Ver­zweif­lung und Ent­täu­schung äu­ßern sich still

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Dialog -

Zum Ar­ti­kel „50 Sui­zid­ver­su­che von Flücht­lin­gen“und dem Kom­men­tar „Nicht vor­ge­se­hen“von Ste­fa­nie Wit­te (Aus­ga­be vom 17. Mai) er­hiel­ten wir fol­gen­de Zu­schrift von Dr. Ran­di Ha­big­horst, Flücht­lings­in­itia­ti­ve Mel­leNeu­en­kir­chen.

„Vie­len Dank für den Kom­men­tar von Frau Wit­te, der sehr ein­drück­lich be­schreibt, in welch un­si­che­rer und trost­lo­ser Si­tua­ti­on sich vie­le Ge­flüch­te­te der­zeit be­fin­den. Der Ein­druck, dass mit der Flücht­lings­in­te­gra­ti­on al­les bes­tens ist, nur weil ,al­les ru­hig‘ ist, täuscht. Ver­zweif­lung und Ent­täu­schung kön­nen sich auch sehr still äu­ßern, wie die Zah­len über Sui­zid­ver­su­che zei­gen.

So­lan­ge die For­de­rung der Kom­men­ta­to­rin nach mehr prak­ti­scher Hil­fe im Rah­men staat­li­cher Ver­sor­gung un­er­füllt bleibt, sind vie­le Ge­flüch­te­te auf eh­ren­amt­li­che Hil­fe an­ge­wie­sen. Da­zu ge­hö­ren ei­ner­seits die Be­glei­tung zu Äm­tern und Ärz­ten, Hil­fe bei der Su­che nach Woh­nun­gen, Aus­bil­dungs­plät­zen oder Ar­beits­stel­len.

Viel wich­ti­ger sind aber oft ein­fa­che Ge­sprä­che, In­for­ma­ti­ons­aus­tausch oder das An­ge­bot, als An­sprech­part­ner zur Ver­fü­gung zu ste­hen. Aber so lang­sam geht uns Eh­ren­amt­li­chen das Per­so­nal aus: Die Flücht­lings­in­itia­ti­ve Mel­le-Neu­en­kir­chen hilft bei­spiels­wei­se seit April 2016 bei oben ge­nann­ten Auf­ga­ben. Ers­te Kon­tak­te zu Ge­flüch­te­ten wur­den in den Sprach­kur­sen ge­knüpft; mit ,Klei­der­kis­te‘

und ,Will­kom­men­sca­fé‘ wur­den Treff­punk­te zum ge­gen­sei­ti­gen Ken­nen­ler­nen ge­schaf­fen. Und auch, wenn Neu­an­kömm­lin­ge die Sam­mel­un­ter­kunft in ei­ge­ne Woh­nun­gen ver­las­sen, ver­su­chen wir oft, den Kon­takt zu hal­ten, hel­fen beim Ein­rich­ten der Woh­nun­gen und er­kun­di­gen uns re­gel­mä­ßig

nach dem Be­fin­den. Doch auch wenn die gro­ße ,Flücht­lings­wel­le‘ ver­ebbt (wur­de), kom­men ste­tig neue Be­woh­ner in Mel­le an, die auch emp­fan­gen und (zu­min­dest) in den ers­ten Mo­na­ten be­glei­tet wer­den soll­ten. […]“

Dr. Ran­di Ha­big­horst Mel­le

Fo­to: dpa

Sprach­kur­se für Flüch­lin­ge sind nur ein – wenn auch wich­ti­ger – Schritt. Vie­le Hil­fe­su­chen­de sind ver­zwei­felt und ent­täuscht. Wie die Zah­len be­le­gen, äu­ßert sich das im­mer öf­ter in Sui­zid­ver­su­chen.

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