Kr­ab­bel­tie­re ein­fach um­quar­tie­ren

Mit dem Blu­men­topftrick las­sen sich Amei­sen von der Kü­che fern­hal­ten

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Gut Zu Wissen -

Sie ge­hört zum Gar­ten wie der Ma­ri­en­kä­fer, aber wenn sie ihr Nest un­ter ei­ner Ter­ras­se und ih­re Stra­ße durch die Fens­ter­rit­ze in die Kü­che legt, wird sie auch zum Är­ger­nis: die Amei­se.

Von Jörg Zitt­lau

BRE­MEN. Nicht sel­ten kom­men dann In­sek­ti­zi­de, Flam­men­wer­fer und an­de­re ra­bia­te Ver­nich­tungs­me­tho­den zum Ein­satz. Doch es geht auch an­ders.

So kann man Ter­ras­sen und Gar­ten­we­ge be­reits beim Bau vor Amei­sen schüt­zen, in­dem man, wie Ro­ger Bähr von der Deut­schen Amei­sen­schutz­war­te emp­fiehlt, als Un­ter­grund kei­nen Sand, son­dern Edel­splitt ver­wen­det: „Des­sen Kör­ner ha­ben ei­nen Um­fang, der nicht durch die Fu­gen passt.“Da­durch könn­ten die Tie­re beim Gra­ben ih­rer Gän­ge das da­bei an­fal­len­de Ma­te­ri­al nicht mehr ein­fach ent­sor­gen. Au­ßer­dem be­ste­he ein wei­te­rer Ef­fekt dar­in, dass sie gar nicht mehr so vie­le Gän­ge bau­en müss­ten. „Denn zwi­schen den Splitt­kör­nern fin­den sie meis­tens auch so ge­nug Platz für ih­re Wan­de­run­gen“, so Bähr.

Auf Sand ge­baut

Wenn al­ler­dings Ter­ras­se oder Weg erst ein­mal auf Sand ge­baut sind und dann die Amei­sen kom­men, wird es pro­ble­ma­tisch. Denn meis­tens han­delt es sich da­bei nicht um die un­ter Ar­ten­schutz ste­hen­de Wal­da­mei­se, son­dern um die er­heb­lich klei­ne­re We­ga­mei­se. „Die Be­kämp­fung die­ser Art ist schwie­rig: An vie­le han­dels­üb­li­che Fraß­gif­te geht sie nicht“, weiß der Darm­städ­ter Zoo­lo­ge Al­f­red Bu­schin­ger. Ei­ne Be­kämp­fungs­op­ti­on be­steht aber in Kö­dern mit den Wirk­stof­fen Fi­pro­nil oder Spi­no­sad, de­nen schon der blo­ße Kon­takt mit den Tie­ren

aus­reicht, um in ih­rem Ner­ven­sys­tem für ei­ne töd­li­che Übe­r­er­re­gung zu sor­gen. Für Men­schen und Säu­ge­tie­re wer­den sie erst in sehr ho­her Do­sie­rung ge­fähr­lich.

Nichts­des­to­we­ni­ger tö­tet man mit die­ser Me­tho­de na­tür­lich Tie­re, und zu­dem muss man die Gift­kö­der im­mer wie­der aus­le­gen. Denn selbst wenn ein kom­plet­ter Amei­sen­staat ver­nich­tet ist, kommt schon bald der nächs­te, weil die Le­bens­be­din­gun­gen un­ter ge­pflas­ter­ten We­gen ein­fach zu ver­lo­ckend sind. Das kann dann teu­er wer­den, ganz zu schwei­gen da­von, dass stän­dig ein­ge­setz­te In­sek­ti­zi­de auch ein Um­welt­pro­blem sind.

Bähr emp­fiehlt da­her den „Blu­men­topftrick“: Ei­nen Ton­topf 24 St­un­den lang in Was­ser ein­wei­chen, Zei­tungs­pa­pier hin­ein­st­op­fen, et­was Mar­me­la­de und Zu­cker hin­ein und dann kopf­über auf ei­ne Kreuz­fu­ge der be­trof­fe­nen Ter­ras­se stel­len. Das Amei­sen­heer wird bin­nen we­ni­ger Ta­ge kom­plett dort ein­zie­hen, und dann kann man es per Kehr­schau­fel und Tü­te wo­an­ders hin­brin­gen, bei­spiels­wei­se

auf ei­nen Kom­post­hau­fen. „Wenn der et­wa zehn Me­ter weit ent­fernt ist, kom­men die Tie­re erst ein­mal auch nicht wie­der“, er­läu­tert Bähr. Denn die We­ga­mei­sen ha­ben im Un­ter­schied zu den Wal­da­mei­sen nur ei­nen re­la­tiv klei­nen Be­we­gungs­ra­di­us.

Es­sig und La­ven­del­öl

Um das Vor­drin­gen ins Haus zu ver­hin­dern, soll­te man schon beim An­blick der ers­ten Sechs­fü­ßer be­gin­nen, täg­lich mit Es­sig zu rei­ni­gen und Duft­stei­ne mit La­ven­del­öl auf­zu­stel­len. „Amei­sen sind ein duft­ge­lei­te­ter Staat“, er­klärt Bähr. „So­fern ih­re Spä­her die für sie un­an­ge­neh­men Ge­rü­che re­gis­trie­ren, ver­zich­tet das Volk in der Re­gel dar­auf, sich dort an­zu­sie­deln.“

Au­ßer­dem emp­fiehlt sich, Rit­zen und Spal­ten, durch die die Amei­sen ins Haus ein­drin­gen kön­nen, mit Lehm, Si­li­kon oder Leim ab­zu­dich­ten. Ein Krei­de­strich vor ei­ner mög­li­chen Ein­tritts­pfor­te hält die emp­find­li­chen In­sek­ten­fü­ße eben­falls fern, doch den muss man na­tür­lich öf­ter nach­zie­hen. Aber er ist wir­kungs­vol­ler als der im­mer noch zu hö­ren­de Rat­schlag, wo­nach man Amei­sen mit Back­pul­ver zum Plat­zen brin­gen könn­te. Da­zu müss­ten sie das Pul­ver über­haupt erst fres­sen – und das tun sie in der Re­gel nicht.

Blu­men­pracht und Ge­mü­se­an­bau, un­se­re Gar­ten­se­rie im In­ter­net auf noz.de/quer­beet

Per­fek­te Zu­sam­men­ar­beit: Zwei Schwar­ze Gar­te­na­mei­sen mel­ken und be­treu­en Blatt­läu­se auf ei­nem Wei­den­kätz­chen. Doch bei al­ler Fas­zi­na­ti­on für Amei­sen – in der Woh­nung sind die In­sek­ten nicht will­kom­men. Fo­to: imago/Blick­win­kel

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