Weit oben und doch erst am An­fang

Zverev rauscht in die Top Ten – Be­cker: Vie­le wei­te­re Ti­tel wer­den fol­gen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport -

Bo­ris Be­cker gra­tu­lier­te so­fort und pro­gnos­ti­zier­te „vie­le wei­te­re Ti­tel“für Alex­an­der Zverev. Als ers­ter Deut­scher seit Tom­my Haas steht der 20 Jah­re al­te Ham­bur­ger in den Top Ten der Ten­nis-Welt. Für die ATP könn­ten die jüngs­ten Er­fol­ge zu ei­nem klei­nen Pro­blem wer­den.

Von Lars Rei­ne­feld

ROM. Im Mo­ment sei­nes bis­lang größ­ten Tri­um­phes be­sann sich Deutsch­lands neu­er Ten­nis­star auf sei­ne Wur­zeln. Fast schon ein biss­chen schüch­tern po­sier­te Alex­an­der Zverev nach sei­nem Sen­sa­ti­ons­sieg ge­gen No­vak Djo­ko­vic im Fi­na­le des Mas­ters-Tur­niers von Rom mit sei­nen El­tern Ire­na und Alex­an­der für ein Er­in­ne­rungs­fo­to. Auf dem Platz im im­po­san­ten Fo­ro Ita­li­co hat­te Zverev zu­vor da­ge­gen je­de Zu­rück­hal­tung ab­ge­legt und Djo­ko­vic kei­ne Chan­ce ge­las­sen. Der Lohn: Als ers­ter Deut­scher seit Tom­my Haas vor zehn Jah­ren ge­hört der 20 Jah­re al­te Ham­bur­ger zu den Top Ten.

Doch das soll nur der An­fang ge­we­sen sein. Ten­nis­Le­gen­de Bo­ris Be­cker, bis En­de des ver­gan­ge­nen Jah­res noch Trai­ner von Djo­ko­vic, gra­tu­lier­te Zverev um­ge­hend zu sei­nem ers­ten gro­ßen Coup und pro­gnos­ti­zier­te: „Vie­le wei­te­re Ti­tel wer­den fol­gen.“

Schon bei den am Sonn­tag be­gin­nen­den French Open? Mit sei­nen Sie­gen bei den Tur­nie­ren in Mün­chen und Rom hat sich Zverev zu­min­dest in die Rol­le des Ge­heim­fa­vo­ri­ten ge­spielt. Zu­mal der Melbourne-Cham­pi­on Ro­ger Fe­de­rer pau­siert, der Welt­rang­lis­ten-Ers­te An­dy Mur­ray in der Kri­se steckt, Djo­ko­vic erst in Rom bis zum Fi­na­le wie­der al­te Form be­wies und Sand­platz-Do­mi­na­tor Ra­fa­el Na­dal im­mer wie­der von sei­nem Kör­per ge­stoppt wird.

„Ich den­ke, das war heute ei­nes der bes­ten Mat­ches, die ich je ge­spielt ha­be“, sag­te Zverev am Sonn­tag nach sei­nem im­po­san­ten 6:4, 6:3-Er­folg. Die nächs­ten Ta­ge will er zur Re­ge­ne­ra­ti­on nut­zen, dann geht es nach Pa­ris, wo am Sonn­tag das zwei­te Grand-Slam-Tur­nier der Sai­son be­ginnt. Im ver­gan­ge­nen Jahr war für den Da­vis-CupPro­fi in der fran­zö­si­schen

Haupt­stadt be­reits in der drit­ten Run­de ge­gen den Ös­ter­rei­cher Do­mi­nic Thiem Schluss.

Über­haupt ist Zverev bis­lang bei den vier gro­ßen Ma­jor-Events noch nie groß in Er­schei­nung ge­tre­ten. Wenn es in Melbourne, Pa­ris, Wim­ble­don oder New York rich­tig ernst wur­de, war Zverev im­mer schon wie­der zu Hau­se. „Die Grand-Slam-Er­fol­ge wa­ren bei Alex bis­lang über­schau­bar. Der nächs­te Schritt wä­re al­so, dass er mal in die zwei­te Wo­che kommt“, hat­te Be­cker zu Be­ginn des Jah­res ge­for­dert.

Der drei­ma­li­ge Wim­ble­don­sie­ger sieht sich ein biss­chen als Men­tor des 1,98 Me­ter gro­ßen Schlak­ses. Selbst ei­ne of­fi­zi­el­le Funk­ti­on im Team von Zverev hat Be­cker für die Zu­kunft nicht aus­ge­schlos­sen. Er er­kennt sich in Deutsch­lands neu­em Ten­nis-Star ein biss­chen wie­der. Auch Zverev ist sehr im­pul­siv und lebt sei­ne Emo­tio­nen auf dem Platz aus – wie einst Be­cker. „Wenn ich das nicht mehr ma­che, kann ich bes­ser auf­hö­ren“, sag­te Zverev. Hin und wie­der steht er sich mit die­ser Art noch selbst im

Weg, wie zu­letzt in Ma­drid, als er ge­gen Pa­blo Cue­vas im Vier­tel­fi­na­le die Par­tie noch aus der Hand gab.

Der Män­ner-Or­ga­ni­sa­ti­on ATP kommt der ko­me­ten­haf­te Auf­stieg von Zverev ge­ra­de recht. Sie ist seit ei­ni­ger Zeit da­bei, die Ge­ne­ra­ti­on um den Ham­bur­ger zu pus­hen, um neue Ge­sich­ter für die Zeit nach Fe­de­rer, Na­dal, Djo­ko­vic und Mur­ray zu ent­wi­ckeln. Erst­mals rich­tet sie in die­sem Jahr des­halb ei­ne Art Mi­ni-WM für die Youngs­ter auf der Tour aus. Next Gen ATP Fi­nals heißt die Ver­an­stal­tung in Mai­land, für die Zverev als Zug­pferd fest ein­ge­plant ist.

Al­ler­dings könn­ten die jüngs­ten Er­fol­ge zum Pro­blem wer­den. Denn in der Rang­lis­te mit den Er­geb­nis­sen die­ses Jah­res be­legt Zverev seit Mon­tag Platz vier – und wä­re da­mit für die ATP World Tour Fi­nals der bes­ten acht Spie­ler der Sai­son in Lon­don qua­li­fi­ziert.

Spin­nen­biss in Wa­shing­ton: Alex­an­der Zverev be­rich­tet auf noz.de über sei­ne Ju­gend und Ho­tel­bet­ten.

Hö­he­punkt ei­ner noch jun­gen Kar­rie­re: Alex­an­der Zverev ge­winnt in Rom sein ers­tes Mas­ters. Fo­to: dpa

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.