Zehn­tau­sen­de zur Er­öff­nung des Kir­chen­tags er­war­tet

Dis­kus­si­on von Oba­ma und Mer­kel am Don­ners­tag – Kri­tik von de Mai­ziè­re: Beim Asyl ma­chen es sich die Kir­chen zu leicht

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik -

500 Jah­re Re­for­ma­ti­on, ein Ex-US-Prä­si­dent als Star­gast und ei­ne Her­aus­for­de­rung für die Si­cher­heits­kräf­te: Heu­te be­ginnt in Ber­lin der 36. Deut­sche Evan­ge­li­sche Kir­chen­tag. Zu dem fünf­tä­gi­gen Glau­bens­fest un­ter dem Mot­to „Du siehst mich“er­war­ten die Ver­an­stal­ter 140 000 Dau­er­teil­neh­mer so­wie meh­re­re 10 000 Ta­ges­be­su­cher.

2500 Ver­an­stal­tun­gen ste­hen auf dem Pro­gramm, dar­un­ter Got­tes­diens­te, Dis­kus­si­ons­run­den mit Po­li­ti­kern, Vor­trä­ge, Kon­zer­te und Aus­stel­lun­gen. Zum Schluss fah­ren am Sonn­tag vie­le Gläu­bi­ge in das 100 Ki­lo­me­ter ent­fern­te Wit­ten­berg, um ei­nen Got­tes­dienst zu fei­ern.

Er­öff­net wird das Tref­fen zum Re­for­ma­ti­ons­ju­bi­lä­um am Mitt­woch­abend gleich mit drei Open-Air-Got­tes­diens­ten vor dem Reichs­tag, dem Bran­den­bur­ger Tor und auf dem Gen­dar­men­markt. Am Don­ners­tag dis­ku­tiert der frü­he­re US-Prä­si­dent Ba­rack Oba­ma mit Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) über das The­ma „En­ga­giert De­mo­kra­tie ge­stal­ten“. 80000 Zu­schau­er kön­nen die De­bat­te, die li­ve im Fern­se­hen über­tra­gen wird, am Bran­den­bur­ger Tor mit­ver­fol­gen.

Kri­ti­sche Tö­ne ka­men am Tag vor der Er­öff­nung von Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU). Er for­der­te die Kir­chen auf, in der Öf­fent­lich­keit mehr über den Is­lam zu dis­ku­tie­ren. Die Kir­chen über­lie­ßen den Is­lam zu sehr dem Staat, sag­te er der „Zeit“: „Ich wün­sche mir mehr kirch­li­che Wort­mel­dun­gen zu strit­ti­gen Fra­gen: was Chris­ten­tum und Is­lam ver­bin­det, wie ein auf­ge­klär­ter eu­ro­päi­scher Is­lam aus­se­hen soll und wo die Re­li­gi­ons­frei­heit en­det – auch die der Mus­li­me.“

Auch beim The­ma Asyl mach­ten es sich die Kir­chen zu leicht, sag­te de Mai­ziè­re. Ihn stö­re „der kirch­li­che Um­gang mit der har­ten Sei­te des Asyl­rechts, al­so mit Rück­füh­rung und Ab­schie­bung“. Es kön­ne nicht nur ei­ne Will­kom­mens­kul­tur ge­ben, „son­dern in ei­nem Rechts­staat muss es auch Ak­zep­tanz für ei­ne Ab­schie­be­kul­tur ge­ben“. Bei ei­ni­gen Kir­chen­ver­tre­tern ver­mis­se er „die vol­le Ak­zep­tanz des Asyl­ver­fah­rens“, sag­te de Mai­ziè­re. „Wenn ei­ne Ab­schie­bung er­folgt, dann ist das nichts an­de­res als der Voll­zug gel­ten­den Rechts – und kei­ne Bos­heit des Staa­tes.“

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