Ei­ne Brief­mar­ke für „Kö­nig Hen­rik“

Tor­hü­ter Lund­qvist hält Schwe­den im Pen­al­ty­schie­ßen den WM-Ti­tel fest – Ent­täusch­te Ka­na­di­er

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport -

Na­tür­lich war es „Kö­nig Hen­rik“selbst, der mit dem WM-Po­kal das Eis in Köln ver­las­sen durf­te. Vol­ler Stolz trug der über­ra­gen­de schwe­di­sche Tor­hü­ter Hen­rik Lund­qvist die Tro­phäe weit nach Mit­ter­nacht und lan­ge nach sei­nen Team­ka­me­ra­den in die Ka­bi­ne, wo die Tre Kro­nors die zehn­te Welt­meis­ter­par­ty star­te­ten. Der von den Fans sei­nes NHL-Teams New York Ran­gers lie­be­voll „King Hen­rik“ge­tauf­te 35-Jäh­ri­ge ent­thron­te die im Eis­ho­ckey bis da­hin qua­si al­lein herr­schen­den Ka­na­di­er fast im Al­lein­gang.

„Gebt ihm sei­ne ei­ge­ne Brief­mar­ke. Er hat Schwe­den Gold ge­ret­tet“, schrieb die schwe­di­sche Zei­tung „Af­ton­bla­det“über den 2:1-Sieg nach Pen­al­ty­schie­ßen. Für „Da­gens Ny­he­ter“war es der „be­ein­dru­ckends­te“al­ler zehn WM-Ti­tel bis­her: „Schwe­dens bes­ter Tor­hü­ter der Ge­schich­te kam, um Gold zu ge­win­nen. Das hat er ge­schafft.“

Für Lund­qvist war der Sieg ge­gen Ka­na­da, das zu­letzt zwei­mal hin­ter­ein­an­der Welt­meis­ter und mit noch stär­ke­ren Teams 2010 und 2014 Olym­pia­sie­ger ge­wor­den war, fast et­was Per­sön­li­ches. „Ich ha­be selbst bei zwei Welt­meis­ter­schaf­ten und den Olym­pi­schen Spie­len ge­gen Ka­na­da ver­lo­ren. Es war ein­fach an der Zeit jetzt“, sag­te Lund­qvist.

2006 hat­te der Kult-Kee­per aus New York sein Land zum Olym­pia­sieg ge­führt, in den WM-End­spie­len 2003 und 2004 aber bit­te­re Fi­nal­plei­ten ge­gen Ka­na­da er­lebt. Da die nord­ame­ri­ka­ni­sche Pro­fi­li­ga NHL an­ge­kün­digt hat­te, 2018 nicht für Olym­pia pau­sie­ren zu wol­len, ent­schied sich Lund­qvist nach dem Play­off-Aus sei­ner Ran­gers in der vor­letz­ten Wo­che, zur WM nach­zu­rei­sen. „Als ich in New York auf­ge­bro­chen bin, ha­be ich mir ge­nau das er­träumt: Mit mei­nem Bru­der hier den Po­kal in den Händen zu hal­ten“, sag­te Lund­qvist, der erst­mals seit 2003 wie­der ge­mein­sam mit sei­nem Zwil­lings­bru­der, dem schwe­di­schen WM-Ka­pi­tän Jo­el Lund­qvist, auf­lau­fen konn­te.

„Das ist für uns bei­de ein wirk­lich emo­tio­na­ler Mo­ment. Ich bin su­per­stolz“, ju­bel­te „King Hen­rik“, des­sen Nach­no­mi­nie­rung wohl das ent­schei­den­de Puz­zle-Teil zum ers­ten schwe­di­schen WM-Ti­tel seit 2013 war. „Er ist na­tür­lich ei­ner der bes­ten Go­alies der Welt. Das hat man heute wie­der ge­se­hen“, sag­te der Welt­meis­ter-Coach Ri­kard Grön­borg. „Sein Kom­men hat der ge­sam­ten De­fen­si­ve noch ein­mal ei­nen Schub ge­ge­ben. Aber auch in der Ka­bi­ne ist er sehr wich­tig. Es hört ein­fach je­der ge­nau zu, wenn er et­was sagt.“

Im span­nen­den, aber erst in der tor­lo­sen Ver­län­ge­rung hoch­klas­si­gen WM-End­spiel von Köln vor 17 363 Zu­schau­ern brach­te Lund­qvist die ka­na­di­schen Welt­klas­se-Stür­mer rei­hen­wei­se zur Ver­zweif­lung. Im Pen­al­ty­schie­ßen schei­ter­ten al­le Geg­ner Lund­qvists, auch Su­per-Stür­mer Na­te MacKin­non aus Co­lo­ra­do. Für das zu­letzt welt­weit klar do­mi­nie­ren­de Eis­ho­ckey-Mut­ter­land war die Nie­der­la­ge ei­ne Schmach, wie Ka­na­das Top-Sco­rer MacKin­non zu­gab: „Ich bin si­cher­lich nicht hier­her­ge­kom­men, um Zwei­ter zu wer­den.“

Ka­na­da bleibt zwar Welt­rang­lis­ten-Ers­ter, nach An­zahl der WM-Ti­tel mit 26 aber wei­ter hin­ter dem Erz­ri­va­len und Re­kord-Welt­meis­ter Russ­land (27). Schwe­den sprang auf Rang drei hin­ter dem WM-Drit­ten Russ­land. Deutsch­land be­en­de­te die Heim-WM nach dem Vier­tel­fi­nal-Aus ge­gen Vi­ze­welt­meis­ter Ka­na­da als Ach­ter.

Über­ra­gen­der Go­a­lie: der schwe­di­sche NHL-Pro­fi Hen­rik Lund­qvist. Fo­to: Wit­ters

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.