VfL Os­na­brück: Wer ist der drit­te Mann?

Zu­kunft von Hei­der und Men­ga of­fen – Weh­lend: Enor­mer Druck – VDV-State­ment

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite - Von Ha­rald Pis­to­ri­us, Ben­ja­min Kraus und Ste­fan Al­ber­ti

Erst nach dem Ab­schluss des lau­fen­den DFB-Ver­fah­rens will der VfL Os­na­brück ent­schei­den, wie es mit Ad­dy Men­ga und Marc Hei­der wei­ter­geht. Sie ha­ben sich als zwei der drei un­ter dem Ver­dacht der ver­such­ten Spiel­ma­ni­pu­la­ti­on ste­hen­den Fuß­bal­ler der Öf­fent­lich­keit ge­stellt: Ein Schritt, den die VfL-Ver­ant­wort­li­chen und fast al­le Team­kol­le­gen be­grüßt ha­ben. Nur der Na­me des drit­ten Man­nes, der nach den Aus­sa­gen von Men­ga und Hei­der of­fen­bar im Fo­kus der DFB-Er­mitt­ler steht, ist wei­ter un­be­kannt. Wann die Er­mitt­lun­gen des Kon­troll­aus­schus­ses ab­ge­schlos­sen sein wer­den, ist noch nicht klar – der VfL drängt auf ei­nen schnel­len Ab­schluss.

Wann äu­ßert sich „Mis­ter X“zum Ver­dacht der ver­such­ten Spiel­ma­ni­pu­la­ti­on? Ha­ben Marc Hei­der und Ad­dy Men­ga nach ih­ren öf­fent­li­chen Er­klä­run­gen noch ei­ne fuß­bal­le­ri­sche Zu­kunft beim VfL Os­na­brück? Wann prä­sen­tie­ren der DFB und die Staats­an­walt­schaft Os­na­brück ih­re Er­mitt­lungs­er­geb­nis­se? Fra­gen über Fra­gen …

Erst nach dem Ab­schluss des lau­fen­den DFB-Ver­fah­rens will der VfL Os­na­brück ent­schei­den, wie es mit den Spie­lern Men­ga und Hei­der wei­ter­geht. Das sag­te Ge­schäfts­füh­rer Jür­gen Weh­lend in ei­nem In­ter­view auf dem VfL-Ka­nal bei YouTube. Der VfL drängt auf ei­ne schnellst­mög­li­che Ent­schei­dung durch den DFB.

Men­ga und Hei­der mach­ten den Schritt an die Öf­fent­lich­keit, ge­stan­den ih­ren Feh­ler ein und be­ton­ten, es ge­he ih­nen mit ih­rem Schritt dar­um, ih­re Team­kol­le­gen vor Spe­ku­la­tio­nen zu schüt­zen. Dar­über hät­ten sie sich mit dem un­ab­hän­gi­gen Om­buds­mann Cars­ten Thiel von Herff be­ra­ten. „Nach ei­nem Fehl­ver­hal­ten, das Ver­ein und Fans enorm un­ter Druck ge­setzt hat, ha­ben sie sich nach ei­nem Rie­sen­feh­ler in den Di­enst der Mann­schaft ge­stellt“, sag­te Weh­lend.

Der Na­me des drit­ten Man­nes, der nach den Aus­sa­gen von Men­ga und Hei­der of­fen­bar im Fo­kus der DFB-Er­mitt­ler steht, ist wei­ter un­be­kannt. Men­ga und Hei­der wol­len ihn nicht nen­nen. „Wir ha­ben ihm ge­sagt: Sei ein Kerl und stel­le dich der Ver­ant­wor­tung und ste­he zu dei­nem Feh­ler so wie wir“, sag­te Men­ga. Auch Hei­der be­ton­te: „Das ist sei­ne Sa­che. Er weiß, dass es vor al­lem dar­um geht, Spe­ku­la­tio­nen von der Mann­schaft fern­zu­hal­ten.“Der Ver­ein nennt ihn na­ment­lich nicht, weil der VfL sei­ne Für­sor­ge­pflicht ge­gen­über ei­nem Ar­beit­neh­mer nicht ver­let­zen will. „Au­ßer­dem gilt die Un­schulds­ver­mu­tung“, sag­te Weh­lend, der aber be­tont, dass al­le drei Spie­ler bis auf Wei­te­res nicht ein­ge­setzt wür­den. Spä­tes­tens

wenn der DFB-Kon­troll­aus­schuss An­kla­ge er­hebt, wird be­kannt wer­den, wer der Mann ist, den ei­ni­ge Fans in den In­ter­net-Fo­ren „Mis­ter X“nen­nen. Ob es dann zu ei­ner münd­li­chen Ver­hand­lung kommt, hängt da­von ab, ob der be­schul­dig­te Spie­ler das be­an­trag­te Straf­maß ak­zep­tiert.

