Show­down in Brasilia

Te­mer in Bedrängnis – Rich­ter ent­schei­den über Er­mitt­lun­gen we­gen Kor­rup­ti­on

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - Mehr Be­rich­te auf noz.de/po­li­tik

Bra­si­li­en in Auf­ruhr: Omi­nö­se Mit­schnit­te, Schmier­geld­zah­lun­gen und mit­ten­drin ein Prä­si­dent, der sich ein Du­ell mit dem Boss des welt­größ­ten Fleisch­kon­zerns lie­fert. Die Ko­ali­tio­nä­re set­zen ein Ul­ti­ma­tum.

BRASILIA. Dem bra­si­lia­ni­schen Prä­si­den­ten Mi­chel Te­mer droht der Ver­lust sei­ner wich­tigs­ten Ko­ali­ti­ons­part­ner und da­mit wohl ein Bruch der Re­gie­rung. Grund ist Te­mers ver­mu­te­te Rol­le in ei­nem Kor­rup­ti­ons­skan­dal um den Fleisch­kon­zern JBS. Im gan­zen Land for­der­ten De­mons­tran­ten am Sonn­tag Te­mers Rück­tritt.

Nach Kri­sen­ge­sprä­chen wird der Mitt­woch zum wich­ti­gen Tag: Dann will das Plenum des Obers­ten Ge­richts­hofs über Te­mers An­trag ent­schei­den, die Strafer­mitt­lun­gen ge­gen ihn aus­zu­set­zen. Wenn die­se fort­ge­führt wer­den, droht ihm der Ver­lust un­ter an­de­rem des größ­ten Part­ners, der so­zi­al­de­mo­kra­ti­schen PSDB.

Der 76-jäh­ri­ge Kon­ser­va­ti­ve wehrt sich ve­he­ment ge­gen ei­nen Amts­ver­zicht. Er ließ er­klä­ren, ein Rück­tritt wä­re ein Schuld­ein­ge­ständ­nis, und sprach von ma­ni­pu­lier­ten Be­wei­sen. „Ich ma­che wei­ter an der Spit­ze die­ser Re­gie­rung“, be­kräf­tig­te Te­mer nach neu­en Ent­hül­lun­gen um Schmier­geld­zah­lun­gen in Brasilia.

Aber we­gen der Ver­wer­fun­gen liegt die Ar­beit im Kon­gress lahm. Die Fi­nanz­märk­te be­fürch­ten ein En­de des Re­form­pro­zes­ses – zu ei­nem Zeit­punkt, wo Bra­si­li­en lang­sam aus der tie­fen Re­zes­si­on her­aus­kommt. Im­mer noch sind 13,5 Mil­lio­nen Men­schen ar­beits­los. Meh­re­re Leit­me­di­en er­klär­ten Te­mer für mo­ra­lisch un­trag­bar als Staats­prä­si­dent.

Ge­ne­ral­staats­an­walt Ro­d­ri­go Ja­not er­mit­telt we­gen Be­hin­de­rung der Jus­tiz, Kor­rup­ti­on

und or­ga­ni­sier­ter Kri­mi­na­li­tät ge­gen den Prä­si­den­ten. Un­ter an­de­rem geht es um Schwei­ge­geld­ab­spra­chen: Sie soll­ten ver­hin­dern, dass der Ex-Par­la­ments­prä­si­dent Edu­ar­do Cun­ha, der be­reits im Ge­fäng­nis sitzt, sein Wis­sen über ein Kor­rup­ti­ons­netz­werk um den welt­weit größ­ten Fleisch­kon­zern JBS preis­gibt.

Vor ei­ni­gen Ta­gen wur­de dann be­kannt, dass Te­mer vom JBS-Kon­zern für sei­ne letz­te Wahl­kam­pa­gne 15 Mil­lio­nen Reais (4,2 Mio. Eu­ro) er­hal­ten und ei­ne Mil­li­on (280 000 Eu­ro) in die ei­ge­ne Ta­sche ge­steckt ha­ben soll. Au­ßer­dem gibt es Fo­tos, auf de­nen zu se­hen ist, wie ein Ver­trau­ter Te­mers von ei­nem JBS-Di­rek­tor ei­nen Geld­kof­fer mit an­geb­lich 146 000 Eu­ro ent­ge­gen­nimmt.

Te­mer griff am Wo­che­n­en­de den JBS-Be­sit­zer Joe­s­ley Ba­tis­ta an – er hat­te die Vor­wür­fe er­ho­ben, Mit­schnit­te der Ge­sprä­che mit Te­mer der Jus­tiz aus­ge­hän­digt und rund 65 Mil­lio­nen Eu­ro Stra­fe ge­zahlt. Tags dar­auf stürz­te der Leit­in­dex ab, der Re­al ver­lor mas­siv an Wert.

Te­mer wirft Ba­tis­ta nun vor, ei­nen Skan­dal kon­stru­iert zu ha­ben, um sich zu be­rei­chern. Er be­schul­dig­te ihn des kri­mi­nel­len In­si­der­han­dels. So ha­be JBS am Tag vor den Ver­öf­fent­li­chun­gen ei­ge­ne Ak­ti­en ver­kauft; die Pa­pie­re ver­lo­ren da­nach stark an Wert. „Er hat das per­fek­te Ver­bre­chen be­gan­gen“, sag­te Te­mer über Ba­tis­ta.

Bra­si­li­en droht wie­der das Cha­os:

Nein zum Prä­si­den­ten: Wie hier in São Pau­lo gin­gen am Wo­che­n­en­de im gan­zen Land De­mons­tran­ten ge­gen Mi­chel Te­mer auf die Stra­ße. Zu­rück­tre­ten will das bra­si­lia­ni­sche Staats­ober­haupt al­ler­dings – noch – nicht. Fo­to: ima­go/ZU­MA Press

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