Was­ser im Ju­bi­lä­ums­wein

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - K.rit­zer@noz.de

Fünf­hun­dert Jah­re Re­for­ma­ti­on – da läuft die evan­ge­li­sche Kir­che beim Kir­chen­tag in Ber­lin zur Höchst­form auf. Die Sitz­plät­ze für die Dis­kus­si­on zwi­schen Ex-US-Prä­si­dent Ba­rack Oba­ma und Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel wa­ren ruck­zuck aus­ver­kauft, und auch sonst will sich viel Po­lit­pro­mi­nenz se­hen las­sen, schließ­lich ist je­der Pro­tes­tant auch ein Wäh­ler.

Auf­hor­chen lässt je­doch die Kri­tik von In­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re, der im Vor­feld Was­ser in den Ju­bi­lä­ums­wein sei­ner evan­ge­li­schen Glau­bens­brü­der und Von Kat­ha­ri­na Rit­zer -schwes­tern gießt. Beim Um­gang mit dem Is­lam und der Fra­ge, wie ein auf­ge­klär­ter eu­ro­päi­scher Is­lam aus­se­hen soll­te, hal­te sich die evan­ge­li­sche Kir­che ge­nau­so vor­nehm zu­rück wie beim The­ma Asyl­recht. Wenn ein ab­ge­lehn­ter Asyl­be­wer­ber auf Wei­sung des Rechts­staa­tes ab­ge­scho­ben wer­de, dann sei kein Platz für Kir­chen­asyl-Ro­man­tik. Wer da von „Bos­heit des Staa­tes“spre­che, stel­le das gan­ze Sys­tem in­fra­ge, so de Mai­ziè­re.

Die­se Wor­te wird nie­mand ger­ne hö­ren auf dem in Har­mo­nie und Glau­bens­se­lig­keit schwel­gen­den Kir­chen­tag. Doch es ist gut, dass der In­nen­mi­nis­ter Kan­te zeigt und von der evan­ge­li­schen Kir­che kla­re Be­kennt­nis­se for­dert. Lu­thers Se­gen dürf­te ihm si­cher sein, soll der doch ge­sagt ha­ben: „Iss, was gar ist, trink, was klar ist, red, was wahr ist.“

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