Wann die Er­mitt­lun­gen des Kon­troll­aus­schus­ses ab­ge­schlos­sen sein wer­den, ist noch nicht klar. Laut Weh­lend ste­hen noch die Be­fra­gun­gen der Bre­mer Zeu­gen aus: „Das ist un­se­res Wis­sens noch nicht er­folgt“, sag­te Weh­lend, der na­tür­lich ei­ne schnel­le Ent­schei­dung for­dert: „Durch die vor­schnel­le Pres­se­mit­tei­lung und die Nen­nung der kon­kre­ten Zahl der ver­däch­ti­gen Spie­ler hat sich ein enor­mer Druck auf den Ver­ein und die Spie­ler auf­ge­baut.“

We­gen des öf­fent­li­chen In­ter­es­ses und des na­hen­den Sai­son­en­des dürf­te der DFB um ei­ne schnel­le Ent­schei­dung be­müht sein. Im­mer­hin geht es für Spie­ler wie Men­ga oder To­bi­as Wil­lers mög­li­cher­wei­se auch dar­um, ei­nen neu­en Ver­ein zu fin­den. Die bei­den sind die ein­zi­gen Ak­teu­re aus der Grup­pe der acht am ver­gan­ge­nen Sams­tag im Ka­der feh­len­den Spie­ler, die kei­nen Ver­trag über das Sai­son­en­de hin­aus ha­ben. Nach un­se­ren In­for­ma­tio­nen hat der Ver­ein Wil­lers in der ver­gan­ge­nen Wo­che mit­ge­teilt, dass sein Kon­trakt nicht ver­län­gert wird. Der Ab­wehr­spie­ler hat Kon­takt zum FC Bay­ern Mün­chen, der ihn mög­li­cher­wei­se für das Scou­ting-Team von Ka­der­pla­ner Micha­el Reschke ver­pflich­ten will. Mit Men­ga hat­te der VfL Plä­ne, den Pu­bli­kums­lieb­ling über das Kar­rie­re­en­de hin­aus an den Ver­ein zu bin­den.

Weh­lend war am Mon­tag beim DFB in Frank­furt und er­läu­ter­te vor dem Zu­las­sungs­be­schwer­de­aus­schuss die Po­si­ti­on des VfL zu den vom DFB auf­er­leg­ten Be­din­gun­gen und Auf­la­gen. Die Os­na­brü­cker ver­su­chen, sich ge­gen ih­rer Auf­fas­sung nach un­ge­recht­fer­tig­te Re­du­zie­run­gen der Ein­nah­me­kal­ku­la­ti­on un­ter an­de­rem im Be­reich Spon­so­ring zu weh­ren. „Die ak­tu­el­len Vor­fäl­le ma­chen es uns auch in die­sem Zu­sam­men­hang nicht leich­ter“, sag­te Weh­lend vor dem Ter­min in Frank­furt. Doch er wies ei­ne Skan­da­li­sie­rung und Ver­glei­che mit der Ver­wick­lung Os­na­brü­cker Pro­fis in den Wettskan­dal 2009 en­er­gisch zu­rück: „Das wa­ren völ­lig an­de­re Di­men­sio­nen. Wir ha­ben im ak­tu­el­len Fall kei­nen Ma­ni­pu­la­ti­ons­skan­dal, son­dern wir ha­ben ei­nen sol­chen ab­ge­wen­det, in gu­ter Zu­sam­men­ar­beit mit dem DFB.“

