La­chen un­ter dem Ban­ner des To­des

Poe­try-Slam­mer Jan Phil­ipp Zym­ny in der La­ger­hal­le

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur Regional -

In der aus­ver­kauf­ten La­ger­hal­le be­wies der Wup­per­ta­ler Poe­try-Slam­mer Jan Phil­ipp Zym­ny, dass er das Zeug zum ab­sur­den Ko­mö­di­an­ten hat. Un­ter dem Ban­ner des To­des brach­te er die Zwerch­fel­le zum Be­ben.

Von Tom Bull­mann

Ge­ra­de hat der leicht adi­pö­se jun­ge Mann sei­nen Bauch wie­der ein­ge­packt, das sagt er et­was wie: „Es er­füllt mich mit Glück und Dank­bar­keit, dass ich hier bei euch auf der Büh­ne ste­hen darf, denn das ist das Ein­zi­ge im Le­ben, was mir wirk­lich Spaß macht. Dan­ke, ich bin Hel­ge Schnei­der!“Na­tür­lich ist es nicht Hel­ge Schnei­der, der das sagt, son­dern Jan Phil­ipp Zym­ny. In der aus­ver­kauf­ten La­ger­hal­le tritt der Un­ter­hal­tungs­künst­ler den Be­weis an, dass er sich sei­nem Vor­bild in Be­zug auf ab­stru­se Un­ter­hal­tung im­mer mehr an­nä­hert.

Bei Zym­ny hört sich das so an: „Rrrr, Rrrrrr, Rie­sen­kal­mar, ich rap­pe bei un­ter 1000 Bar!“Fan­tas­tisch ab­surd. Zym­ny kommt aus der Poe­try-Slam-Sze­ne und hat sich ent­schlos­sen, sei­ne Tex­te live auf der Büh­ne mit Ele­men­ten von Come­dy und Ka­ba­rett zu mi­xen. So hat er kurz vor sei­nem Hip-Hop-Ela­bo­rat über das Phan­tom der Tief­see dem Rap­per Haft­be­fehl mal kurz an den Kar­ren ge­pin­kelt und so­mit auch all den Fans, die Gangs­t­er­rap­per cool fin­den, aber laut nach der Po­li­zei ru­fen, wenn in ih­re Woh­nung ein­ge­bro­chen wird.

Sein ak­tu­el­les Pro­gramm nennt Jan Phil­ipp Zym­ny „Kin­der der Weird­ness“. Er hat es nach dem Mo­dell der „fünf Ster­be­pha­sen“der schwei­ze­risch-ame­ri­ka­ni­schen Psy­cho­lo­gin Eli­sa­beth Küb­ler-Ross in fünf Ak­te auf­ge­teilt: Ver­leug­nung, Wut, Ver­hand­lung, De­pres­si­on, Ak­zep­tanz. Un­ter die­sen Über­schrif­ten be­schäf­tigt sich der sym­pa­thi­sche jun­ge Mann, der so schön auf schüch­tern ma­chen kann, mit der Tat­sa­che, dass wir doch al­le ein biss­chen selt­sam sind. Weird eben, wie man heu­te zu sa­gen pflegt. Er selbst ver­steht bei­spiels­wei­se das Ab­fei­ern in Clubs nicht, ihn ver­stö­ren Su­per­märk­te, und voll­kom­men ab­we­gig fin­det er Mit­tel­al­ter-Rock: „Das spie­len Leu­te Mu­sik, von der sie den­ken, dass sie in der Art im Mit­tel­al­ter ge­spielt wor­den sei, ob­wohl kein Mensch weiß, wie sich die tat­säch­lich an­ge­hört hat. Dann mi­xen sie auch noch ei­ne E-Gi­tar­re da­zu, und fer­tig ist der Mit­tel­al­ter-Rock!“

Zu­rück zu sei­nen Poe­try­Slam-Wur­zeln geht Zym­ny mit ei­nem ge­le­se­nen Text. Es han­delt sich um ei­nen Dia­log mit ei­nem Ta­xi­fah­rer in Ber­lin, den er mit sei­ner in­ne­ren Stim­me an­rei­chert. Und sie­he da, Zym­ny ist zwar schüch­tern, in sei­nen un­er­gründ­li­chen Tie­fen al­ler­dings sehr wü­tend und laut. Die Sze­ne wird phi­lo­so­phisch: „Mein Ta­xa­me­ter läuft, al­so bin ich“, sagt er be­deu­tungs­schwan­ger.

Es ist aber­wit­zig, aber dem 24-Jäh­ri­gen ge­lingt es, un­ter dem abs­trak­ten Ban­ner des To­des so viel Lus­ti­ges, Kri­ti­sches, Skur­ri­les, Tief­grün­di­ges und Gro­tes­kes ab­zu­son­dern, dass man kaum aus dem La­chen her­aus­kommt. Mus­kel­ka­ter im Zwerch­fell ist ga­ran­tiert.

Mit ei­ner Fra­ge­run­de be­en­det Jan Phil­ipp Zym­ny sein Pro­gramm. Ehr­lich be­ant­wor­tet er Fra­gen aus dem Pu­bli­kum zu sei­nem Mu­sik­ge­schmack (al­te Män­ner-Rock und HipHop) und zu sei­nen Vor­bil­dern (Hel­ge Schnei­der und Rai­nald Gre­be). Mit der Bot­schaft, sich von Come­dy und Ka­ba­rett nicht be­ein­flus­sen zu las­sen, schickt er sei­ne Fans nach Hau­se: „Macht euch eu­re ei­ge­nen Ge­dan­ken!“

Brach­te die Zwerch­fel­le zum Be­ben: Jan Phil­ipp Zym­ny. Fo­to: Eg­mont Sei­ler

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