Ex-Part­ne­rin mit Au­to weg­ge­schleift: An­ge­klag­ter ge­steht

Pro­zess um Ge­walt­ex­zess in Ha­meln be­ginnt – Op­fer: Frau­en müs­sen für ihn Skla­vin­nen sein

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Nordwest -

Was geht in ei­nem Men­schen vor, der sei­ne Ex-Part­ne­rin mit Mes­ser­sti­chen und Ax­t­hie­ben ver­sucht zu tö­ten und sie da­nach mit ei­nem Seil um den Hals hin­ter sei­nem Au­to her schleift? Der bei­spiel­lo­se Ge­walt­ex­zess in Ha­meln im No­vem­ber hat Ent­set­zen aus­ge­löst. Seit Mon­tag steht des­halb ein 39-Jäh­ri­ger we­gen ver­such­ten Mor­des vor dem Land­ge­richt Han­no­ver.

Der An­ge­klag­te legt zum Pro­zess­auf­takt ein Ge­ständ­nis ab. Ihm tue un­end­lich leid, was er der Frau und dem ge­mein­sa­men Sohn an­ge­tan ha­be, lässt der Mann über sei­nen Ver­tei­di­ger er­klä­ren. Der da­mals fast Drei­jäh­ri­ge saß im Au­to und er­leb­te mit, wie der Va­ter die Mut­ter quäl­te.

Die Tat sei nicht ge­plant ge­we­sen, be­teu­ert der An­ge­klag­te. Sei­le und Axt ha­be er we­gen Gar­ten­ar­bei­ten im Au­to ge­habt. Er sei im Streit um Un­ter­halts­pfän­dun­gen aus­ge­ras­tet und ha­be nur noch Hass emp­fun­den. Ei­gent­lich ha­be er sich selbst um­brin­gen wol­len. Nach Über­zeu­gung der Staats­an­walt­schaft han­del­te es sich da­ge­gen um ei­ne ge­plan­te Tat. Schon ei­nen Mo­nat vor­her soll der Mann sei­ner ExPart­ne­rin ge­droht ha­ben.

Zum Pro­zess­auf­takt wird das Op­fer ver­nom­men. Wie ihr frü­he­rer Le­bens­ge­fähr­te hat sie kur­di­sche Wur­zeln. Die 28-Jäh­ri­ge trägt ein Kopf­tuch, weil sie die Stel­len am Kopf, an de­nen kei­ne Haa­re mehr wach­sen, nicht zei­gen möch­te. An den Tat­tag kann sie sich nicht er­in­nern, auch sonst hat sie Er­in­ne­rungs­lü­cken. Die jun­ge Frau lag ta­ge­lang im künst­li­chen Ko­ma und wur­de erst im März aus ei­ner Re­ha­bi­li­ta­ti­ons­kli­nik ent­las­sen.

Vor der Hei­rat nach is­la­mi­schem Recht ha­be er ihr ver­spro­chen, ihr die Welt zu Fü­ßen zu le­gen, be­rich­tet sie. „Ich dach­te mir, er ist ein ver­nünf­ti­ger Mensch. So­bald wir ver­hei­ra­tet wa­ren, fing der Hor­ror an.“Im Dorf Eim­beck­hau­sen ha­be er sie an­ge­spuckt, be­lei­digt und ge­schla­gen, sie durf­te kein Han­dy ha­ben und kei­ne Ver­wand­ten be­su­chen. „Ich bin kein Skla­ve“, ha­be sie ihm ge­sagt. 2014 floh sie mit dem Ba­by zu ih­rer Mut­ter. Es ent­brann­te ein Streit um Un­ter­halt, um zur Hoch­zeit ge­schenk­ten Gold­schmuck so­wie um das Sor­ge­recht für den Sohn.

Die 28-Jäh­ri­ge sagt: „Frau­en müs­sen für ihn Skla­vin­nen sein. Frau­en, die rau­chen, sind Hu­ren.“Er sei ver­rückt, ein Lüg­ner. Schon im Au­gust ha­be er ihr ge­droht, „dei­ne Ta­ge sind ge­zählt“. Das Gan­ze kam vor Ge­richt, bei­de durf­ten sich nur noch bis auf 20 Me­ter nä­hern – au­ßer zur Über­ga­be des Jun­gen, der je­des zwei­te Wo­che­n­en­de sei­nen Va­ter se­hen durf­te.

Als der Mann am 20. No­vem­ber 2016 den Zwei­jäh­ri­gen zu­rück­brach­te, kam es auf der Stra­ße zu der Ge­walt­es­ka­la­ti­on. Zwei An­woh­ne­rin­nen hör­ten Hil­fe­schreie und alar­mier­ten die Po­li­zei.

Die blu­ten­de Frau auf dem Bo­den ha­be nur noch ge­wim­mert, da ha­be er das Seil aus dem Kof­fer­raum ge­holt, um ih­ren Hals ge­kno­tet und das an­de­re En­de an der An­hän­ger­kupp­lung be­fes­tigt. Der Mann ha­be den Wa­gen ge­star­tet und sei schnell los­ge­fah­ren. Gut 200 Me­ter wei­ter lös­te sich das Seil nach ei­ner Kur­ve, und die Frau wur­de vor ei­nen Imbiss ge­schleu­dert. Zwei Män­ner leis­te­ten Ers­te Hil­fe.

Wäh­rend der ge­sam­ten Zeu­gen­aus­sa­gen ver­zieht der An­ge­klag­te kei­ne Mie­ne. Nur als sei­ne Ex-Frau sagt, er lie­be sei­nen Sohn nicht, schüt­telt er leicht den Kopf. Der Drei­jäh­ri­ge lei­det nach Aus­sa­ge der Mut­ter mas­siv un­ter den Fol­gen.

Dem 39-Jäh­ri­gen wird Mord­ver­such vor­ge­wor­fen. Fo­to: dpa

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