Un­ter­halt­sa­me Li­te­ra­tur­kri­tik

Hel­mut Thie­le las aus „Kitsch, Kon­ven­ti­on und Kunst“

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur Regional - Un­ter noz.de/kul­tur-re­gio­nal

Von An­ne Rei­nert

OS­NA­BRÜCK. Wo es um Li­te­ra­tur­theo­rie geht, kann es schon mal zäh wer­den. Ganz und gar nicht so ge­stal­te­te sich die Le­sung mit Hel­mut Thie­le, der im Re­nais­sance­saal Le­den­hof aus Karl­heinz De­sch­ners „Kitsch, Kon­ven­ti­on und Kunst“las. Zum ei­nen hat De­sch­ners zu­ge­spitzt for­mu­lier­te Streit­schrift Un­ter­hal­tungs­cha­rak­ter. Zum an­de­ren wird das noch bes­ser, wenn Schau­spie­ler Thie­le ge­konnt dar­aus vor­trägt.

Im Buch­han­del ist „Kitsch, Kon­ven­ti­on und Kunst“nicht mehr er­hält­lich. Wer ein Ex­em­plar kau­fen will, muss ins An­ti­qua­ri­at. Zum ers­ten Mal ver­öf­fent­lich­te Karl­heinz De­schner (1924–2014) das Buch 1957. Spä­ter über­ar­bei­te­te er es noch mal.

Hel­mut Thie­le lern­te die Streit­schrift als Gym­na­si­ast ken­nen. Sein Deutsch­leh­rer ha­be sie auf den Tisch ge­knallt und ge­sagt: „Das ist der Maß­stab für Li­te­ra­tur.“Für den Schau­spie­ler ein prä­gen­der Mo­ment. De­schner nahm gro­ßen Ein­fluss auf sein Li­te­ra­tur­ver­ständ­nis. De­schner hat­te kla­re Vor­stel­lun­gen Hel­mut Thie­le las im Le­den­hof Os­na­brück aus „Kitsch, Kon­ven­ti­on und Kunst“.

da­von, was gu­te und was schlech­te Li­te­ra­tur ist. Nicht, das was ist, zählt, son­dern das Wie. Ent­schei­dend sind al­so nicht Stoff und Wel­t­an­schau­ung, son­dern vor al­lem die Spra­che.

Wie Thie­le sich durch die Aus­schnit­te mit ih­ren Zi­ta­ten aus Wer­ken von Trakl, Broch und Hes­se liest, das al­lein ist schön. Und es stei­gert sich noch, wenn ein Ernst Jün­ger als „Ar­tist auf Me­ta­phern­jagd“ab­ge­kan­zelt wird und Her­mann Hes­ses Herbst­ge­dich­te als „zum Ab­ge­wöh­nen“prä­sen­tiert wer­den. Über­haupt Herr­mann Hes­se. Des­sen „Nar­ziss und Gold­mund“wird eben­falls

ver­ris­sen. Für den Schü­ler Hel­mut Thie­le ei­ne bit­te­re Pil­le, lieb­te er die Er­zäh­lung doch.

Die vom Li­te­ra­tur­bü­ro West­nie­der­sach­sen un­ter­stütz­te Ver­an­stal­tung zum 30-Jäh­ri­gen des Thie­le-Ne­u­mann-Thea­ters be­weist auch, dass Karl­heinz De­schner die Streit­lust ent­facht. Denn zum Ab­schluss dis­ku­tie­ren die Zu­hö­rer ih­rer­seits über De­schner. Ei­ne Po­si­ti­on da­bei: Bei Lob­hu­de­lei­en, et­wa für Ril­ke, über­trei­be er es dann doch.

Mehr zum Thie­le-Ne­u­mann-Thea­ter

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.