Jus­tiz nimmt Ak­ten aus Mi­nis­te­ri­um mit

Ver­ga­be-Af­fä­re: Son­der­be­auf­trag­ter ein­ge­setzt

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Nordwest - Von Klaus Wie­sche­mey­er im In­ter­net un­ter noz.de/nie­der­sach­sen

In der Af­fä­re um Mau­sche­lei­en bei der Ver­ga­be von Auf­trä­gen hat die Staats­an­walt­schaft Han­no­ver am Mon­tag Ak­ten aus dem Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um mit­ge­nom­men. In ei­nem an­de­ren Mi­nis­te­ri­um sieht die Jus­tiz kei­nen Hand­lungs­be­darf.

Es war ei­ne ru­hi­ge Jus­tiz-Ak­ti­on am Mon­tag­vor­mit­tag in der Kar­marsch­stra­ße in Han­no­ver. Kei­ne mar­tia­li­schen SEKBe­am­ten, die film­reif zur Raz­zia ins Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um stürm­ten. Son­dern et­wa ein Dut­zend Er­mitt­ler, die recht un­auf­ge­regt Un­ter­la­gen sam­mel­ten. „Es ist al­les sehr ein­ver­nehm­lich ver­lau­fen“, sagt der han­no­ver­sche Ober­staats­an­walt Tho­mas Klin­ge. Sei­ne Be­hör­de er­mit­telt ge­gen frü­her füh­ren­de Mit­ar­bei­ter des Mi­nis­te­ri­ums: Noch-Staats­se­kre­tä­rin Da­nie­la Beh­rens und der frü­he­re Spre­cher von Mi­nis­ter Olaf Lies sol­len be­stimm­te An­bie­ter bei der Ver­ga­be öf­fent­li­cher Auf­trä­ge be­vor­zugt ha­ben. Wett­be­werbs­be­schrän­ken­de Ab­spra­chen sind il­le­gal, selbst wenn kei­ne Be­stech­lich­keit im Spiel ist. Lies hat­te die Ent­las­sung von Beh­rens an­ge­kün­digt.

Noch mehr Fäl­le?

Schon jetzt sind Ver­ga­ben im Wert von Hun­dert­tau­sen­den Eu­ro zwei­fel­haft. Doch so­wohl Mi­nis­te­ri­um als auch Op­po­si­ti­on ge­hen da­von aus, dass noch mehr ans Licht kom­men könn­te. So hat das Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um ei­nen in­ter­nen Son­der­er­mitt­ler ein­ge­setzt. Er soll die kom­plet­te „Sie­ben-Städ­teTour“aus dem Jahr 2015 über­prü­fen. Bei der Wer­be­tour für Elek­tro­mo­bi­li­tät wa­ren Un­re­gel­mä­ßig­kei­ten auf­ge­fal­len.

Auch bei der Neu­ge­stal­tung der In­ter­net­sei­te nds.de, die die Af­fä­re aus­ge­löst hat, gibt es neue Fra­gen. So hat­te Mi­nis­ter Lies am 12. Mai den ho­hen Preis von knapp 200 000 Eu­ro noch mit gu­ten Zu­griffs­zah­len der Sei­te er­klärt. Die könn­ten aber auch da­ran lie­gen, dass die be­auf­trag­te Agen­tur bei Goog­le für knapp 60 000 Eu­ro Lan­des­geld Wer­be­platz ge­kauft hat­te. Bei ei­ner ers­ten Un­ter­rich­tung des Land­tags vor an­dert­halb Wo­chen sei da­von noch kei­ne Re­de ge­we­sen, klagt der FDP-Ab­ge­ord­ne­te Jörg Bode. Er füh­le sich ver­äp­pelt. Der CDUPar­la­men­ta­ri­er Uwe Schü­ne­mann be­grüß­te die Raz­zia: Die Au­f­ar­bei­tung des „Ver­ga­be-Skan­dals ist dort an­ge­kom­men, wo sie hin­ge­hört: bei den nie­der­säch­si­schen Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den“, sag­te er.

Die Straf­ver­fol­ger hat­ten am Mon­tag aber auch gu­te Nach­rich­ten für die Lan­des­re­gie­rung pa­rat: Die Staats­an­walt­schaft hält die Wei­ter­ga­be von Ge­heim­in­for­ma­tio­nen durch den In­nen­mi­nis­te­ri­ums-Staats­se­kre­tär Ste­phan Man­ke für rech­tens. Man­ke hat­te dem Lan­des­kri­mi­nal­amt 2015 In­for­ma­tio­nen ei­nes aus­län­di­schen Ge­heim­diens­tes über den is­la­mis­ti­schen IS-An­wer­ber Yas­si­ne O. in Wolfs­burg zu­kom­men las­sen. Die­se In­for­ma­tio­nen wa­ren un­ter der Maß­ga­be, sie nicht wei­ter­zu­ge­ben, über den Bun­des- an den nie­der­säch­si­schen Ver­fas­sungs­schutz ge­lei­tet wor­den. Dies sieht die Staats­an­walt­schaft nicht als Ge­heim­nis­ver­rat an. Viel­mehr han­delt es sich laut Klin­ge um ei­ne „sach­ge­mä­ße Mit­tei­lung“in­ner­halb ei­ner Be­hör­de.

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