Mah­nung mit Mu­sik des Klez­mer

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur Regional -

Von Tho­mas Hit­ze­mann

Wie ein Mot­to for­mu­liert Stel­la Jür­gen­sen ihr An­lie­gen: Al­le Men­schen sei­en eins und wür­den nur ge­trennt durch Re­li­gio­nen, Ideo­lo­gi­en oder na­tio­na­le Ver­blen­dung. Mu­sik und Poe­sie da­ge­gen be­sä­ßen die Kraft, Men­schen ein­an­der wie­der nä­her­zu­brin­gen.

Als be­son­ders ge­eig­net hät­te sich da­für der Chas­si­di­sche Ge­sang des eu­ro­päi­schen Ost­ju­den­tums er­wie­sen. In des­sen Ni­gu­nim, al­so Lie­dern, die mit we­ni­gen Ton­sil­ben aus­kä­men, ent­fal­te sich ei­ne mys­ti­sche Ver­ei­ni­gung der Aus­füh­ren­den un­ter­ein­an­der so­wie mit Gott. Mer­lin She­pherd über­trägt die­se Vor­ge­hens­wei­se hoch­vir­tu­os auf sein Kla­ri­net­ten­spiel. Er bläst lei­den­schaft­li­che Phra­sen un­ter Ver­zö­ge­run­gen und Be­schleu­ni­gun­gen, voll von Schlei­fern, Juch­zern und Seuf­zern. Po­li­na She­pherd be­glei­tet ihn rhyth­misch am Kla­vier.

Tra­di­tio­nell klin­gend, al­ler­dings zu selbst aus­ge­wähl­ten Tex­ten des Al­ten Tes­ta­ments, brin­gen Stel­la Jür­gen­sen und Po­li­na She­pherd ei­ge­ne Lie­der. Mit rhyth­misch wie me­lo­disch blitz­sau­be­ren An­schlä­gen be­glei­tet Andre­as Hecht sie auf der Gi­tar­re. Ein al­tes jid­di­sches Lied be­zau­bert be­son­ders. Im „Sterndl“steckt das Heim­weh ei­nes jü­di­schen Sol­da­ten, der in die za­ris­ti­sche Ar­mee Russ­lands ge­presst wor­den war und nun nicht mehr in sein „Städtl“zu­rück­keh­ren darf. Stel­la Jür­gen­sen in­ter­pre­tiert das Lied vol­ler Wär­me und Ein­füh­lungs­ver­mö­gen.

Stän­dig läuft ei­ne Vi­deo­fol­ge mit Zeich­nun­gen von Prof. Mei­ro­se aus Tel Aviv, un­ter­bro­chen von mar­kan­ten Zi­ta­ten, et­wa „Wo aus Un­recht Recht wird, ist Wi­der­stand Pflicht“.

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