Im­mer wie­der bru­tal zu­ge­sto­chen

Mord­pro­zess soll Blut­tat am Prießnitz­hof auf­klä­ren – 29-jäh­ri­ger An­ge­klag­ter stand un­ter Dro­gen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück -

We­gen Mor­des so­wie ver­such­ten Mor­des steht seit ges­tern ein 29-Jäh­ri­ger aus Mel­le vor dem Land­ge­richt Osnabrück. Im Ok­to­ber soll er am Os­na­brü­cker Prießnitz­hof ei­nen 51-jäh­ri­gen Mann mit ei­nem Mes­ser ge­tö­tet und ei­nen da­mals 38-Jäh­ri­gen le­bens­ge­fähr­lich ver­letzt ha­ben.

Von Ul­rich Eck­se­ler

Am ers­ten Ver­hand­lungs­tag wur­de zu­nächst nur die An­kla­ge­schrift ver­le­sen. Dem­nach be­fand sich der An­ge­klag­te in der Nacht vom 21. auf den 22. Ok­to­ber 2016 mit zwei Zeu­gen im Al­ter von 38 und 30 Jah­ren in der ge­mein­sa­men Woh­nung der bei­den spä­te­ren Op­fer. Die fünf Män­ner hät­ten sich zu­nächst gut ver­stan­den, heißt es wei­ter.

Ge­gen 1.20 Uhr be­ga­ben sich die bei­den Zeu­gen und der spä­ter le­bens­ge­fähr­lich ver­letz­te 38-Jäh­ri­ge auf den Dach­bo­den, wäh­rend der An­ge­klag­te mit dem 51-Jäh­ri­gen in der Woh­nung zu­rück­blieb. Plötz­lich und voll­kom­men über­ra­schend at­ta­ckier­te der 29-Jäh­ri­ge der An­kla­ge­schrift zu­fol­ge sein Ge­gen­über mit ei­nem mit­ge­brach­ten, acht Zen­ti­me­ter lan­gen Mes­ser. Die Staats­an­walt­schaft geht da­von aus, dass der Mel­ler den an­de­ren vor­sätz­lich tö­ten woll­te.

Min­des­tens drei Schnit­te ha­be der An­grei­fer dem 51Jäh­ri­gen am vor­de­ren Hals­be­reich zu­ge­fügt, führ­te der Staats­an­walt aus. Da­durch sei­en die lin­ke Hals­ar­te­rie ver­letzt und so­wohl die lin­ke Hals­ve­ne als auch die Luft­röh­re kom­plett durch­trennt wor­den. Im wei­te­ren Ver­lauf der Blut­tat soll der 29-Jäh­ri­ge noch vier­mal in die Brust und drei­mal in den Bauch sei­nes Op­fers ge­sto­chen ha­ben. Die Atta­cken auf den Bauch hät­ten schwe­re Ver­let­zun­gen des Rip­pen­bo­gens, des Zwerch­fells und des Ma­gens zur Fol­ge ge­habt. Der Tod des 51-Jäh­ri­gen sei in­ner­halb we­ni­ger Au­gen­bli­cke ein­ge­tre­ten.

Als die drei an­de­ren Män­ner zu­rück­kehr­ten, ha­be der An­ge­klag­te den zwei­ten Be­woh­ner be­droht: „Und jetzt bist du dran!“Dann ha­be er

sei­nen Fuß vor die Tür ge­stellt, um ei­ne Flucht zu ver­hin­dern, und er­neut in Tö­tungs­ab­sicht zu­ge­sto­chen.

Den Wor­ten des An­kla­ge­ver­tre­ters zu­fol­ge füg­te der An­ge­klag­te dem 38-jäh­ri­gen zu­nächst drei Ver­let­zun­gen im Be­reich der lin­ken Schul­ter zu. Dann drück­te er ihn –

das Mes­ser noch in der Hand – zu Bo­den. Als das Op­fer um sein Le­ben kämpf­te, ließ der 29-Jäh­ri­ge kurz von ihm ab, was der An­ge­grif­fe­ne zur Flucht ins Trep­pen­haus nutz­te. Der An­ge­klag­te ver­folg­te ihn und stach zwei­mal in sei­nen lin­ken Ober­arm. Als der Schwer­ver­letz­te dar­auf­hin

auf die Stra­ße lief, kam ihm der 29-Jäh­ri­ge er­neut hin­ter­her. „Glaubst du, du kannst vor mir weg­lau­fen?“, ha­be er ge­schrien und mit sei­ner Waf­fe wei­te­re fünf­mal zu­ge­sto­chen – die­ses Mal in den Rü­cken sei­nes Op­fers.

In der Sum­me er­litt der 38-Jäh­ri­ge le­bens­ge­fähr­li­che Ver­let­zun­gen, dar­un­ter ei­nen Stich, der bis auf sei­ne Wir­bel­säu­le reich­te. Au­ßer­dem wur­den meh­re­re Mus­keln durch­trennt. In der An­nah­me, der Mann sei tot, ha­be der An­ge­klag­te schließ­lich von ihm ab­ge­las­sen, be­rich­te­te der Staats­an­walt. Der 38-Jäh­ri­ge ha­be sich dar­auf­hin zu ei­ner Bus­hal­te­stel­le ge­schleppt, wo Pas­san­ten ihn fan­den. Nur dank ei­ner No­tope­ra­ti­on ha­be er ge­ret­tet wer­den kön­nen. Der An­ge­klag­te soll sich der­weil wie­der zu­rück zu dem Haus be­ge­ben ha­ben, in der Ab­sicht, nun auch die an­de­ren Män­ner zu tö­ten. Die­se hat­ten sich aber in­zwi­schen in Si­cher­heit ge­bracht.

Zu ei­nem mög­li­chen Mo­tiv wur­de am ers­ten Ver­hand­lungs­tag nichts be­kannt. Fest steht, dass der An­ge­klag­te un­ter dem Ein­fluss von Ko­ka­in und Opia­ten stand. Der Staats­an­walt geht da­her von ei­ner ver­min­der­ten Schuld­fä­hig­keit aus. Der­zeit ist der 29Jäh­ri­ge in ei­ner psych­ia­tri­schen An­stalt un­ter­ge­bracht. Am nächs­ten Ver­hand­lungs­tag will die Ver­tei­di­gung im Na­men ih­res Man­dan­ten ei­ne Er­klä­rung ab­ge­ben.

Der 29-jäh­ri­ge An­ge­klag­te, hier mit sei­nem Köl­ner Rechts­an­walt Ga­bor Su­bai, ver­steck­te sein Ge­sicht vor dem Be­ginn der Ver­hand­lung hin­ter ei­ner Map­pe. Fo­to: Michael Grün­del

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