L’Ar­co mit Mu­sik-Me­nü

Ba­rock­mu­sik­kon­zert zum Tele­mann-Jahr

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur Regional - Von Jan Kamp­mei­er

Es ist ein opu­len­tes mu­si­ka­li­sches Me­nü in sechs Gän­gen: Das Ba­rock­or­ches­ter L’ Ar­co aus Han­no­ver spiel­te zum Tele­mann-Jahr (vor 250 Jah­ren starb der Kom­po­nist) ein Pro­gramm, dass sich an das Kon­zept sei­ner „Ta­fel­mu­sik“an­lehnt.

Der ers­te Gang ist nicht et­wa ei­ne Vor­spei­se, son­dern gleich die größ­te Por­ti­on. Fast 25 Mi­nu­ten dau­ert ei­ne Sui­te für Orches­ter und Alt­block­flö­te. Mit L’ Ar­co mu­si­ziert Eli­sa­beth Schwan­da als So­lis­tin, die im aus­la­den­den ro­ten Ba­rock­kleid auf die Büh­ne kommt. Ih­re Ar­ti­ku­la­ti­on ist blitz­sau­ber, und auch das Orches­ter kommt sehr leicht­fü­ßig da­her, kann aber durch­aus auch Vo­lu­men ent­fal­ten.

Tele­manns Kon­zept sieht vor, dass Orches­ter- und kam­mer­mu­si­ka­li­sche Wer­ke sich nach be­stimm­tem Mus­ter ab­wech­seln, und so ist es auch bei L’ Ar­co. Von der „gan­zen Band­brei­te der Ba­rock­mu­sik“spricht Kon­zert­meis­ter Chris­toph Hei­de­mann. Ste­fan Han­hei­de mo­de­riert den Abend in der Schloss­au­la, doch er tut das im lo­cke­ren Ge­spräch mit dem Gei­ger, die Ex­per­ti­se kommt al­so di­rekt vom In­ter­pre­ten. Der setzt sich ent­schie­den ein für Tele­mann: Lan­ge ha­be man ihn als Viel­schrei­ber ge­ring­ge­schätzt, so ha­be er et­wa 40 Pas­sio­nen kom­po­niert, Bach da­ge­gen nur zwei, die da­für um­so hö­her ge­wer­tet wur­den. Aber Tele­mann sei „nicht zum Be­säu­seln, son­dern man muss ak­tiv zu­hö­ren“.

Das hat die Mu­sik, der Abend be­weist es, auch ein­deu­tig ver­dient, al­ler­dings steht nicht nur Tele­mann auf dem Pro­gramm. Jo­hann Joa­chim Quantz stellt in ei­ner Trio­so­na­te Block- und Tra­vers­flö­te ge­gen­über. „Fl­au­to dol­ce“, sü­ße Flö­te wird die Block­flö­te auch ge­nannt, da­bei ist es die Tra­vers­flö­te, die viel sanf­ter und wei­cher klingt. Düs­ter und dra­ma­tisch wird es bei Jo­hann Ge­org Pi­sen­del, ei­ne ganz neue Far­be bringt sei­ne So­na­te für Vio­li­ne und Cem­ba­lo da­her ins Pro­gramm. Wie­der von Tele­mann ist ein be­son­ders reiz­vol­les Kon­zert mit drei So­lis­ten: Den lieb­li­chen Tra­vers­flö­ten steht das na­sa­le ba­ro­cke Fa­gott ge­gen­über, ei­ne sehr reiz­vol­le Kom­bi­na­ti­on. Be­son­ders auf­fäl­lig in die­sem Kon­zert ist das der­be, kna­ckig ge­spiel­te „pol­ni­sche“Fi­na­le.

Am En­de steht als Ge­gen­stück zum Be­ginn wie­der­um ei­ne tän­ze­ri­sche Sui­te von Tele­mann. Die ist in der von Chris­toph Hei­de­mann et­was „auf­ge­motz­ten“Fas­sung mit Flö­ten und Fa­gott be­son­ders an­spre­chend, und am En­de gibt es ei­nen Über­ra­schungs­ef­fekt: Fa­got­tist Christian Wal­ter greift im Fi­na­le zur Dreh­lei­er.

Das Ba­rock­or­ches­ter „L’Ar­co“gab ein Kon­zert in der Schloss­au­la zum Tele­mann-Jahr. Fo­to: Michael Grün­del

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