Neu­see­land will ins All

Fir­ma Ro­cket Lab will kom­mer­zi­el­le Raum­fahrt vor­an­brin­gen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Gut Zu Wissen -

Von Bar­ba­ra Bark­hau­sen

Auf der Mahi­aHalb­in­sel in Neu­see­land sind Stra­ßen und Was­ser­we­ge der­zeit weit­räu­mig ge­sperrt. Die Öf­fent­lich­keit soll drau­ßen blei­ben, wenn die ame­ri­ka­nisch-neu­see­län­di­sche Fir­ma Ro­cket Lab zum ers­ten Mal die kom­mer­zi­el­le Raum­fahrt tes­tet. „Nach vier Jah­ren Pla­nung, In­no­va­ti­on und For­schung wer­den wir bald ei­ne Ra­ke­te ins All star­ten“, kün­dig­te die Fir­ma auf Twit­ter an.

Die ers­ten Tests ver­lie­fen gut. Jetzt muss nur noch das leicht wech­sel­haf­te neu­see­län­di­sche Wetter mit­spie­len. „Im Mo­ment sieht al­les gut aus“, sag­te der Fir­men­grün­der Pe­ter Beck dem „New Ze­a­land He­rald“. Doch die Ra­ke­te sei ei­ne kom­ple­xe Ma­schi­ne. „Es gibt über 20000 Sen­so­ren, die wir über­wa­chen, und falls ei­ner die­ser Sen­so­ren rot auf­leuch­tet, dann flie­gen wir nicht.“

Bis­her ha­ben vor al­lem die Su­per­mäch­te wie die USA, Russ­land oder Chi­na in die Welt­raum­for­schung in­ves­tiert. Dass nun ein so klei­nes Land wie Neu­see­land mit ge­ra­de mal vier­ein­halb Mil­lio­nen Ein­woh­nern in die Raum­fahrt ein­steigt, ist eher un­ge­wöhn­lich. Doch der Neu­see­län­der Pe­ter Beck, ein For­scher, der die in Ka­li­for­ni­en sta­tio­nier­te Fir­ma Ro­cket Lab 2006 grün­de­te, hat mit sei­nem Team ei­ne neu­ar­ti­ge Ra­ke­te ent­wi­ckelt.

Weg­werf-Ra­ke­ten

Die­se so­ge­nann­te Elec­tron-Ra­ke­te be­steht aus Koh­le­fa­ser, ist 17 Me­ter hoch und hat ei­nen Durch­mes­ser von 1,20 Me­ter. Selbst mit Treib­stoff ist sie ge­ra­de mal 10 500 Ki­lo­gramm schwer. Der An­trieb er­folgt über Ru­ther­ford-Ra­ke­ten­t­rieb­wer­ke, die mit Ke­ro­sin und flüs­si­gem Sau­er­stoff an­ge­trie­ben wer­den. Die meis­ten Mo­to­ren­tei­le wer­den mit­hil­fe ei­nes 3-DD­ru­ckers her­ge­stellt, ein Pro­zess, der ge­ra­de mal 24 St­un­den dau­ert. Da­mit wird die Ra­ke­te zum Weg­werf­pro­dukt. Ein Start ins All kos­tet des­we­gen nur knapp fünf Mil­lio­nen US-Dol­lar (4,4 Mil­lio­nen Eu­ro) – deut­lich we­ni­ger als die über 130 Mil­lio­nen, die ei­ne ame­ri­ka­ni­sche Welt­raum­mis­si­on der Na­sa im Durch­schnitt kos­tet.

Ro­cket Lab will den Welt­raum kom­mer­zia­li­sie­ren. Ir­gend­wann soll ein­mal al­le 72 St­un­den ei­ne Ra­ke­te ins All ent­sandt wer­den, rund hun­dert Ra­ke­ten pro Jahr. Die­se sol­len klei­ne Sa­tel­li­ten in ei­ne Um­lauf­bahn um die Er­de trans­por­tie­ren. Pro Flug kön­nen bis zu 150 Ki­lo an be­zahl­ter Fracht ge­la­den wer­den.

Doch nun müs­sen die ers­ten Flü­ge erst ein­mal klap­pen. Die Fir­ma hat sich da­für ein zehn­tä­gi­ges Zeit­fens­ter ab die­ser Wo­che ge­setzt. Soll­ten die Starts in der Zeit nicht funk­tio­nie­ren, muss ei­ne neue Zeit­span­ne ge­fun­den wer­den.

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