Aus­stel­lung in Tö­nen

Ben­ja­min Mo­ser spielt Mus­sorg­ski in der Mal­gar­te­ner Kon­zert­scheu­ne

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur Regional - Von Jan Kamp­mei­er

Der Pia­nist Ben­ja­min Mo­ser hat sein Kon­zert in der Mal­gar­te­ner Kon­zert­scheu­ne mit Beet­ho­ven, Brahms, Rach­ma­ni­now und Mus­sorg­ski be­strit­ten.

Mög­li­cher­wei­se ha­be in Mal­gar­ten noch nie Mo­dest Mus­sorg­ski auf dem Pro­gramm ge­stan­den, sagt Ver­an­stal­ter Pe­ter Koch zur Be­grü­ßung. Da es in der Rei­he we­der Orches­ter­noch Opern­auf­füh­run­gen gibt, kä­men da­für, au­ßer ei­ni­gen Klei­nig­kei­ten, auch höchs­tens sei­ne Lie­der in­fra­ge – und na­tür­lich die be­rühm­ten „Bil­der ei­ner Aus­stel­lung“. Und ge­nau die­se spielt der Pia­nist Ben­ja­min Mo­ser in sei­ner Ma­ti­nee denn auch. Zu­vor al­ler­dings ste­hen noch Beet­ho­ven, Brahms und Rach­ma­ni­now auf dem Pro­gramm.

Beet­ho­vens So­na­te F-Dur op. 10/2 ge­hört nicht zu sei­nen be­son­ders be­kann­ten, sie klingt auch noch nicht wie der spä­te­re Beet­ho­ven: Voll­grif­fig ist sie sel­ten, häu­fig da­ge­gen sehr fi­li­gran. Ben­ja­min Mo­ser spielt sie mit freund­li­chem Schwung, der die Ver­bin­dung zu Jo­seph Haydn noch er­ken­nen lässt.

Zwei In­ter­mez­zi von Jo­han­nes Brahms bil­den da­zu ei­nen denk­bar gro­ßen Kon­trast, denn die­se ro­man­ti­schen Mi­nia­tu­ren spielt er schwär­me­risch-wohl­tö­nend, mit viel Pe­dal und fle­xi­blem Tem­po. Das gilt auch für fünf aus­ge­wähl­te Pré­ludes von Ser­gej Rach­ma­ni­now, die als Ab­schluss der ers­ten Hälf­te auf dem Pro­gramm ste­hen. Viel­leicht hät­te er et­was ge­gen­sätz­li­che­re Stü­cke aus­wäh­len oder die Ge­gen­sät­ze beim Spiel stär­ker be­to­nen kön­nen, denn zu­min­dest die ers­ten vier Pré­ludes wir­ken trotz flin­ker Be­gleit­mus­ter sehr breit und zeich­nen sich durch üp­pi­gen Klang aus. Erst das fünf­te Pré­lude, ein sehr be­kann­ter Kra­cher in g-Moll, durch­bricht die­se Stim­mung wie­der. Wäh­rend die­ses Stü­ckes tö­nen von der na­hen Kir­che Glo­cken her­über – das passt gut, ist doch Rach­ma­ni­nows Lie­be zu Glo­cken­klän­gen klar be­legt.

Vor den „Bil­dern ei­ner Aus­stel­lung“in­for­miert Ben­ja­min Mo­ser sein Pu­bli­kum kurz über das Werk. Mus­sorgs­kis In­spi­ra­ti­on – die Bil­der Vik­tor Hart­manns – sei­en eher „kläg­lich“, meint er. Mu­si­ka­lisch ha­be Mus­sorg­ski dann et­wa mit dem „Gro­ßen Tor von Kiew“ei­nes der lau­tes­ten Stü­cke des Re­per­toires ge­schaf­fen. Trotz der Be­rühmt­heit des Stü­ckes ist die Kla­vier­fas­sung im Kon­zert nicht oft zu hö­ren. Ben­ja­min Mo­ser mo­gelt sich et­was über ei­ni­ge der kniff­ligs­ten tech­ni­schen Hür­den und ver­has­pelt sich noch kurz vor Schluss, doch er führt sei­ne Zu­hö­rer bald mit vol­lem Klang und viel Pe­dal, bald mit ganz tro­cke­nen, fast kar­gen Klän­gen durch die so ab­wechs­lungs­rei­che ima­gi­nä­re Aus­stel­lung.

Mit vol­lem Klang und viel Pe­dal führ­te Pia­nist Ben­ja­min Mo­ser sei­ne Zu­hö­rer durch das Kon­zert. Fo­to: Swa­ant­je Heh­mann

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