Hun­der­te Ki­lo Spreng­stoff un­ter der Au­to­bahn

Vor 25 Jah­ren fiel der ita­lie­ni­sche Rich­ter Fal­co­ne ei­nem spek­ta­ku­lä­ren Ma­fia-An­schlag zum Op­fer

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Weltspiegel - Von Wolf H. Wa­gner

Am 23. Mai jährt sich zum 25. Mal der Bom­ben­an­schlag von Ca­pa­ci, dem der An­ti-Ma­fia-Rich­ter Gio­van­ni Fal­co­ne, sei­ne Ehe­frau Fran­ce­sca so­wie die drei Mit­glie­der sei­ner Es­kor­te zum Op­fer fie­len. Es war nach dem Mord am Po­li­ti­ker Sal­vo Lima – Kon­takt­mann des da­ma­li­gen Re­gie­rungs­chefs Giulio And­reot­ti zur Co­sa Nos­tra – wohl der be­deu­tends­te An­schlag der Ma­fia im Jahr 1992.

Ihm folg­te das Bom­ben­at­ten­tat in der Via Ame­lio ge­gen Fal­co­nes Freund und Kol­le­gen Pao­lo Bor­sel­li­no so­wie An­schlä­ge in Flo­renz, Mai­land und Rom. Die Co­sa Nos­tra re­agier­te mit den Blut­bä­dern auf ein Ur­teil des Kas­sa­ti­ons­ge­rich­tes vom Fe­bru­ar je­nes Jah­res, bei dem 460 Ma­fio­si in ei­nem Groß­pro­zess zu lang­jäh­ri­gen Haft­stra­fen ver­ur­teilt wur­den.

Der An­schlag auf Gio­van­ni Fal­co­ne war kein Zu­falls­er­eig­nis. Be­reits kurz vor­her war ein At­ten­tat auf den Rich­ter ge­plant, wur­de je­doch vom Co­sa-Nos­tra-Boss To­to Ri­i­na ab­ge­sagt. Man ha­be ei­nen bes­se­ren Plan. Die­ser sah die Ex­plo­si­on von Hun­der­ten Ki­lo Spreng­stoff un­ter der Au­to­bahn vom Flug­ha­fen nach Pa­ler­mo vor. Ein lo­gis­tisch schwie­ri­ges Un­ter­neh­men, dass vie­le bis heute un­ge­klär­te Fra­gen auf­wirft: Wie konn­te der Spreng­stoff un­be­merkt un­ter die Au­to­bahn ge­bracht wer­den? Und vor al­lem: Wo­her wuss­ten die At­ten­tä­ter die ge­heim ge­hal­te­ne Rou­te des Rich­ters? Denn je­des Mal wur­de ein an­de­rer Weg ge­wählt, um Fal­co­ne von Be­spre­chun­gen in Rom nach Pa­ler­mo auf Si­zi­li­en zu brin­gen. Er­mitt­lun­gen, die auch in die Krei­se der Ge­heim­diens­te reich­ten, blei­ben bis heute un­ter Ver­schluss. Dies gilt eben­so für die Ver­hand­lun­gen zwi­schen Staat und Ma­fia, die En­de 1992 zum En­de der An­schlä­ge führ­ten.

Die Er­mitt­lun­gen zum At­ten­tat auf Fal­co­ne lie­fen par­al­lel zu de­nen, die sich mit den Prak­ti­ken und Ma­fia­ver­bin­dun­gen And­reot­tis be­schäf­tig­ten. Mit der Ak­ti­on „Ma­ni pu­li­te“(Sau­be­re Hän­de) wur­den Kor­rup­ti­ons­af­fä­ren auf­ge­deckt, zu­nächst in Mai­land, dann im gan­zen Land. Die Skan­da­le läu­te­ten das En­de der staats­tra­gen­den Mit­te­rechts-Par­tei De­mo­cra­zia Cris­tia­na ein. Aus den Trüm­mern der al­ten Par­tei­en­land­schaft er­hob sich ei­ne neue Par­tei, die For­za Ita­lia. Ihr stand ein Bau­und Me­dien­un­ter­neh­mer aus Mai­land vor, der bis­lang in der Po­li­tik un­be­kannt war: Sil­vio Ber­lus­co­ni.

Wie Kron­zeu­gen­aus­sa­gen und spä­te­re Er­mitt­lungs- und Ge­richts­ver­fah­ren ge­gen Ber­lus­co­nis graue Emi­nenz, Mar­cel­lo Dell’ Utri, er­ga­ben, war For­za Ita­lia ein Pro­dukt aus Ab­spra­chen mit den Co­saNos­tra-Ver­tre­tern Ber­nar­do Pro­venz­a­no und To­to Ri­i­na auf der ei­nen und Dell’ Utri auf der an­de­ren Sei­te.

Un­ter der ers­ten Ber­lus­co­ni-Re­gie­rung ab 1994 – und un­ter al­len fol­gen­den – ver­än­der­te sich das Ver­hält­nis von Staat und or­ga­ni­sier­tem Ver­bre­chen. Ab­ge­se­hen von ei­ni­gen Zu­grif­fen der An­ti-Ma­fi­aEin­hei­ten, ließ man sich ge­gen­sei­tig in Ru­he.

Heute ist Ita­li­en mehr denn je von den Clans durch­drun­gen.

Gio­van­ni Fal­co­ne Fo­to: dpa

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