Ver­hör am Flug­ha­fen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück -

Er hat­te da­mit ge­rech­net, dass sich die Zöll­ner bei der Pass­kon­trol­le län­ger mit ihm be­fas­sen wür­den. Als Jour­na­list ge­hört er zu der von US-Prä­si­dent Trump am meis­ten ver­ach­te­ten Zunft. Und wenn die­ser Jour­na­list den Zöll­nern er­klärt, über ei­ne De­le­ga­ti­on zu be­rich­ten, die die deutsch-ame­ri­ka­ni­schen Be­zie­hun­gen stär­ken will, dann stößt das in Zei­ten wie die­sen nicht ge­ra­de auf Ge­gen­lie­be. Dass Re­por­ter Je­an-Charles Fays nach der Pass­kon­trol­le in Chi­ca­go aber di­rekt in ei­nem ab­ge­sperr­ten Be­reich der Zol­lund Grenz­schutz­be­hör­de der Ver­ei­nig­ten Staa­ten ver­hört wird, da­mit hat­te er nicht ge­rech­net.

Beim Ab­flug am Frank­fur­ter Flug­ha­fen scher­zen Mit­glie­der der Os­na­brü­cker De­le­ga­ti­on: „Hier­mit ver­las­sen Sie die freie Welt.“In Frank­furt la­che ich noch, acht St­un­den spä­ter in Chi­ca­go wird aus Spaß Ernst. Als ein Zöll­ner mir mit­teilt, dass es Auf­fäl­lig­kei­ten ge­be und ich nun mit­kom­men müs­se, wer­de ich ner­vös. Die an­de­ren De­le­ga­ti­ons­teil­neh­mer sind schon auf dem Weg zum Bus. Ich war­te in ei­nem Raum mit et­wa 50 an­de­ren Rei­sen­den, die größ­ten­teils ei­nen noch dunk­le­ren Teint ha­ben als ich. Nach et­wa 20 Mi­nu­ten wer­de ich auf­ge­ru­fen. Mir wird vor­ge­wor­fen, ich hät­te bei der Pass­kon­trol­le Fotos ge­macht. Ich wi­der­spre­che. Der Zöll­ner über­prüft mei­ne Fotos auf dem Han­dy und stellt we­der bei den ak­tu­el­len noch bei den ge­lösch­ten Da­ten ent­spre­chen­de Auf­nah­men fest. Das Ver­hör geht den­noch wei­ter. Er fragt auf Eng­lisch: „Sie ha­ben 2004 in den USA stu­diert, an wel­chem Tag sind Sie an­ge­reist, an wel­chem Tag sind Sie ab­ge­reist?“Ich er­wi­de­re: „Das ist 13 Jah­re her. An­rei­se war im Au­gust 2004, Abrei­se An­fang Ja­nu­ar 2005.“Der Zöll­ner gibt sich da­mit nicht zu­frie­den und fragt nach dem ge­nau­en Da­tum der Abrei­se. Er schreibt sich 7., 8. oder 9. Ja­nu­ar auf. Das The­ma scheint ihn noch wei­ter zu in­ter­es­sie­ren: „Was hal­ten sie von Ein­wan­de­rung?“Ich er­wi­de­re, dass ich bei mei­nem Ar­beit­ge­ber in Os­na­brück sehr zu­frie­den bin und am Don­ners­tag mit ei­ner Os­na­brü­cker Rei­se­grup­pe auch wie­der ab­rei­sen wer­de. „Vor­her wer­den wir noch die Deutsch-Ame­ri­ka­ni­sche Han­dels­kam­mer in Chi­ca­go, den Bür­ger­meis­ter von Evans­vil­le und den deut­schen Ho­no­rar­kon­sul von North Ca­ro­li­na und die Uni so­wie ei­ni­ge Un­ter­neh­men in Char­lot­te be­su­chen.“Ich er­klä­re, dass ich die ame­ri­ka­ni­sche Gast­freund­schaft sehr mag. Be­zo­gen auf mei­ne Stu­di­en­zeit in Penn­syl­va­nia und die Freun­de, die ich dort ken­nen­lern­te, ist das nicht ein­mal ge­lo­gen. Das Ge­spräch scheint sich zum Gu­ten zu wen­den. Ich fra­ge ihn, was er denn von Deutsch­land hal­te. Der Zöll­ner: „Ich weiß nicht. Man hört viel Gu­tes, aber auch viel Schlech­tes.“Ich emp­feh­le, es selbst zu über­prü­fen und zu Be­such zu kom­men. Er sei je­der­zeit will­kom­men. Die Re­ak­ti­on ist nüch­tern bis ver­hal­ten. Den­noch drückt er ei­nen Stem­pel in mei­nen Rei­se­pass. Ich darf ein­rei­sen.

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