Der un­voll­ende­te FC Bay­ern

Ho­en­eß deu­tet Groß­of­fen­si­ve auf Trans­fer­markt an – „Et­was ma­chen, was wir bis­her nicht ge­macht ha­ben“

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport -

Le­wan­dow­skis Ent­täu­schung, Dort­munds Auba­meyang die Tor­jä­ger­ka­no­ne über­las­sen zu müs­sen, fügt sich ins Bild des un­voll­ende­ten FC Bay­ern – eben­so wie die An­deu­tun­gen von Ho­en­eß und Rum­me­nig­ge, ei­ne Groß­of­fen­si­ve auf dem Trans­fer­markt zu star­ten.

Von Ma­ik Ros­ner

Es wer­de si­cher­lich ein biss­chen „tän­ze­ri­scher und al­ko­ho­li­scher“, hat­te Mats Hum­mels für die in­ter­ne Meis­ter­fei­er im Münch­ner Post­pa­last an­ge­kün­digt. Die Sai­son sa­cken las­sen, Par­ty ma­chen, ab­schal­ten – dar­um ging es beim FC Bay­ern zum Kehr­aus ei­ner Spiel­zeit, in der es nur zu ei­nem Fei­er-Dou­ble ge­kom­men war. Schon am 29. April, nach dem amt­li­chen Ti­tel-Sing­le durch den 6:0Sieg beim VfL Wolfs­burg, hat­ten die Münch­ner ei­nen ge­fühl­ten Schluss­strich un­ter die Sai­son ge­zo­gen, als sie erst­mals auf ih­ren fünf­ten Meis­ter­ti­tel in Se­rie und den 27. ins­ge­samt an­stie­ßen.

Die ganz gro­ße Aus­ge­las­sen­heit soll­te sich je­weils nicht ein­stel­len. Zu sehr nagt am deut­schen Bran­chen­füh­rer, das er­hoff­te Triple und das an­ge­streb­te Dou­ble ver­passt zu ha­ben. Aus im Vier­tel­fi­na­le der Cham­pi­ons Le­ague ge­gen Re­al Ma­drid, Aus im Po­kal­halb­fi­na­le ge­gen Bo­rus­sia Dortmund – und nach dem 4:1 (1:0) ge­gen den SC Frei­burg und den Ver­ab­schie­dun­gen von Ka­pi­tän Phil­ipp Lahm, Xa­bi Alon­so und Tom Star­ke ins Kar­rie­reen­de auch noch die per­sön­li­che Ent­täu­schung für Ro­bert Le­wan­dow­ski, Dort­munds Pier­re-Eme­rick Auba­meyang die Tor­jä­ger­ka­no­ne über­las­sen zu müs­sen. Zwei To­re hat­te der BVB-Stür­mer am letz­ten Spiel­tag beim 4:3 ge­gen Bre­men er­zielt und da­mit sei­nen Münch­ner Kon­tra­hen­ten noch mit ins­ge­samt 31:30 Li­ga­tref­fern über­holt.

„Er war schon et­was ge­knickt, er wä­re ger­ne Tor­schüt­zen­kö­nig ge­wor­den“, be­rich­te­te In­nen­ver­tei­di­ger Hum­mels, „wir ha­ben es am An­fang auch ex­trem ver­sucht. Es gab ei­ne Sze­ne, da hat Ar­turo Vi­dal den Ball bei ei­ner frei­en Schuss­mög­lich­keit auf fast schon gro­tes­ke Wei­se zu ihm spie­len wol­len.“Doch es wur­de nichts mit Le­wan­dow­skis per­sön­li­cher Ti­tel­ver­tei­di­gung, trotz sei­ner zahl­rei­chen Chan­cen.

