Gryffin­dor und tau­chen­der Tau­send­füß­ler

For­scher stel­len die zehn schrägs­ten neu­en Ar­ten des Jah­res vor

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Gut Zu Wissen -

Ei­ne nach ei­ner Har­ry-Pot­ter-Fi­gur be­nann­te Mi­ni­s­pin­ne, ein ren­nen­der und tau­chen­der Tau­send­füß­ler und ein oran­ge­pin­ker Wurm oh­ne Darm­aus­gang: Das In­sti­tut für Ar­ten­for­schung der Sta­te Uni­ver­si­ty of New York hat sei­ne jähr­li­che Lis­te der zehn bi­zarrs­ten Neue-Ar­ten-Ent­de­ckun­gen im Tier- und Pflan­zen­reich ver­öf­fent­licht.

Die we­ni­ger als zwei Mil­li­me­ter lan­ge Spin­ne Erio­vi­xia gryffin­d­o­ri ha­ben Wis­sen­schaft­ler in In­di­en ent­deckt. Be­nannt wur­de sie nach der Har­ry-Pot­ter-Fi­gur God­ric Gryffin­dor, de­ren Hut in sei­ner Form der Spin­ne ähn­lich sieht. Die wahr­schein­lich nacht­ak­ti­ve Mi­ni­s­pin­ne ver­steckt sich zwi­schen brau­nen, ab­ge­fal­le­nen Blät­tern auf dem Bo­den von Wäl­dern. Bis­lang ist nur ein ein­zi­ges weib­li­ches Ex­em­plar ent­deckt wor­den.

Eben­falls nach ei­ner fik­tio­na­len Fi­gur be­nannt wur­de die Amei­se Pheido­le dro­gon, die in Pa­pua-Neu­gui­nea ent­deckt wur­de. Der schwar­ze Dra­che „Dro­gon“aus der Sci­ence-Fic­tion-Se­rie „Ga­me of Thro­nes“war Na­mens­pa­te für die Amei­se mit den schwar­zen St­a­cheln auf dem Rü­cken.

Auch zwei Tau­send­füß­ler fin­den sich in den dies­jäh­ri­gen Top Ten: Il­lacme to­bi­ni, der im Se­quoia Na­tio­nal­park in den USA ent­deckt wur­de, kann so­gar bis zu 750 Bei­ne ha­ben – und da­mit mög­li­cher­wei­se bald ei­nen Re­kord auf­stel­len. Sein gan­zes Le­ben

lang fügt die­ser rund 20 Mil­li­me­ter lan­ge Tau­send­füß­ler, der kei­ne Au­gen hat, im­mer wie­der Bei­ne hin­zu. In La­os, Thai­land und Viet­nam wur­de der 20 Zen­ti­me­ter lan­ge Tau­send­füß­ler Sco­lo­pen­dra ca­ta­rac­ta ent­deckt, der 20 Bein­paa­re hat. Die­ser Tau­send­füß­ler ist der ers­te be­kann­te, der so­wohl auf der Er­de ren­nen als auch tau­chen kann.

Die in In­do­ne­si­en ent­deck­te Rat­te Gra­cili­mus ra­dix be­vor­zugt an­ders als vie­le ih­rer nächs­ten Ver­wand­ten nicht Fleisch als Haupt­ge­richt: Der

Al­les­fres­ser knab­bert be­son­ders gern an Wur­zeln. Die Heu­schre­cke Eu­lo­p­ho­phyl­lum kir­ki wur­de ent­deckt, als For­scher in Ma­lay­sia ei­gent­lich nach Spin­nen und Schlan­gen such­ten. Ein ein­zi­ges Ex­em­plar wur­de bis­lang fo­to­gra­fiert, von ei­nem Fo­to­gra­fen na­mens Pe­ter Kirk, nach dem die Art auch be­nannt ist. Die Männ­chen der rund 40 Mil­li­me­ter lan­gen Art sind grün, die Weib­chen pink.

Im bra­si­lia­ni­schen To­can­ti­na-Fluss ent­deck­ten For­scher den St­a­chel­ro­chen Pota­mo­try­gon rex – mehr als ei­nen

Me­ter lang und bis zu 20 Ki­lo­gramm schwer. Die vom Auss­ter­ben be­droh­te Or­chi­dee Te­li­po­gon dia­bo­li­cus fan­den Wis­sen­schaft­ler in Ko­lum­bi­en, ihr Re­pro­duk­ti­ons­or­gan sieht aus wie der Kopf ei­nes Teu­fels.

In Aus­tra­li­en ent­deck­ten For­scher die To­ma­ten­sor­te So­la­num os­si­cru­en­tum. Wenn ei­ne un­rei­fe Frucht an­ge­schnit­ten wird, ver­än­dert sich das Fleisch von Weiß­grün zu Blut­rot. Im Meer vor Me­xi­ko in rund 1700 Me­ter Tie­fe fan­den Wis­sen­schaft­ler den Mee­res­wurm Xe­no­tur­bel­la chur­ro. Der Wurm ist rund zehn Zen­ti­me­ter lang, oran­ge-pink und hat ei­nen Mund– aber kei­nen Anus.

Wei­te­re 10 Mil­lio­nen Tier­und Pflan­zen­spe­zi­es war­ten dem­nach welt­weit noch auf ih­re Ent­de­ckung. Mit den seit 2008 jähr­lich ver­öf­fent­lich­ten „Top Ten“wol­len die For­scher auf die Viel­falt im Tier- und Pflan­zen­reich und die dro­hen­de Aus­rot­tung vie­ler Ar­ten auf­merk­sam ma­chen.

Har­ry Pot­ter stand Pa­te: ein Ex­em­plar ei­ner klei­nen Spin­ne mit dem Na­men Erio­vi­xia gryffin­d­o­ri.

Fo­to: Su­muk­ha J.N./dpa

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