Töd­li­cher An­schlag auf Pop­kon­zert

Man­ches­ter: Bri­ti­sche Po­li­zei er­mit­telt mut­maß­li­chen Tä­ter – IS re­kla­miert Tat für sich

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite -

Bei der blu­tigs­ten Ter­ror­at­ta­cke in Groß­bri­tan­ni­en seit fast zwölf Jah­ren sind min­des­tens 22 Men­schen und der At­ten­tä­ter ge­stor­ben. Der An­schlag in Man­ches­ter traf vor al­lem Kin­der und Ju­gend­li­che.

Meh­re­re Be­su­cher des Pop­kon­zerts von Te­e­nie-Star Aria­na Gran­de, an des­sen En­de ein mut­maß­lich is­la­mis­ti­scher Selbst­mord­at­ten­tä­ter am spä­ten Mon­tag­abend ei­ne Bom­be ge­zün­det hat­te, wur­den am Di­ens­tag noch ver­misst. Am Abend nann­te die Po­li­zei den 22 Jah­re al­ten Sal­man Abe­di als Haupt­ver­däch­ti­gen. Me­dien­be­rich­ten zu­fol­ge ist er in Man­ches­ter auf­ge­wach­sen. Die Ter­ror­mi­liz IS be­haup­te­te, für den An­schlag ver­ant­wort­lich zu sein.

Bei der Atta­cke starb auch ein acht­jäh­ri­ges Mäd­chen. Min­des­tens 59 Ver­letz­te ka­men in Kran­ken­häu­ser, ei­ni­ge schweb­ten noch in Le­bens­ge­fahr. Et­wa 60 wei­te­re Op­fer wur­den rund um den An­schlags­ort von Hel­fern ver­sorgt, mel­de­te die Zei­tung „Man­ches­ter Eve­ning News“un­ter Be­ru­fung auf Ret­tungs­kräf­te. Die Po­li­zei be­stä­tig­te die Ge­samt­ver­letz­ten­zahl 120 al­ler­dings nicht.

Zu dem mut­maß­li­chen At­ten­tä­ter gab Er­mitt­ler Ian Hop­kins vor­erst kei­ne wei­te­ren De­tails be­kannt. Es wer­de ge­prüft, ob die­ser al­lein ge­han­delt ha­be oder Teil ei­nes Netz­werks ge­we­sen sei, hieß es. Nach An­ga­ben der bri­ti­schen Nach­rich­ten­agen­tur PA kam der Hin­weis auf den Mann aus den USA. Die Zei­tung „Te­le­graph“be­rich­te­te, Abe­di sei 1994 in Man­ches­ter ge­bo­ren wor­den. Sei­ne El­tern, die noch zwei Söh­ne und ei­ne Toch­ter ha­ben, sol­len Flücht­lin­ge aus Li­by­en sein.

Pre­mier­mi­nis­te­rin The­re­sa May nann­te die Tat be­son­ders „ab­sto­ßend und ab­scheu­lich“. In gut zwei Wo­chen wäh­len die Bri­ten ein neu­es Par­la­ment. Der Wahl­kampf wur­de un­ter­bro­chen. Für Di­ens­tag­abend war ei­ne zwei­te Sit­zung des Si­cher­heits­ka­bi­netts in London ge­plant.

Der At­ten­tä­ter ha­be am En­de des Kon­zerts ei­nen selbst ge­bau­ten Spreng­satz hoch­ge­hen las­sen, sag­te May nach ei­ner Sit­zung des Si­cher­heits­ka­bi­netts in London: „Er hat Zeit und Ort ab­sicht­lich so ge­wählt, um das größt­mög­li­che Blut­bad an­zu­rich­ten.“Den Ret­tungs­kräf­ten zu­fol­ge wa­ren un­ter den Ver­letz­ten zwölf Kin­der und Ju­gend­li­che un­ter 16 Jah­ren.

23-Jäh­ri­ger fest­ge­nom­men

Laut IS konn­te ein „Sol­dat“der Ter­ror­mi­liz ei­ne Bom­be plat­zie­ren, An­hän­ger fei­er­ten dies in so­zia­len Netz­wer­ken. US-Prä­si­dent Do­nald Trump ver­ur­teil­te die Tat: „So vie­le jun­ge Men­schen sind von bös­ar­ti­gen Ver­lie­rern er­mor­det wor­den.“

Im Zu­sam­men­hang mit dem An­schlag in der „Man­ches­ter Are­na“hat­te es am Nach­mit­tag wei­te­re Po­li­zei­ein­sät­ze in der nord­eng­li­schen Stadt ge­ge­ben – dar­un­ter ei­ne „kon­trol­lier­te Ex­plo­si­on“, die am Haus des Ver­däch­ti­gen statt­fand. Ei­nen 23-Jäh­ri­gen nah­men die Er­mitt­ler fest. Wel­che Ver­bin­dung er zum At­ten­tä­ter hat, war am Abend noch un­klar.

„Es gibt kei­nen Zwei­fel dar­an, dass die Be­völ­ke­rung Man­ches­ters und die­ses Lan­des Op­fer ei­nes eis­kal­ten ter­ro­ris­ti­schen An­griffs ge­wor­den ist“, sag­te May, die nach­mit­tags mit In­nen­mi­nis­te­rin Am­ber Rudd in Man­ches­ter an­kam. Die Ex­plo­si­on hat­te sich im Foy­er der Kon­zert­hal­le er­eig­net, die bis zu 21000 Be­su­cher fasst. Zeu­gen be­rich­te­ten von ei­nem Knall im Ein­gangs­be­reich zwi­schen Hal­le und Vic­to­ria-Bahn­hof ge­gen 22.30 Uhr Orts­zeit.

Queen Eliz­a­beth II. er­klär­te, die gan­ze Na­ti­on ste­he un­ter Schock. Auch die Prin­zen Wil­li­am und Har­ry drück­ten ihr Mit­ge­fühl aus. Der An­schlag lös­te welt­weit Be­trof­fen­heit aus. Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) äu­ßer­te sich ent­setzt: „Es ist un­be­greif­lich, dass je­mand ein fröh­li­ches Pop­kon­zert aus­nutzt, um so vie­len Men­schen den Tod zu brin­gen oder ih­nen schwe­re Ver­let­zun­gen zu­zu­fü­gen.“

Ei­nen Tag vor dem Eu­ro­pa-Le­ague-End­spiel zwi­schen Man­ches­ter Uni­ted und Ajax Ams­ter­dam leg­ten Spie­ler und Trai­ner wäh­rend ih­res Ab­schluss­trai­nings vor dem Fi­na­le ei­ne Schwei­ge­mi­nu­te auf ih­rem Club­ge­län­de in Car­ring­ton ein.

„Heu­te trau­ern wir, aber wir sind stark“: Das schreibt ein jun­ger Mann nach dem Ter­ror­an­schlag auf Eng­lisch in Man­ches­ter auf den Geh­weg. Fo­to: dpa

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