Die Kräu­ter­haupt­stadt Deutsch­lands

Die Gar­ten­bau­zen­tra­le in Pa­pen­burg ver­mark­tet jähr­lich 90 Mil­lio­nen Töp­fe

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Wirtschaft - Von Da­ni­el Gon­za­lez-Tep­per

Mehr als 90 Mil­lio­nen Kräu­ter­töp­fe wer­den jähr­lich in den Ge­wächs­häu­sern in Pa­pen­burg ge­züch­tet und über die Gar­ten­bau­zen­tra­le (GBZ) ver­trie­ben. Ei­ne aus­ge­feil­te Lo­gis­tik sorgt da­für, dass die Kräu­ter im Re­gel­fall in­ner­halb von 24 St­un­den vom Gärt­ner im Su­per­markt oder in ei­ner Groß­kü­che lan­den.

PA­PEN­BURG. So gut wie al­le gro­ßen Dis­coun­ter und Su­per­markt­ket­ten in Deutsch­land ge­hö­ren zu den Kun­den der GBZ. Dort wer­den sie im Re­gel­fall un­ter den je­wei­li­gen Ei­gen­mar­ken der Ket­ten ver­trie­ben, die GBZ und da­mit die Stadt Pa­pen­burg ist aber in den al­ler­meis­ten Fäl­len im Klein­ge­druck­ten der Ver­pa­ckung ver­tre­ten.

In den 1990er-Jah­ren hat sich die Ab­satz- und Ein­kaufs­ge­nos­sen­schaft, der ak­tu­ell 44 Gar­ten­bau­be­trie­be mit et­wa 80 Hekt­ar Ge­wächs­h­aus­flä­che an­ge­schlos­sen sind, da­für ent­schie­den, fast völ­lig auf Ba­si­li­kum, Pe­ter­si­lie, Schnitt­lauch und Co. zu set­zen. Und da­mit ge­gen Blu­men und Ge­mü­se­sor­ten wie To­ma­ten, Gur­ken oder Pa­pri­ka, de­ren Märk­te schon da­mals von Über­ka­pa­zi­tä­ten und Preis­ver­fall ge­kenn­zeich­net wa­ren.

Ei­ne Ent­schei­dung, die die GBZ de­fi­ni­tiv nicht be­reut hat, wie die Zah­len ein­drucks­voll be­le­gen. Setz­te die GBZ 1997 rund 40 Mil­lio­nen Eu­ro um und ver­trieb 25 Mil­lio­nen Kräu­ter­töp­fe, wa­ren es zehn Jah­re spä­ter be­reits 80 Mil­lio­nen und 50 Mil­lio­nen Kräu­ter­pflan­zen. 2016 be­trug der Um­satz 125 Mil­lio­nen Eu­ro, erst­mals wur­den mehr als 90 Mil­lio­nen Kräu­ter­töp­fe ab­ge­setzt. Mit mehr als 60 Pro­zent An­teil liegt Ba­si­li­kum in der Gunst der Kun­den klar vor­ne, et­wa 30 Pro­zent ma­chen Pe­ter­si­lie und Schnitt­lauch aus, nur in klei­ne­ren Men­gen wer­den an­de­re Kü­chen- und Stau­den­kräu­ter wie Ore­ga­no,

Dill, Ros­ma­rin oder Thy­mi­an an­ge­baut und ver­trie­ben.

Aus­schlag­ge­bend für den Er­folg wa­ren und sind, be­rich­tet Ver­triebs­lei­ter Andre­as Brin­ker, das Rund­um-Pa­ket, das die GBZ den Ab­neh­mern bie­tet. „Wir küm­mern uns von der Wa­re über Ver­pa­ckung und das De­sign bis zur Lie­fe­rung um al­les“, er­klärt Brin­ker. So­gar die Lie­fe­rung in Ver­kaufs­re­ga­len ist mög­lich. Ein- bis zwei­mal im Jahr führt er Pla­nungs­ge­sprä­che mit Groß­ab­neh­mern, dann wird über Men­gen, Ak­ti­ons­zeit­räu­me, Ver­pa­ckun­gen und na­tür­lich Prei­se ge­spro­chen.

