Sai­son-Bi­lanz der Merk­wür­dig­kei­ten

Über Re­kord-Kurz­ar­bei­ter, Su­per-Jo­ker, Elf­me­ter-Kri­sen und den ro­ten Gus­ta­vo

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport -

Es kam, wie es kom­men muss­te, und doch muss es noch mal be­tont wer­den: Bay­ern Mün­chen wur­de zum 27. Mal Deut­scher Meis­ter, die letz­ten fünf Ti­tel er­ran­gen sie in Fol­ge. Bei­des ist ein­ma­lig in der Ge­schich­te des (west-)deut­schen Fuß­balls. An­sons­ten ge­hört die Büh­ne den an­de­ren.

Von Udo Mu­ras

Die Su­per-Auf­stei­ger: Ra­sen­ball­sport Leip­zig und der SC Frei­burg sind das bes­te Auf­stei­ger-Duo al­ler Zei­ten. Die Sach­sen sind in der Cham­pi­ons Le­ague, der SC hofft als Sieb­ter noch auf die Eu­ro­pa-Le­ague-Qua­li, da­zu braucht es ei­nen Dort­mun­der Po­kal­sieg am Sams­tag. Selbst wenn nicht: Zwei Auf­stei­ger un­ter den ers­ten sie­ben gab es zu­letzt 1972/73, als Wup­per­tal Vier­ter und Of­fen­bach Sieb­ter wur­de. RB Leip­zig stell­te zu­dem die Auf­stei­ger­re­kor­de der Bay­ern von 1965/66 (20 Sie­ge, acht Aus­wärts­sie­ge) ein und ist der zwei­te Auf­stei­ger nach Meis­ter Kai­sers­lau­tern 1998, der di­rekt in die Cham­pi­ons Le­ague ein­zog.

Frei­bur­ger Plus-Mi­nus: So po­si­tiv Frei­burgs Sai­son auch ver­lief, nie hat­te ei­ne Mann­schaft auf ei­nem der ers­ten sie­ben Plät­ze ei­ne schlech­te­re Tor-Dif­fe­renz (mi­nus 18). Auch Her­tha ist im Mi­nus (-4): Zwei Eu­ro­pa­cup-Teil­neh­mer der Bun­des­li­ga mit ne­ga­ti­ver Tor­dif­fe­renz gab es nur 1999/2000.

Das Trai­ner­rou­let­te: Zehn Clubs zo­gen die Reiß­lei­ne, nach der Hin­run­de (sie­ben) stand mehr zu be­fürch­ten. Und doch gab es zu­letzt vor sechs Jah­ren mehr Ent­las­sun­gen. Wolfs­burg feu­er­te gleich zwei Trai­ner und muss doch erst­mals in die Re­le­ga­ti­on.

Die neue Heim­stär­ke: Seit 13 Jah­ren gab es nicht mehr so vie­le Heim­sie­ge wie jetzt (150). Drei Teams blie­ben oh­ne Heim­nie­der­la­ge (Bay­ern, Dort­mund und Hof­fen­heim), der BVB ist mitt­ler­wei­le 38 Spie­le un­ge­schla­gen.

Zu­schau­er­rück­gang: 41516 Zu­schau­er pas­sier­ten pro Spiel die Sta­di­on­to­re, im Vor­jahr wa­ren es 42 421. Kein Grund zur Pa­nik, die Sta­di­en der Auf­stei­ger wa­ren klei­ner als die der Ab­stei­ger. Den­noch der ge­rings­te Wert seit 2007/08. Bay­ern Mün­chens Spie­le sind seit Ja­nu­ar 2007 aus­ver­kauft, auch aus­wärts. Dort­mund ist zum 19. Mal in Fol­ge Zu­schau­er­kö­nig (79 712).

Tor-Hoch: Nach der Hin­run­de lag der Schnitt noch bei 2,66, in der Rück­run­de leg­ten die Tor­jä­ger zu. Mit

Sze­nen ei­ner Sai­son: RB steigt auf bis in die Cham­pi­ons Le­ague, Gus­ta­vo fliegt zum 8. Mal vom Platz, Lu­kas Hra­de­cky da­für schnel­ler. Le­ver­ku­sen trifft nicht vom Punkt, Ha­lil Alt­in­top wird oft aus- und Nils Pe­ter­sen er­folg­reich ein­ge­wech­selt. Der BVB ist Zu­schau­er­krö­sus und Bay­ern Meis­ter. Fo­tos: Wit­ters (4), im­a­go (Joa­chim Siel­ski, Schü­ler, Her­bert Buc­co, Eib­ner)

2,87 pro Sai­son­spiel wur­de die Vor­sai­son (2,83) über­trof­fen, es ist der bes­te Wert seit drei Jah­ren.

