Stall statt Bü­ro: Jung­bäue­rin wag­te den be­ruf­li­chen Neu­start

Ha­re­ne­rin Sa­rah Möl­ler gab Job als Bü­ro­kauf­frau auf und ging zu­rück auf den Hof – Frau­en in Be­rufs­schu­le noch in der Min­der­heit

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Wirtschaft - Auf noz.de/agrar

Von Chris­toph Schil­ling­mann

„Wie, du bist Land­wir­tin?“Die­sen Satz be­kommt Sa­rah Möl­ler aus dem ems­län­di­schen Haren des Öf­te­ren zu hö­ren. Die 24-jäh­ri­ge Jung­bäue­rin hat ei­nen be­ruf­li­chen Neu­start ge­wagt.

Als Jüngs­te wuchs Sa­rah Möl­ler auf dem Bau­ern­hof ih­rer El­tern Hans und Ma­ri­an­ne auf. Sie hal­ten et­wa 500 Sau­en und bau­en Kar­tof­feln an. Ih­re drei äl­te­ren Schwes­tern Stefanie, Bet­ti­na und Andrea „ha­ben nichts mit Land­wirt­schaft am Hut“, wie Sa­rah Möl­ler selbst sagt. Auch sie hat­te sich zu­nächst ge­gen die Land­wirt­schaft ent­schie­den, ei­ne Aus­bil­dung zur Bü­ro­kauf­frau be­gon­nen und drei Jah­re in dem Be­ruf ge­ar­bei­tet.

Ir­gend­wann ha­be sie die Mo­no­to­nie im Bü­ro­all­tag ge­stört. „Ich wuss­te ge­nau, was ich mon­tags, diens­tags oder frei­tags zu tun hat­te.“Auf ei­nem Hof zu ar­bei­ten sei ab­wechs­lungs­rei­cher, auch wenn sich Ar­beits­ab­läu­fe wie­der­hol­ten. Schließ­lich hat sie im Jahr 2014 die Aus­bil­dung zur Land­wir­tin be­gon­nen – auf dem Hof ih­rer Fa­mi­lie.

Ge­ra­de in der Be­rufs­schu­le wur­de ei­ner der gro­ßen Un­ter­schie­de zu ih­rem vor­he­ri­gen Job deut­lich: Bei ih­rer Aus­bil­dung für den Bü­ro­job sei sie noch ei­ne von vie­len Frau­en ge­we­sen. Jetzt, als an­ge­hen­de Land­wirt­schafts­meis­te­rin, se­he das ganz an­ders aus. „Ich war im ers­ten Jahr das ein­zi­ge Mäd­chen weit und breit“, sagt sie. „Aber ich bin gut klar­ge­kom­men, und die Jungs ha­ben mich gut auf­ge­nom­men. Und es gab kei­nen Zi­cken­krieg“, scherzt die Ems­län­de­rin.

Tat­säch­lich ist es so, dass sich über­wie­gend Män­ner für ei­ne Aus­bil­dung in der Bran­che Land­wirt­schaft ent­schei­den. Nach An­ga­ben der nie­der­säch­si­schen Land­wirt­schafts­kam­mer gab es 2011 gut 1700 Aus­zu­bil­den­de im Be­ruf Land­wirt. Da­von sei­en nur zehn Pro­zent Frau­en ge­we­sen.

„Laut un­se­ren Aus­bil­dungs­zah­len für Nie­der­sach­sen er­grei­fen im­mer mehr jun­ge Frau­en den Be­ruf der Land­wir­tin“, teil­te die Land­wirt­schafts­kam­mer Nie­der­sach­sen auf An­fra­ge mit. 2015 sei nicht nur die An­zahl der Aus­zu­bil­den­den ins­ge­samt ge­stie­gen, son­dern auch der An­teil der Frau­en auf 13,5 Pro­zent.

Da­zu zählt eben auch Sa­rah Möl­ler. Ei­ner der wich­ti­gen Grün­de, aus de­nen die 24-Jäh­ri­ge den be­ruf­li­chen Neu­start ge­macht hat, sind auch die Tie­re. Denn Möl­ler liebt es, mit den Vier­bei­nern zu ar­bei­ten. Be­son­ders viel Spaß be­rei­tet ihr die Ge­bur­ten­über­wa­chung und -kon­trol­le bei den Fer­keln. „Wenn vie­le ge­sun­de Fer­kel zur Welt kom­men, dann freue ich mich“, sagt sie.

Der Fer­kel­stall ist auch der Ort, an dem ih­re Ar­beit früh mor­gens be­ginnt. Bis in den Abend hin­ein ist sie auf dem Hof oder auf dem Feld un­ter­wegs – und das sie­ben Ta­ge in der Wo­che.

Des­halb ist für die jun­ge Frau das biss­chen freie Zeit kost­bar. „In mei­ner Frei­zeit ge­he ich mit un­se­ren Hun­den in die Hun­de­schu­le. Auch den Kar­ne­val zäh­le ich zu mei­nen Hob­bys, auch wenn es nur ein­mal im Jahr ist“, sagt sie. „Für mehr ha­be ich lei­der kei­ne Zeit.“In ih­rem vor­he­ri­gen Be­rufs­le­ben als Bü­ro­kauf­frau war das wohl an­ders. Für ei­ne be­stimm­te Sa­che möch­te sich die Jun­g­land­wir­tin aber den­noch die nö­ti­ge Zeit frei­schau­feln. Es geht um Tie­re: „Ich will auf ei­ner Wie­se Al­pa­kas hal­ten. Das soll dann mein Hob­by wer­den.“

Se­rie zum Nach­le­sen

Frü­her Bü­ro­kauf­frau, heute an­ge­hen­de Land­wirt­schafts­meis­te­rin: Sa­rah Möl­ler im Stall im ems­län­di­schen Haren. Fo­to: Chris­toph Schil­ling­mann

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