Ne­ben dem DFB be­fasst sich auch die Staats­an­walt­schaft Os­na­brück mit den Ma­ni­pu­la­ti­ons­vor­wür­fen. „Auf­grund der bis­her be­kann­ten Aus­gangs­la­ge er­mit­teln wir ge­gen die drei Per­so­nen“, sag­te Staats­an­walt Chris­ti­an Ba­gung am Mon­tag. In­wie­weit die Spie­ler durch ihr Ver­hal­ten auch straf­recht­lich zur Ver­ant­wor­tung ge­zo­gen wer­den könn­ten, kön­ne noch nicht ab­schlie­ßend be­ur­teilt wer­den: „Wir ha­ben erst am Frei­tag ei­ne Mit­tei­lung von der Staats­an­walt­schaft Bochum be­kom­men.“Nach An­ga­ben von Ba­gung dürf­te die An­ge­le­gen­heit nicht in­ner­halb ei­ner Wo­che zu ent­schei­den sein, „auch wenn ei­ne be­son­de­re Ei­le ge­bo­ten ist“.

In­des hat ei­ne Mit­tei­lung der Spie­ler­ge­werk­schaft VdV ei­ne De­bat­te um die rich­ti­ge Prä­ven­ti­ons­ar­beit ge­gen Spiel­ma­ni­pu­la­ti­ons­ver­su­che in den Ver­ei­nen aus­ge­löst. Die VDV for­der­te am Mon­tag ver­pflich­ten­de Schu­lun­gen zur Prä­ven­ti­on von Spie­lund Wett­ma­ni­pu­la­ti­on für al­le Clubs im Pro­fi­fuß­ball. Der ak­tu­el­le Fall ei­nes Ma­ni­pu­la­ti­ons­ver­suchs sei auch des­halb ans Licht ge­kom­men, weil ein Wer­der-Spie­ler in ei­ner frei­wil­lig er­folg­ten VdVSchu­lung für das The­ma sen­si­bi­li­siert wor­den sei, hieß es sinn­ge­mäß in der Mit­tei­lung.

VdV-Ge­schäfts­füh­rer Ulf Ba­ra­now­sky be­stä­tig­te auf Nach­fra­ge, dass am Don­ners­tag „ein Füh­rungs­spie­ler der Bre­mer U 23“bei ihm um Hil­fe ge­be­ten ha­be. Dar­auf­hin ha­be er den Bre­mer an den neu­tra­len Om­buds­mann ver­wie­sen. Der VfL Os­na­brück ha­be für sei­ne Pro­fis schon län­ge­re Zeit kei­ne der an­ge­bo­te­nen frei­wil­li­gen und kos­ten­lo­sen Schu­lun­gen sei­ner In­sti­tu­ti­on mehr in An­spruch ge­nom­men. Ba­ra­now­sky be­ton­te aber auch, dass er kei­nes­falls den Ver­ein VfL Os­na­brück an die Wand stel­len wol­le.

Für den VfL er­klär­te der Lei­ter Pro­fi­fuß­ball, Lothar Gans, war­um man hier nicht mit der VDV zu­sam­men­ar­bei­te. „Wir sind ja ein ge­brann­tes Kind aus dem Wettskan­dal 2009. Des­halb ar­bei­ten wir seit­her in die­sem Be­reich mit dem Psy­cho­lo­gen Man­fred Glü­sen­kamp zu­sam­men. Er spricht re­gel­mä­ßig vor der ge­sam­ten Mann­schaft und da­zu ein­zeln mit je­dem Spie­ler – oh­ne dass je­mand sonst da­bei ist. Zu­dem kön­nen die Pro­fis ihn im­mer auf­su­chen, wenn sie ein Pro­blem ha­ben.“War­um man auf den Psy­cho­lo­gen als in­ter­ne Lö­sung und nicht auf ex­ter­ne Part­ner wie die VDV set­ze, er­klär­te Gans so: „Glü­sen­kamp ist im­mer vor Ort – nicht nur ein­mal im Jahr für ei­nen Vor­trag.“

Wei­te­re Hin­ter­grün­de le­sen Sie im In­ter­net auf noz.de.

Um größt­mög­li­che Trans­pa­renz be­müht: VfL-Ge­schäfts­füh­rer Jür­gen Weh­lend. Fo­to: Kem­me

Ba­ra­now­sky.

VDV-Ge­schäfts­füh­rer Ulf Fo­to: ima­go/Hoff.

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