Der Feind auf dem Sa­lat

Ge­frä­ßi­ge Nackt­schne­cken sind der Schre­cken der Gar­ten­be­sit­zer – Tipps und Tricks

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück -

Die Nackt­schne­cke ge­hört zu den är­ger­lichs­ten Gar­ten­schäd­lin­gen über­haupt. Was kann man ge­gen sie tun? Brenn­nes­sel­brü­he? To­te Schne­cken an den Zaun hän­gen? For­schun­gen zei­gen, dass Ar­ten­viel­falt hel­fen kann. Und der Re­gen­wurm. Denn er trai­niert die Pflan­zen auf ih­ren Schne­cken­kampf.

Von Jörg Zitt­lau

Sie ist der Schre­cken al­ler Gar­ten­be­sit­zer und kann in Mi­nu­ten ei­ne Pflan­ze fast kahl fres­sen: die spa­ni­sche Weg­schne­cke, Ari­on vul­ga­ris. Ob­wohl ur­sprüng­lich ein Ein­wan­de­rer, ge­hört sie mitt­ler­wei­le zu den häu­figs­ten Schne­cken­ar­ten Deutsch­lands. Und das, ob­wohl sie kein Ge­häu­se hat und da­her ei­gent­lich schlech­ter vor Fein­den ge­schützt sein soll­te. Aber ihr Schleim schmeckt ex­trem bit­ter, wes­we­gen sie von Igeln, Krö­ten und an­de­ren Schne­cken­kil­lern ge­mie­den wird. Sie kann da­her, je nach Wit­te­rung, zur Pla­ge wer­den.

Ein­fach sam­meln?

Der Gärt­ner steht dann vor der Fra­ge, was er ge­gen die ge­frä­ßi­gen Weich­tie­re tun kann. Zu den klas­si­schen Me­tho­den ge­hört, den Bo­den mög­lichst dicht zu mul­chen und rund um die Bee­te ei­ne Schicht aus Sä­ge­mehl und Kalk zu streu­en. Denn das ent­zieht die Feuch­tig­keit, auf die ei­ne Schne­cke an­ge­wie­sen ist, und der Kalk sorgt zu­dem da­für, dass sie sich die Soh­le ver­ätzt.

Die Er­fah­rung zeigt je­doch, dass die Tie­re ir­gend­wie im­mer wie­der ei­nen Weg fin­den, die­sen Bar­rie­ren aus­zu­wei­chen. Au­ßer­dem ist die

spa­ni­sche Weg­schne­cke als Mit­tel­eu­ro­päe­rin ge­wohnt, auch mal län­ge­re Tro­cken­pe­ri­oden durch­zu­ste­hen. Der Feuch­tig­keits­ent­zug macht ihr al­so we­ni­ger aus als an­de­ren Schne­cken.

Grö­ße­re Er­folgs­aus­sich­ten bie­tet die Me­tho­de, die Tie­re ein­fach zu sam­meln. Am bes­ten legt man hohl lie­gen­de Bret­ter mit pflanz­li­chen Ab­fäl­len als Kö­der aus, oder

auch gro­ße Kohl- oder Sa­lat­blät­ter. Die Tie­re wer­den an­ge­lockt, fres­sen sich voll und wer­den trä­ge, so­dass man sie pro­blem­los ein­sam­meln kann. Da­bei soll­te man aber, we­gen des gif­ti­gen Schleims, Hand­schu­he tra­gen. Und man soll­te über­le­gen, was man mit den ge­sam­mel­ten Schne­cken macht. Wer sie ein­fach über den Gar­ten­zaun wirft, muss da­mit rech­nen,

dass sie wie­der­kom­men; oder aber beim Nach­barn für Un­frie­den sor­gen. Al­so bleibt wohl oder übel nur, das Tier zu tö­ten. Bei­spiels­wei­se durch Ab­tren­nen des Kop­fes.

