Trumps Ab­schot­tung sch­reckt ab

Un­ter­neh­men aus Os­na­brü­cker Re­gi­on se­hen lang­fris­tig aber gu­te Chan­cen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück -

Die Ab­schot­tungs­po­li­tik von US-Prä­si­dent Do­nald Trump be­hin­dert zu­neh­mend die Ein­rei­se von Mit­ar­bei­tern deut­scher Un­ter­neh­men in die USA. Fir­men wie der Os­na­brü­cker Lo­gis­ti­ker Nos­ta und der Ma­schi­nen­bau­er Plas­ma­t­re­at bei Bie­le­feld kri­ti­sie­ren Vi­sa-Pro­ble­me und ver­schärf­te Ein­rei­se­kon­trol­len.

Von Je­an-Charles Fays

CHI­CA­GO. An­dy Stecher ist für das USA-Ge­schäft des Ma­schi­nen­bau­ers Plas­ma­t­re­at aus St­ein­ha­gen bei Bie­le­feld ver­ant­wort­lich. Er spürt durch den pro­tek­tio­nis­ti­schen Kurs von Trump ei­ne gro­ße Un­si­cher­heit: „Nach den vie­len Ver­spre­chun­gen im Wahl­kampf weiß man gar nicht, wo es hin­geht, und es gab auch schon ei­ni­ge Kehrt­wen­dun­gen.“Hin­zu kom­me, dass es in den bis­he­ri­gen vier Mo­na­ten sei­ner Amts­zeit grö­ße­re Pro­ble­me ge­be, mit dem Kon­gress zu­sam­men­zu­ar­bei­ten. „Wenn die Än­de­run­gen wirk­lich um­ge­setzt wer­den, könn­te sich in zwei­er­lei Hin­sicht et­was än­dern. Ei­ner­seits wä­re na­tür­lich gut, wenn die Un­ter­neh­men­steu­er ge­senkt wür­de. And­rer­seits wür­de es er­heb­li­che ne­ga­ti­ve Aus­wir­kun­gen An­dy Stecher, Fir­ma Plas­ma­t­re­at

ha­ben, wenn die an­ge­kün­dig­ten Straf­zöl­le um­ge­setzt wür­den.“

Die Ein­rei­se hin­ge­gen wur­de un­ter der Prä­si­dent­schaft Trump be­reits er­schwert: „Es gab so­wohl in ei­nem Fall in un­se­rem Un­ter­neh­men als auch bei meh­re­ren an­de­ren Un­ter­neh­men Pro­ble­me, in die Ver­ei­nig­ten Staa­ten zu kom­men. Wenn Deut­sche selbst mit ei­nem ent­spre­chen­den Vi­sum ins Land kom­men, um hier Ar­bei­ten Die Ab­schot­tungs­po­li­tik Der Chef des USA-Ge­schäfts des Ma­schi­nen­bau­ers Plas­ma­t­re­at aus St­ein­ha­gen bei Bie­le­feld, An­dy Stecher.

zu er­le­di­gen, wur­den hier bei den Kon­trol­len die Fra­ge­stel­lun­gen ver­schärft und in­ten­si­viert. Die Be­am­ten wur­den in­stru­iert, viel kri­ti­sche­re Fra­gen zu stel­len. Wenn man sich dann nicht ent­spre­chend auf die­se Fra­gen vor­be­rei­tet und die fal­schen Ant­wor­ten gibt, dann schickt der Zöll­ner die Ar­bei­ter wie­der ins Flug­zeug nach Hau­se.“Stecher weist dar­auf hin, dass je­de neue Ar­beits­kraft in die­sem Markt sehr skep­tisch be­trach­tet wird, weil die neue US-Re­gie­rung

die ame­ri­ka­ni­schen Ar­beits­plät­ze schüt­zen will. Ge­ra­de im tech­ni­schen Be­reich, et­wa bei Mon­teu­ren, ge­be es gro­ße Pro­ble­me. Wenn ein Ma­schi­nen­im­por­teur für die In­stal­la­ti­on der Ma­schi­nen et­wa Fach­kräf­te aus der Hei­mat be­nö­ti­ge, dann kön­ne es eben auch da­zu füh­ren, dass der Auf­trag nicht durch­ge­führt wer­den kön­ne. Stecher be­fürch­tet, dass Un­ter­neh­men durch sol­che neu­en Hür­den bei der Ein­rei­se kurz­fris­tig zu­rück­schre­cken und ei­ne ge­plan­te US-In­ves­ti­ti­on auf­schie­ben Ei­ne 20-köp­fi­ge Os­na­brü­cker De­le­ga­ti­on aus Wirt­schaft und Po­li­tik trotzt der „Ame­ri­ca First“-Po­li­tik des US-Prä­si­den­ten Do­nald Trump und be­sucht für ei­ne Wo­che die USA. Am Mon­tag hat­te die De­le­ga­ti­on ein Brie­fing in der deutsch-ame­ri­ka­ni­schen Han­dels­kam­mer in Chi­ca­go. Der Ge­schäfts­füh­rer des Os­na­brü­cker Lo­gis­ti­kers Nos­ta, Andre­as Wol­ke-Ha­nen­kamp.