Nach­be­stel­lun­gen sind nur in klei­ne­ren Men­gen mög­lich, schließ­lich be­nö­ti­gen die Gärt­ner (je nach Kräu­ter­sor­te) zwi­schen ei­nem hal­ben und ei­nem Jahr wie beim Schnitt­lauch, um in grö­ße­ren Men­gen pro­du­zie­ren zu kön­nen.

Da­mit mög­lichst fri­sche Wa­re in den Ver­kaufs­re­ga­len steht, ge­lan­gen fast al­le Kräu­ter­töp­fe in­ner­halb von 24 St­un­den vom Ge­wächs­haus in den Ver­kaufs­tre­sen. In den Vor­mit­tags- und Mit­tags­stun­den wird bei den Gärt­ne­rei­en die be­nö­tig­te Men­ge bis auf den Kar­ton ge­nau ver­packt,

am Nach­mit­tag holt ein Lkw der GBZ die Wa­re ab und bringt sie ins Lo­gis­tik­zen­trum an der Schul­ze-De­litzsch-Stra­ße, wo sie kom­mis­sio­niert wird und noch am Abend Pa­pen­burg in Rich­tung Lo­gis­tik­dreh­schei­ben der Dis­coun­ter und Su­per­märk­te ver­lässt. Auch dort wer­den sie nicht lan­ge ge­la­gert, son­dern in den meis­ten Fäl­len noch am frü­hen Mor­gen in die Fi­lia­len ge­lie­fert. 90 Pro­zent der Kräu­ter lan­den in deut­schen Su­per­märk­ten oder der Gas­tro­no­mie, zehn Pro­zent im an­gren­zen­den eu­ro­päi­schen Aus­land. Trans­por­te über mehr als 48 St­un­den wür­den die emp­find­li­chen Ge­wäch­se auch gar nicht über­ste­hen. Auch des­halb wer­den sie in den An­bau­hoch­bur­gen in Spa­ni­en oder Ita­li­en nur in klei­ne­ren Men­gen an­ge­baut.

Dass zum Über­le­ben im­mer grö­ße­re Ge­wächs­h­aus­flä­chen, neue Tech­nik und ei­ne op­ti­ma­le Or­ga­ni­sa­ti­on not­wen­dig sind, be­weist das Bei­spiel Alex­an­der Schulz. Auf in­zwi­schen drei Hekt­ar und mit et­wa 30 An­ge­stell­ten pro­du­ziert er am Split­ting in Pa­pen­burg jähr­lich et­wa sie­ben Mil­lio­nen Kräu­ter­töp­fe. „40 Pro­zent da­von in Bi­o­qua­li­tät“, be­tont der 43-Jäh­ri­ge. Ei­ne Er­wei­te­rung der Ge­wächs­häu­ser um ei­nen Hekt­ar steht kurz be­vor. Dort wird er aber To­ma­ten an­bau­en und will da­mit vom Trend zur Re­gio­na­li­tät im Han­del pro­fi­tie­ren.

Wei­te­re Be­rich­te rund ums The­ma Gar­ten­bau auf noz.de/qu­er­beet

Fo­tos: Da­ni­el Gon­za­lez-Tep­per

Ist ei­ner von 44 Gärt­nern, die in und um Pa­pen­burg für den An­bau der Kräu­ter zu­stän­dig sind: Alex­an­der Schulz. Sein Be­trieb am Split­ting in Pa­pen­burg pro­du­ziert jähr­lich rund sie­ben Mil­lio­nen Kräu­ter­töp­fe.

Dut­zend­fach sind die Last­wa­gen der Gar­ten­bau­zen­tra­le täg­lich in ganz Deutsch­land un­ter­wegs, um die Kräu­ter aus­zu­lie­fern.

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