Re­kord-Le­gio­när: Pier­reE­me­rick Auba­meyang (Dort­mund) ge­wann erst­mals die Ka­no­ne des Tor­schüt­zen­kö­nigs und stell­te mit 31 To­ren auch ei­nen Re­kord für aus­län­di­sche Bun­des­li­ga-Spie­ler auf. Den al­ten hielt Dau­er-Ri­va­le Ro­bert Le­wan­dow­ski (30).

Die Su­per-Jo­ker: Mit 123 Jo­ker-To­ren wur­de ein Bun­des­li­ga-Re­kord ge­bro­chen. Der al­te lag bei 110 (in 2004/05). Am häu­figs­ten sta­chen die Hof­fen­hei­mer Jo­ker (13-mal). Der Su­per-Jo­ker der Bun­des­li­ga kommt nun aus Frei­burg, Nils Pe­ter­sen stell­te mit neun To­ren den Sai­son­re­kord von Stutt­garts Ga­nea ein und – wich­ti­ger noch – brach den Bun­des­li­gare­kord von Ex-Bay­er Alex­an­der Zick­ler, als er aus­ge­rech­net in Mün­chen zum 19. Mal nach Ein­wechs­lung traf.

Der Re­kord-Kurz­ar­bei­ter: Auch bei den Aus­wechs­lun­gen wur­de ein Bun­des­li­gare­kord ge­bro­chen. In der drit­ten Mi­nu­te der Nach­spiel­zeit des letz­ten Sai­son­spiels schlurf­te Augs­burgs Ha­lil Alt­in­top zum 140. Mal vor Ab­pfiff vom Platz – und nahm dem Ex-Schal­ker Ge­rald Asa­moah den ku­rio­sen Re­kord ab.

Elf­me­ter-Kri­se: Am Krei­de­punkt zeig­ten die Pro­fis Ner­ven. 27 Fehl­schüs­se sind ab­so­lut der schlech­tes­te Wert seit 15 Jah­ren und re­la­tiv (27,83 %) seit sechs. Haupt­ver­ant­wort­lich da­für: Bay­er Le­ver­ku­sen, das zwar die meis­ten Elf­me­ter be­kam, aber auch die meis­ten ver­schoss (fünf von neun). Nur der HSV blieb, erst­mals seit 1997/98, oh­ne Elf­me­ter-Tor.

Der ro­te Gus­ta­vo: Wolfs­burgs Luiz Gus­ta­vo flog am 31. Spiel­tag ge­gen die Bay­ern be­reits zum 8. Mal vom Platz und stell­te den Sün­der­re­kord von Le­ver­ku­sens Jens No­wot­ny ein. Es war ei­ner von 56 Platz­ver­wei­sen der Sai­son, mehr gab es zu­letzt vor drei Jah­ren (58).

Der schnel­le Lu­kas: Frank­furts Lu­kas Hra­de­cky sorg­te am 17. Spiel­tag in Leip­zig für den zweit­schnells­ten Platz­ver­weis (131 Se­kun­den) al­ler Zei­ten – und den schnells­ten ei­nes Tor­warts.

Das HSV-Wun­der: Nach zehn Spiel­ta­gen stan­den zwei Mann­schaf­ten mit je zwei Punk­ten am En­de: In­gol­stadt und der HSV. Die Sta­tis­tik mach­te we­nig Hoff­nung, nach ei­nem sol­chen Start hat­te sich noch kei­ner ge­ret­tet. Heu­te wis­sen wir: So was schafft nur der HSV!

Und doch noch ein biss­chen Bay­ern: Die Münch­ner spiel­ten ih­re viert­bes­te Sai­son, der Vor­sprung (15 Punk­te) war auch schon mal grö­ßer. Die­ses Jahr schaff­ten sie nur zwei eher selt­sa­me Re­kor­de. Elf To­re in der Nach­spiel­zeit und nur sie­ben Ge­gen­to­re nach der Pau­se gab’ s noch nie. Und ein gro­ßer Bay­ern-Spie­ler ging als Re­kord­Meis­ter: Phil­ipp Lahm hol­te mit sei­nem ach­ten Ti­tel Oli­ver Kahn, Bas­ti­an Schwein­stei­ger und Meh­met Scholl ein.

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