Vie­le Stars und ei­ne Eva­ku­ie­rung

Film­fest-Wo­che­n­en­de in Cannes: Mi­nis­te­rin Grüt­ters freut sich für deut­schen Film

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur -

dpa Beim Film­fes­ti­val in Cannes ist die Si­tua­ti­on we­gen der Si­cher­heits­la­ge an­ge­spannt. Die Se­cu­ri­ty­mit­ar­bei­ter sind an­ge­sichts der Ter­ror­ge­fahr in Frank­reich be­son­ders ner­vös – und lie­ßen am Sams­tag­abend vor­sichts­hal­ber ei­nen Teil des Fes­ti­val­pa­las­tes eva­ku­ie­ren. Der Zeit­punkt war hei­kel: Im be­nach­bar­ten Pre­mie­ren­saal sa­ßen ge­ra­de Tau­sen­de Gäs­te, auf der Croi­set­te dräng­ten sich un­zäh­li­ge Schau­lus­ti­ge. 20 Mi­nu­ten spä­ter gab es dann aber schon Ent­war­nung. Man hat­te ei­nen „ver­däch­ti­gen Ge­gen­stand“ge­fun­den, wie das Fes­ti­val spä­ter mit­teil­te.

Es wa­ren be­mer­kens­wert vie­le Stars nach Cannes ge­kom­men, die für Zer­streu­ung sorg­ten: Cl­int East­wood (86) prä­sen­tier­te ei­ne Wie­der­auf­füh­rung sei­nes Wes­terns „Er­bar­mungs­los“, kurz be­vor „Twi­light“-Hel­din Kris­ten Ste­wart mit ras­pel­kur­zen Haa­ren ihr De­büt als Re­gis­seu­rin ei­nes ex­pe­ri­men­tel­len Kurz­films gab. Und in ei­ner Ne­ben­rei­he wa­ren noch Je­re­my Ren­ner, Ni­co­le Kid­man und El­le Fan­ning zu se­hen.

Be­son­ders be­mer­kens­wert aber war die Be­set­zung des Bei­trags „The Mey­e­ro­witz Sto­ries“, der zwei­ten Net­fli­xPro­duk­ti­on im dies­jäh­ri­gen Wett­be­werb. Dus­tin Hoff­man, Adam Sand­ler, Em­ma Thomp­son und Ben Stil­ler spie­len in dem Werk von Noah Baum­bach die Mit­glie­der ei­ner ziem­lich ka­put­ten Künst­ler­fa­mi­lie, die sich strei­ten und ver­let­zen, dann aber teil­wei­se lang­sam wie­der zu­ein­an­der­fin­den.

Zwei wei­te­re Bei­trä­ge fo­kus­sier­ten sich da­ge­gen mehr auf ge­sell­schaft­li­che Miss­stän­de: Der schwe­di­sche Re­gis­seur Ru­ben Öst­lund stell­te in der Sa­ti­re „The Squa­re“ei­nen bi­got­ten Mu­se­ums­ku­ra­tor in den Mit­tel­punkt und ent­larv­te da­mit auch gleich Ab­grün­de in der sa­tu­rier­ten bür­ger­li­chen Schicht ins­ge­samt.

Po­li­ti­scher wur­de der Fran­zo­se Ro­bin Cam­pil­lo, der in „120 bat­te­ments par mi­nu­te“vom Kampf von Aids-Ak­ti­vis­ten An­fang der 90er er­zählt. Na­tu­ra­lis­tisch, fast do­ku­men­ta­risch fängt er In­ter­es­sen­grup­pen ein, die sich ge­mein­sam für Ak­zep­tanz in der Ge­sell­schaft und Un­ter­stüt­zung durch die Re­gie­rung von Prä­si­dent François Mit­ter­rand ein­set­zen.

Zu­rück zur Eva­ku­ie­rung: Die hat­te die ers­te Vor­füh­rung des Films „Le Re­dou­ta­ble“von Os­car-Preis­trä­ger Mi­chel Ha­zana­vici­us („The Ar­tist“) ge­trof­fen. Mit viel Lie­be zum Aus­stat­tungs­de­tail, ins­ge­samt aber et­was zu brav in­sze­niert er da­mit ei­ne Hom­mage an die Re­gie­le­gen­de Je­an-Luc Go­dard.

Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin Mo­ni­ka Grüt­ters freut sich über das An­se­hen des deut­schen Films im Aus­land. „Der deut­sche Film ist wie­der in den Blick­punkt der in­ter­na­tio­na­len Film­com­mu­ni­ty ge­rückt“, sag­te die CDU-Po­li­ti­ke­rin am Sams­tag­abend beim Emp­fang des Deut­schen Films wäh­rend des Fes­ti­vals in Cannes. „Wir hat­ten sel­ten ei­nen so star­ken Jahr­gang wie die­ses Jahr“, sag­te Grüt­ters in Be­zug auf die Prä­senz in Cannes. So ge­be es 16 Fil­me mit deut­scher Be­tei­li­gung, dar­un­ter Bei­trä­ge von Fa­tih Akin und Val­e­s­ka Gri­se­bach. „Das sind ganz star­ke Auf­trit­te.“Hin­zu kom­me Ma­ren Ade als Mit­glied der dies­jäh­ri­gen Wett­be­werbs-Ju­ry.

„Au­ßer­dem ha­ben wir durch die er­höh­te Film­för­de­rung auch ei­ni­ges ge­tan, dass ge­ra­de das deut­sche Au­to­ren­ki­no wie­der stark ist“, sag­te Grüt­ters.

Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin Grüt­ters (CDU). Mo­ni­ka Fo­to: dpa

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