Be­ruf kommt To­des­ur­teil gleich

Jour­na­lis­ten in Me­xi­ko le­ben ge­fähr­lich – Be­reits sechs Be­richt­er­stat­ter ge­tö­tet

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Medien / Fernsehen -

Auf­ge­rie­ben zwi­schen bru­ta­len Dro­gen­kar­tel­len und kor­rup­ten Po­li­ti­kern, ste­hen Re­por­ter in dem la­tein­ame­ri­ka­ni­schen Land Tag für Tag im Kreuz­feu­er. Seit Jah­res­be­ginn wur­den be­reits sechs Jour­na­lis­ten ge­tö­tet. Auf­ge­klärt wer­den die Ver­bre­chen fast nie.

CHILPANCINGO. Plötz­lich sit­zen sie in der Fal­le. Auf ei­ner Land­stra­ße in der me­xi­ka­ni­schen Un­ru­he­re­gi­on Tier­ra Ca­li­en­te, eingekreist von rund 100 ver­mumm­ten Ban­den­mit­glie­dern mit Pis­to­len im Ho­sen­bund. Die sie­ben Jour­na­lis­ten wa­ren in der Ort­schaft San Mi­guel To­to­la­pan un­ter­wegs, um über die Kämp­fe zwi­schen den Ver­bre­cher­syn­di­ka­ten La Fa­mi­lia Mi­choaca­na und Los Te­qui­le­ros zu be­rich­ten. Auf dem Rück­weg ge­ra­ten sie selbst in die Hän­de der Gangs­ter.

„Wir hat­ten ge­ra­de ei­nen Mi­li­tär­pos­ten an der Land­stra­ße zwi­schen Igua­la und Alta­mi­ra­no pas­siert. Ei­nen Ki­lo­me­ter wei­ter blo­ckier­ten 100 Be­waff­ne­te mit zwei aus­ge­brann­ten Bus­sen die Stra­ße. Sie ha­ben uns ge­stoppt und uns un­se­re Aus­rüs­tung weg­ge­nom­men“, er­zählt der Kor­re­spon­dent der Zei­tung „La Jor­na­da“, Ser­gio Ocam­po.

Die Dro­gen­kar­tel­le wol­len in ih­rem Krieg um die An­bau­flä­chen für Ma­ri­hua­na und Schlaf­mohn kei­ne Zeu­gen. Bei Kämp­fen zwi­schen den Ban­den ka­men zu­letzt acht Men­schen ums Le­ben, dann rück­ten die Streit­kräf­te ein. Zum Ab­schied ge­ben die

Fuß­sol­da­ten der Fa­mi­lia den Jour­na­lis­ten noch ei­ne War­nung mit auf den Weg: „Wenn ihr den Sol­da­ten et­was sagt, krie­gen wir euch. Wir wer­den euch tö­ten und in eu­rem Au­to ver­bren­nen.“

Nicht nur die Tier­ra Ca­li­en­te, ganz Me­xi­ko ist ein hei­ßes Pflas­ter für Jour­na­lis­ten. Am Mon­tag der ver­gan­ge­nen Wo­che ha­ben Un­be­kann­te den „La Jor­na­da“Kor­re­spon­den­ten Ja­vier Val­dez in der Dro­gen­hoch­burg Si­na­loa er­schos­sen. Er be­rich­te­te über das or­ga­ni­sier­te Ver­bre­chen und war den

Kar­tel­len of­fen­bar ein Dorn im Au­ge. „Sein Tod ist ein schwe­rer Schlag für den Jour­na­lis­mus und die Öf­fent­lich­keit in Me­xi­ko. Die Stil­le brei­tet sich im Land aus“, hieß es in ei­ner Stel­lung­nah­me des Ko­mi­tees zum Schutz von Jour­na­lis­ten (CPJ).

Seit Jah­res­be­ginn wur­den in Me­xi­ko sechs Jour­na­lis­ten ge­tö­tet. Das macht das Land zu der ge­fähr­lichs­ten Re­gi­on für Re­por­ter welt­weit, noch vor Sy­ri­en und dem Irak. „In Me­xi­ko Jour­na­list zu sein äh­nelt eher ei­nem To­des­ur­teil als ei­nem Be­ruf “, sagt die Di­rek­to­rin

der Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on Am­nes­ty In­ter­na­tio­nal in Me­xi­ko, Ta­nia Re­neaum. „Der Mord an Ja­vier zeigt, dass kein Jour­na­list si­cher ist.“

Die Ver­bre­chen ge­gen Jour­na­lis­ten wer­den so gut wie nie auf­ge­klärt. „In Me­xi­ko er­laubt es die weit­ver­brei­te­te Straf­lo­sig­keit kri­mi­nel­len Grup­pen, kor­rup­ten Be­am­ten und Dro­gen­kar­tel­len, ih­re Kri­ti­ker zum Schwei­gen zu brin­gen“, heißt es in ei­nem an­läss­lich des In­ter­na­tio­na­len Tags der Pres­se­frei­heit ver­öf­fent­lich­ten Be­richt des CPJ.

In der Rang­lis­te der Pres­se­frei­heit von Re­por­ter oh­ne Gren­zen (ROG) liegt Me­xi­ko auf Platz 147 von 180 un­ter­such­ten Län­dern. „Die po­li­ti­sche Klas­se ist ei­ne Toch­ter der Dro­gen­kar­tel­le, in­to­le­rant, ge­fähr­lich, mäch­tig“, sag­te Val­dez im ver­gan­ge­nen Jahr in ei­nem In­ter­view der Zei­tung „Re­for­ma“. Wer den Jour­na­lis­ten nun auf dem Ge­wis­sen hat, könn­te für im­mer ein Ge­heim­nis blei­ben.

Pres­se­frei­heit: Wie steht es welt­weit dar­um? noz.de/po­li­tik

Fo­tos: dpa

Ver­brann­te Wa­gen ver­sperr­ten den Weg: Rund 100 ver­mumm­te Ban­den­mit­glie­der mit Pis­to­len im Ho­sen­bund kreis­ten in Me­xi­ko ei­ne Grup­pe von Jour­na­lis­ten ein. Ser­gio Ocam­po (klei­nes Bild) war ei­ner von ih­nen.

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