könn­ten: „Lang­fris­tig se­he ich aber auch die Chan­ce, stär­ker in das Land zu in­ves­tie­ren, weil es hier ins­ge­samt sehr vie­le wirt­schaft­li­che Chan­cen gibt.“

Die Fir­ma, die durch ih­re Plas­ma­tech­nik Ober­flä­chen­fein­st­rei­ni­gun­gen et­wa in der Au­to- und So­lar­in­dus­trie an­bie­tet, hat die­se Chan­cen be­reits ge­nutzt. Der ost­west­fä­li­sche Ma­schi­nen­bau­er hat 2000 sei­ne ers­te Nie­der­las­sung in To­ron­to er­rich­tet und hat in­zwi­schen wei­te­re Nie­der­las­sun­gen in Chi­ca­go und San Fran­cis­co. Plas­ma­t­re­at macht welt­weit ins­ge­samt 50 Mil­lio­nen Eu­ro Um­satz, ein Drit­tel da­von al­lein in Ame­ri­ka. Stecher er­klärt un­se­rer Re­dak­ti­on am Ran­de ei­nes Brie­fings der Os­na­brü­cker Rats- und Wirt­schafts­de­le­ga­ti­on in Chi­ca­go, war­um deut­sche Ma­schi­nen­bau­er in den USA so ge­fragt sind: „Die­se Art von Tech­no­lo­gi­en wird im nord­ame­ri­ka­ni­schen Raum nicht mehr selbst pro­du­ziert. Des­halb muss die­se Tech­no­lo­gie im­por­tiert wer­den.“Er nennt ein Bei­spiel: Au­tos wer­den hier zwar her­ge­stellt und mon­tiert, aber Ro­bo­ter und Au­to­ma­ti­on kom­men über­wie­gend aus dem Aus­land.“

Auch der Ge­schäfts­füh­rer

des Os­na­brü­cker Lo­gis­ti­kers Nos­ta, Andre­as Wol­ke-Ha­nen­kamp, plant schon seit zwei Jah­ren, auf dem ame­ri­ka­ni­schen Markt ak­tiv zu wer­den. „Es gibt al­ler­dings das Pro­blem, dass ich we­gen des ame­ri­ka­ni­schen Fach­kräf­te­man­gels mein Per­so­nal mit­brin­gen muss. Nun ist es aber viel schwie­ri­ger als noch vor ei­nem Jahr, das ent­spre­chen­de Vi­sum zu be­kom­men. Da­her sieht es wohl da­nach aus, dass wir mit ei­nem Head­hun­ter auf dem ame­ri­ka­ni­schen Markt neue Leu­te su­chen müs­sen.“Das Pro­blem da­ran: „Er­folg hat man nur mit Leu­ten, de­nen man zu 100 Pro­zent ver­traut“, zeigt sich De­le­ga­ti­ons­mit­glied Wol­ke-Ha­nen­kamp über­zeugt. Die Hür­de ist für ihn durch die zu­neh­men­de Ab­schot­tung so­mit be­reits grö­ßer ge­wor­den. So leicht will der Un­ter­neh­mer al­ler­dings noch nicht auf­ge­ben. Er will sich noch Tipps von be­reits er­folg­rei­chen deut­schen Lo­gis­tik­un­ter­neh­men in den USA ho­len, wie er den ame­ri­ka­ni­schen Markt doch noch er­obern könn­te.

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von US-Prä­si­dent Do­nald Trump be­hin­dert zu­neh­mend die Ein­rei­se von Mit­ar­bei­tern deut­scher Un­ter­neh­men in die USA. Auch Fir­men aus Os­na­brück und der Re­gi­on sind be­trof­fen. Fo­tos: Je­an-Charles Fays

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