Ei­ne we­ni­ger un­ap­pe­tit­li­che und auch nach­bar­schaft­lich wie öko­lo­gisch ver­tret­ba­re Stra­te­gie ge­gen den Schne­cken­fraß er­mit­tel­te man kürz­lich an der Uni­ver­si­tät Wi­en. Die ös­ter­rei­chi­schen

Zoo­lo­gen leg­ten für ih­re Stu­die zwei Pflan­zen­bee­te an, das ei­ne mit nied­ri­ger (nur drei Ar­ten) und das an­de­re mit ho­her Pflan­zen­viel­falt (zwölf Ar­ten). Au­ßer­dem setz­te man dort un­ter­schied­li­chen Men­gen von Re­gen­wür­mern aus. Fünf Wo­chen spä­ter gab man je­weils zwei spa­ni­sche Weg­schne­cken hin­zu, die sich ei­ne Wo­che lang un­ge­stört an den Pflan­zen be­die­nen durf­ten. Zum Ab­schluss wur­den die Tie­re ent­fernt und ge­wo­gen, und die For­scher über­prüf­ten noch, wie stark die Pflan­zen an­ge­fres­sen wa­ren.

Es zeig­te sich, dass in den Bee­ten mit der ge­rings­ten Pflan­zen­viel­falt und Wür­me­r­an­zahl die Schne­cken am meis­ten Scha­den an­ge­rich­tet hat­ten. 40 Pro­zent we­ni­ger fra­ßen sie hin­ge­gen, wenn vie­le un­ter­schied­li­che Pflan­zen­ar­ten auf dem Beet wa­ren. Und wenn zu­sätz­lich noch vie­le Wür­mer dar­in her­um­kro­chen, fiel ihr Ap­pe­tit so­gar um 60 Pro­zent nied­ri­ger aus. Ein bun­ter Gar­ten mit vie­len Re­gen­wür­mern bie­tet al­so ei­nen be­acht­li­chen Schne­cken­schutz.

Flei­ßi­ge Wühl­ar­beit

Der Grund: Die Wür­mer er­hö­hen durch ih­re Wühl­ar­beit den Stick­stoff­ge­halt im Bo­den und ver­bes­sern da­durch die Fä­hig­keit der Pflan­zen, sich mit gif­ti­gen Sub­stan­zen ge­gen die Schne­cken zu weh­ren. Die Pflan­zen­viel­falt hin­ge­gen sorgt für Un­ru­he un­ter den Schne­cken. Denn die fres­sen zwar, wie Stu­di­en­lei­ter Jo­hann Al­ler be­tont, fast al­les, „aber sie be­vor­zu­gen Nah­rung, die in gro­ßer Men­ge ver­füg­bar ist“.

In ab­wechs­lungs­rei­chen Öko­sys­te­men be­deu­tet das für sie, dass sie häu­fi­ger ih­re Nah­rung wech­seln müs­sen, und das fällt ih­nen of­fen­bar so schwer, dass sie im End­ef­fekt we­ni­ger fres­sen. Bleibt fest­zu­hal­ten, dass man als Gärt­ner nur sein Vi­sier auf die nack­ten Weg­schne­cken le­gen muss. Die Tie­re mit dem Ge­häu­se sind in der Re­gel un­pro­ble­ma­tisch. Oder so­gar nütz­lich. So frisst die Wein­berg­schne­cke nicht nur ab­ge­stor­be­nes Pflan­zen­ma­te­ri­al – sie be­dient sich auch an den Ei­ern der Nackt­schne­cken.

Fo­to: im­a­go/blick­win­kel

35 ver­schie­de­ne Ar­ten von Nackt­schne­cken gibt es in Deutsch­land. Ei­ne da­von ist die Ro­te Weg­schne­cke, auch Gro­ße Ro­te Weg­schne­cke ge­nannt. Sie kann zwölf bis 15 Zen­ti­me­ter groß wer­den.

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