Grie­chen­land muss auf Hil­fen war­ten

Streit um Schul­den­er­leich­te­run­gen – Eu­ro-Mi­nis­ter wol­len Kre­di­te im Ju­ni be­schlie­ßen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Wirtschaft -

Die Eu­ro-Län­der las­sen At­hen wei­ter zap­peln. Ei­ne Ei­ni­gung auf neue Kre­di­te steht wei­ter aus – da­bei tickt die Uhr.

BRÜS­SEL. Grie­chen­land muss trotz har­ter Spar­an­stren­gun­gen wei­ter auf ei­ne fes­te Zu­sa­ge für ei­nen neu­en Kre­dit war­ten. Die Eu­ro-Fi­nanz­mi­nis­ter wol­len die Ver­ein­ba­rung nun bei ih­rem nächs­ten Tref­fen am 15. Ju­ni schlie­ßen, sag­te Eu­ro­grup­pen-Chef Je­ro­en Di­js­sel­blo­em. Man sei ei­ner Lö­sung be­reits „sehr na­he“.

In der Nacht zum Di­ens­tag hat­ten sich die Mi­nis­ter und der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds (IWF) nicht ei­ni­gen kön­nen, in wel­cher Art und Wei­se dem Land Schul­den­er­leich­te­run­gen in Aus­sicht ge­stellt wer­den sol­len. IWF-Che­fin Chris­ti­ne La­g­ar­de hat­te zu­vor auf ein­deu­ti­ge Zu­sa­gen der Eu­ro­pä­er ge­pocht. Da­von macht der Fonds sei­ne Be­tei­li­gung an wei­te­ren Hil­fen ab­hän­gig.

Grie­chen­land steht wie­der ein­mal un­ter Druck, weil die Re­gie­rung im Ju­li Schul­den in Hö­he von gut sechs Mil­li­ar­den Eu­ro zu­rück­zah­len muss. Die Pres­se in At­hen re­agier­te be­sorgt. Die lin­ke Athe­ner Zei­tung „Efi­me­ri­da ton Syn­tak­ton“ti­tel­te: „Die Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten zwi­schen Ber­lin und dem IWF sind un­über­brück­bar.“

An wem die Ei­ni­gung schei­ter­te, blieb zu­nächst un­klar. Aus Ver­hand­lungs­krei­sen hieß es, Grie­chen­land ha­be hö­he­re Schul­den­er­leich­te­run­gen er­rei­chen wol­len als von an­de­ren Eu­ro­län­dern vor­ge­schla­gen. Auch der IWF ver­lang­te al­ler­dings wei­te­re Zu­ge­ständ­nis­se und De­tails. Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le (CDU) ist des­we­gen in ei­ner schwie­ri­gen Si­tua­ti­on. Er pocht auf ei­ne Be­tei­li­gung des IWF am Hilfs­pro­gramm, will an­de­rer­seits aber zum der­zei­ti­gen Zeit­punkt noch kei­ne fes­ten Zu­sa­gen für Schul­den­er­leich­te­run­gen ma­chen.

Di­js­sel­blo­em er­klär­te, ei­ne end­gül­ti­ge Ent­schei­dung dar­über sol­le wie ver­ein­bart erst nach En­de des lau­fen­den Hilfs­pro­gramms 2018 fal­len. Di­js­sel­blo­em be­schrieb das Pro­blem so: „Wir müs­sen ge­nau sein, oh­ne ei­ne end­gül­ti­ge Zahl zu nen­nen.“Grund­sätz­lich denk­bar sei­en län­ge­re Zah­lungs­fris­ten für Kre­di­te oder spä­te­re Zins­zah­lun­gen. Bis zum Som­mer sol­le der IWF sei­ne Be­tei­li­gung als Geld­ge­ber am ak­tu­el­len Hilfs­pro­gramm zu­sa­gen. Bis­lang ist der Fonds beim drit­ten Pro­gramm nur als Be­ra­ter da­bei.

Kon­kre­te Fort­schrit­te

Kon­kre­te Fort­schrit­te gab es in Brüs­sel bei den Haus­halts­vor­ga­ben für Grie­chen­land. Die Mi­nis­ter leg­ten fest, dass das Land in den kom­men­den fünf Jah­ren ei­nen so­ge­nann­ten Pri­mär­über­schuss in Hö­he von 3,5 Pro­zent er­wirt­schaf­ten muss. Da­mit ist der Haus­halts­über­schuss oh­ne die Kos­ten für den Schul­den­dienst ge­meint.

Grie­chen­land er­hält seit 2010 in­ter­na­tio­na­le Kre­di­te. Der­zeit läuft das drit­te, im Som­mer 2015 ver­ein­bar­te Hilfs­pro­gramm mit ei­nem Um­fang von bis zu 86 Mil­li­ar­den Eu­ro. Zah­lun­gen er­hält Grie­chen­land al­ler­dings nur in Teil­sum­men. Ob die ein­zel­nen Tran­chen aus­ge­zahlt wer­den, hängt un­ter an­de­rem vom Fort­schritt der Re­for­men ab, zu de­nen sich At­hen im Ge­gen­zug ver­pflich­tet hat.

Um den Weg zu wei­te­ren Kre­di­ten zu eb­nen, hat­te At­hen in der ver­gan­ge­nen Wo­che ein wei­te­res har­tes Spar­pro­gramm von fünf Mil­li­ar­den Eu­ro be­schlos­sen. Ei­ne Hän­ge­par­tie:

Um die Schul­den­er­leich­te­run­gen für Grie­chen­land wird wei­ter ge­feilscht wie um bil­li­ge Sou­ve­nirs. Fo­to: dpa

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