U-Aus­schuss zum Fall Am­ri in Ber­lin

Lan­des­po­li­tik un­ter­sucht Be­hör­den­pan­nen vor und nach At­ten­tat

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite -

Nach den Ent­hül­lun­gen über Ak­ten­ma­ni­pu­la­tio­nen im Fall Am­ri soll sich ein Un­ter­su­chungs­aus­schuss des Ber­li­ner Ab­ge­ord­ne­ten­hau­ses mit der Af­fä­re be­fas­sen. Das be­schlos­sen ges­tern die Frak­tio­nen der rot-rot­grü­nen Ko­ali­ti­on.

Rund fünf Mo­na­te nach dem Ber­li­ner Ter­ror­an­schlag mit zwölf To­ten ha­ben sich die Re­gie­rungs­frak­tio­nen in der Haupt­stadt auf ei­nen Un­ter­su­chungs­aus­schuss ver­stän­digt. Er soll das mög­li­che Ver­sa­gen der Be­hör­den auf­klä­ren.

Wie die Frak­tio­nen von SPD, Lin­ken und Grü­nen im Ab­ge­ord­ne­ten­haus am Mon­tag mit­teil­ten, könn­te der Aus­schuss sei­ne Ar­beit nach dem 3. Ju­li be­gin­nen. Im Land­tag in Düs­sel­dorf be­fasst sich ein sol­ches Gre­mi­um be­reits seit drei Mo­na­ten mit der Fra­ge, wie es dem Tu­ne­si­er Anis Am­ri ge­lin­gen konn­te, den An­schlag auf den Weih­nachts­markt an der Ge­dächt­nis­kir­che zu ver­üben, ob­wohl er als is­la­mis­ti­scher Ge­fähr­der be­kannt war.

Bis der Ber­li­ner Un­ter­su­chungs­aus­schuss die Ar­beit auf­nimmt, wer­de der Son­der­er­mitt­ler des Se­nats, ExBun­des­an­walt Bru­no Jost, sei­nen Zwi­schen­be­richt zu Feh­lern im Um­gang mit Am­ri vor­le­gen, hieß es. Sei­ne Er­mitt­lun­gen hät­ten be­reits gra­vie­ren­de Ein­zel­feh­ler der Si­cher­heits­be­hör­den auf­ge­deckt. Der Aus­schuss soll­te auch struk­tu­rel­le Fra­gen im Zu­sam­men­spiel von Bund und Län­dern und der Si­cher­heits­ar­chi­tek­tur klä­ren.

In der ver­gan­ge­nen Wo­che wa­ren Ma­ni­pu­la­tio­nen bei der Ber­li­ner Kri­mi­nal­po­li­zei an den Er­mitt­lungs­ak­ten im Fall Am­ri be­kannt ge­wor­den. In ei­ner Son­der­sit­zung des In­nen­aus­schus­ses sprach In­nen­se­na­tor Andre­as Gei­sel (SPD) der Po­li­zei sein un­ge­bro­che­nes Ver­trau­en aus und wer­te­te die Ak­ten­ma­ni­pu­la­ti­on als in­di­vi­du­el­les Fehl­ver­hal­ten. „Die Si­cher­heit in Deutsch­land wird von Terroristen ge­fähr­det und nicht von Po­li­zis­ten.“Dies teil­te er in ei­nem of­fe­nen Brief den Ber­li­ner Po­li­zis­ten mit. Gei­sel wand­te sich ge­gen Vor­ver­ur­tei­lun­gen.

Ein Er­mitt­ler bei der Kri­mi­nal­po­li­zei hat­te Am­ri in ei­nem Ver­merk vom 1. No­vem­ber 2016 als ak­ti­ven und ge­werbs­mä­ßi­gen Dro­gen­händ­ler ein­ge­stuft. Das hät­te ein Grund für ei­nen Haft­be­fehl sein kön­nen. Wo­mög­lich hät­te da­durch der An­schlag ver­hin­dert wer­den kön­nen.

Mit­te Ja­nu­ar er­stell­te ein an­de­rer Po­li­zist ein neu­es Do­ku­ment mit ei­nem ge­kürz­ten und ver­än­der­ten Text – nach dem Am­ri nur „mög­li­cher­wei­se Kleinst­han­del“mit Dro­gen be­trie­ben ha­ben soll­te. Auch der Na­me ei­nes Ver­däch­ti­gen im Dro­gen­Um­feld von Am­ri fehl­te laut Jost nun. Die­ses Do­ku­ment wur­de auf den 1. No­vem­ber rück­da­tiert.

Be­kannt wur­de im Aus­schuss auch, dass in dem ab­ge­speck­ten Be­richt von ur­sprüng­lich 73 Pro­to­kol­len ab­ge­hör­ter Te­le­fo­na­te nur noch sechs ent­hal­ten wa­ren. Er­mit­telt wird ge­gen min­des­tens zwei Kri­po-Be­am­te we­gen Ur­kun­den­fäl­schung so­wie Ver­dachts auf Straf­ver­ei­te­lung im Amt.

In­nen­staats­se­kre­tär Tors­ten Ak­mann (SPD) kün­dig­te ei­ne Grup­pe von Son­der­er­mitt­lern zur Auf­klä­rung der Ak­ten­ma­ni­pu­la­ti­on an. 14 Be­am­te wer­den „je­den St­ein, je­des Blatt, je­de Da­tei“nach dem Vier-Au­gen-Prin­zip um­dre­hen, kün­dig­te er in der Sit­zung an.

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