land­rat im Land­kreis Ro­ten­burg, der auf ein Gut­ach­ten des Zen­trums für Mi­li­tär­ge­schich­te und So­zi­al­wis­sen­schaf­ten der Bun­des­wehr von 2016 ver­weist. „Mit ei­ni­gem Wohl­wol­len wird man durch­aus be­ja­hen kön­nen, dass die Na­mens­ge­bung der Ro­ten­bur­ger Lent-Ka­ser­ne auch den heu­ti­gen Richt­li­ni­en der Bun­des­wehr ent­spricht.“

Bun­des­wehr im Zwie­licht:

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