Ech­te Män­ner ge­sucht

Der VfL Wolfs­burg muss im 20. Jahr der Bun­des­li­ga-Zu­ge­hö­rig­keit in die Re­le­ga­ti­on

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport -

Von Frank Hell­mann

HAM­BURG. Vi­el­leicht soll­te es der VfL Wolfs­burg mal mit den zwei breit­schult­ri­gen Ord­nern aus dem Ham­bur­ger Volks­park­sta­di­on ver­su­chen. Kräf­ti­ge Ker­le, die so­fort zur Stel­le sind, wenn Ge­fahr im Ver­zu­ge ist. Hät­ten die­se bei­den Män­ner in der Schluss­pha­se auf dem Ra­sen ge­stan­den und nicht erst Di­enst ge­tan, als der VfL-Auf­sichts­rats­boss und VW-Vor­stand Fran­cis­co Ja­vier Gar­cia Sanz nach dem 1:2 beim Ham­bur­ger SV im Erd­ge­schoss vor drän­geln­den Jour­na­lis­ten be­schützt wer­den muss­te, der Klub wä­re ver­mut­lich um die Sai­son­ver­län­ge­rung her­um­ge­kom­men.

So aber mün­de­ten ei­ne zah­len­mä­ßi­ge Un­ter­zahl und kör­per­li­che Un­ter­le­gen­heit in der Re­le­ga­ti­on, als Links­ver­tei­di­ger Yan­nick Ger­hardt in der 88. Mi­nu­te ge­gen Lu­ca Wald­schmidt ret­ten woll­te, was nicht mehr zu ret­ten war. Der ge­bür­ti­ge Ma­dri­le­ne Sanz wirk­te wie ei­ner, den per­sön­lich der Schlag in die Ma­gen­gru­be ge­trof­fen hat­te – ist ja auch schlimm, wenn die Fuß­ball-Toch­ter die­sel­be Sinn­kri­se durch­lei­det wie der Kon­zern we­gen des Ab­gas­skan­dals. Gin­ge im 20. Jahr der Bun­des­li­ga-Zu­ge­hö­rig­keit die Auf­ent­halts­ge­neh­mi­gung im Ober­haus ver­lo­ren, wä­re der Worst Ca­se für den Stand­ort im öst­li­chen Nie­der­sach­sen kom­plett.

Es folgt nun die Höchst­stra­fe für den VfL Wolfs­burg: zwei emo­tio­nal auf­ge­la­de­ne Nach­bar­schafts­du­el­le ge­gen Ein­tracht Braun­schweig. „Es spielt kei­ne Rol­le, wie der Geg­ner heißt“, sag­te Sport­di­rek­tor Olaf Reb­be und ver­sprach so­gleich: „Wir wer­den er­folg­reich sein.“

Trot­zi­ge Be­haup­tun­gen die­ser Art hat der Ma­na­gerNo­vi­ze schon ei­ni­ge an­ge­stellt, oh­ne dass Ta­ten der VfL-Ki­cker folg­ten. Feh­len­de Wehr­haf­tig­keit ist das Kar­di­nal­pro­blem, das Stür­mer Ma­rio Go­mez nicht zum ers­ten Ma­le an­sprach. „Wenn wir das Herz mehr in die Hand neh­men und ein­fach Fuß­ball spie­len, wie wir es ge­lernt ha­ben, dann musst du in der zwei­ten Halb­zeit drei oder vier To­re ma­chen. Jetzt ha­ben wir be­kom­men, was wir ver­dient ha­ben“, sag­te er.

„Al­les kri­tisch zu be­leuch­ten und zu hin­ter­fra­gen“, emp­fahl VfL-Ge­schäfts­füh­rer Wolf­gang Hot­ze oh­ne­hin, nun füg­te das Wolfs­bur­ger Ur­ge­stein noch ei­nen ver­rä­te­ri­schen Satz an: „Mit dem spie­le­ri­schen Po­ten­zi­al soll­ten wir ge­gen ei­nen Zweit­li­gis­ten im Vor­teil sein.“Es wä­re in­des an der Zeit, dass die­se Dunst­glo­cke des Selbst­be­trugs sich auf­löst: Der Sturz auf den Re­le­ga­ti­ons­rang war nicht hö­he­ren Mäch­ten ge­schul­det, die die in­di­vi­du­el­le Qua­li­tät die­ses Ka­ders ver­ken­nen, son­dern die lo­gi­sche Stra­fe, weil kol­lek­ti­ve Ab­wehr­me­cha­nis­men nicht funk­tio­nier­ten. Nun muss je­ne Mann­schaft in die „Ex­tra-Run­de“(Go­mez), die am we­nigs­ten auf Ab­stiegs­kampf ge­polt ist.

Sport­chef Reb­be woll­te die Men­ta­li­täts­fra­ge, nicht stel­len. „Ers­te Halb­zeit und Pha­sen zwei­te Halb­zeit war die Men­ta­li­tät in Ord­nung.“Ei­ne eben­so we­nig ziel­füh­ren­de Aus­sa­ge wie die von Trai­ner An­dries Jon­ker, der sich zur The­se ver­stieg, sein En­sem­ble sei ei­nes der bes­ten Teams der Li­ga, wenn man Ord­nung und Kampf­geist ver­bin­de. „Es ist un­glaub­lich, dass wir auf Platz 16 ste­hen.“Sie feh­len dem VfL Wolfs­burg of­fen­bar nicht nur auf dem Platz, die ker­ni­gen Ker­le, die recht­zei­tig Ge­fahr er­ken­nen.

Ma­rio Fo­to: dpa

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.