Bei der Über­ga­be der Scha­le wirk­te der pol­ni­sche Na­tio­nal­spie­ler fast schon wie ein Häuf­lein Elend. Nicht er, son­dern Ar­jen Rob­ben, Vi­dal, Franck Ri­bé­ry und Jos­hua Kim­mich hat­ten die To­re er­zielt. Der ehe­ma­li­ge Münch­ner Nils Pe­ter­sen hat­te zu­dem für die Frei­bur­ger ge­trof­fen, die nun auf ei­nen Po­kal­sieg des BVB ge­gen Ein­tracht Frank­furt hof­fen. Als Sieb­ter dürf­ten sie dann an der Qua­li­fi­ka­ti­on für die Eu­ro­pa Le­ague teil­neh­men.

Und die Münch­ner? Un­voll­endet steht als Fa­zit un­ter die­sem Spiel­jahr. Da hilft es auch nur we­nig, dass Vor­stands­chef Karl-Heinz Rum­me­nig­ge seit Wo­chen ver­sucht, mehr Wert­schät­zung für die we­gen der wirt­schaft­li­chen Vor­macht­stel­lung lo­gi­sche Do­mi­nanz in der Li­ga ein­zu­for­dern. Doch dass gut auch im Selbst­ver­ständ­nis der Münch­ner nicht gut ge­nug ist, hat­ten schon zu­letzt die öf­fent­li­chen De­bat­ten mit Prä­si­dent Uli Ho­en­eß ge­zeigt.

Es pass­te ins Bild, dass Ho­en­eß be­reits am Ran­de der öf­fent­li­chen Meis­ter­fei­er auf dem Ma­ri­en­platz ei­ne Groß­of­fen­si­ve auf dem Trans­fer­markt an­deu­te­te. „Wir ha­ben ei­nen Ka­der, wenn man den ver­stär­ken will, muss man Gra­na­ten kau­fen. Es wird si­cher­lich ei­nen Mix ge­ben aus er­fah­re­nen Spie­lern und Spie­lern mit Zu­kunft. Und das her­aus­zu­fin­den wird die Kunst sein“, sag­te Ho­en­eß. Das Pro­blem sei al­ler­dings, „dass wir uns auf ei­nem Markt be­we­gen, auf dem über Sum­men dis­ku­tiert und Sum­men be­zahlt wer­den, die wir nicht für mög­lich ge­hal­ten ha­ben“. Ein Pro­blem, zu des­sen Lö­sung der FC Bay­ern wohl sein prall ge­füll­tes Fest­geld­kon­to an­zap­fen wird, um den be­gon­ne­nen Um­bruch im Ka­der er­folg­reich zu ge­stal­ten. In die­sem Sin­ne ließ sich Ho­en­eß je­den­falls deu­ten, als er an­kün­dig­te, schon in den „nächs­ten Ta­gen ei­ne Rich­tungs­ent­schei­dung“be­kannt zu ge­ben. Zu­mal er Trans­fer­in­ves­ti­tio­nen von mehr als 100 Mil­lio­nen Eu­ro nicht aus­schloss. „Für ei­nen Spie­ler nicht, aber das Ge­samt­kon­zept kann na­tür­lich mal viel sein“, sag­te der 65-Jäh­ri­ge, „aber dann muss man na­tür­lich auch Spie­ler ab­ge­ben. Über die­sen Mix müs­sen wir uns in den nächs­ten Wo­chen ei­ni­gen.“Es kön­ne durch­aus sein, dass man mal et­was ma­che, „was wir bis­her nicht ge­macht ha­ben“, sag­te er noch.

Ne­ben­bei soll auch ein Sport­di­rek­tor ver­pflich­tet wer­den, nach­dem Lahm und Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bachs Max Eberl ab­ge­sagt hat­ten. Man wer­de „ver­su­chen, in den nächs­ten Mo­na­ten je­man­den zu fin­den, das muss nicht zum 1. Ju­li sein“, sag­te Ho­en­eß. Man brau­che „ein Bin­de­glied zwi­schen Mann­schaft und Vor­stand, denn da ha­ben wir ein­deu­tig ein De­fi­zit“.

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